Stadt unterstützt Klage gegen Nachtflüge nicht

Rat spricht sich denkbar knapp gegen einen Zuschuss von 15.000 Euro aus

Langenhagen (ok). Der Rat der Stadt Langenhagen wird die Klage der Arbeitsgemeinschaft "Besser ohne Nachtflug - Hannover Airport (BON-HA)" für ein Nachtflugverbot nicht finanziell unterstützen. Ratsfrau Felicitas Weck (die Linke) hatte beantragt, dass die Kommune maximal 15.000 Euro zur Verfügung stellen sollte. Die Entscheidung ist denkbar knapp mit 18:16 bei einer Enthaltung ausgefallen; im Finanz-, Wirtschafts- und Personalausschuss in der vergangenen Woche noch positiv beschieden worden.. Felicitas Weck konnte mit ihrem Plädoyer nicht zur Mehrheit ihrer Kollegen durchdringen. Die "BON-HA" habe inzwischen etwa 25.000 Euro an Spenden eingeworben; der Klageweg werde aber mindestens 50.000 Euro kosten. Fluglärmexperten würden der Klage gute Chancen einräumen, weil die notwendigen acht Stunden Schlaf gestört seien und zudem die Aufwachschwelle von 34 Dezibel überschritten werde. Rund 30.000 Einwohner seien vom Fluglärm direkt betroffen; in den Wohngebieten von Langenhagen werde in der Spitze ein Wert von 80 Dezibel erreicht. Lärm mache krank, und rund fünf Millionen Bundesbürger fühlten sich vom Lärm belästigt. Der Flughafen sei derzeit nur zu rund 50 Prozent ausgelastet; 18 Prozent der Flugbewegungen lägen zwischen 22 und 6 Uhr. Felicitas Weck: "Ich finde nicht, dass uns das egal sein kann. Die Stadt Langenhagen hat eine Verantwortung für die Gesundheit ihrer Bürgerinnen und Bürger, nicht nur für eine wirtschaftliche Weiterentwicklung der Stadt. Geld geht nicht vor Gesundheit"". Für Achim Hinz (AfD) hat eine Medaille dagegen immer zwei Seiten; eine Stadt dürfe mit Steuergeldern aber nicht die Klage einer Privatinitiative unterstützen. Dietmar Grundey (CDU) aus Schulenburg ist der Ansicht, dass jede andere Kommune froh sei, solch einen Flughafen in ihrer Stadt zu haben. Der Umsatz belaufe sich auf 1,2 Millionen Euro im Jahr; die Mitarbeiterzahl liege bei 8.000 bis 9.000 direkten Arbeitsplätzen. Wer sich in Langenhagen gegen einen Flughafen ausspreche, sei "ein Nestbeschmutzer". Auch Joachim Balk (FDP) sieht de Standortvorteil des Airports; die Jobmaschine schaffe insgesamt 22.000 direkte und indirekte Arbeitsplätze. Zudem sei Langenhagen noch ein Notffallflughafen, der nachts Starts und Landungen ermöglichen müsse. Matthias Gleichmann (SPD) wies darauf hin, dass der Flughafen nur einen Teil der Kosten in Sachen Schallschutz übernehme. Und: Gewinn mache die Geschäftsführung eher mit der Vermietung und Verpachtung von Flächen, nicht mit Nachtflügen. Andreas Eilers (WG-AfL) räumt der Klage keine Chancen ein. Vielmehr müsse auf leisere Maschinen, höhere Entgelte in der Nacht und eventuell auf ein anderes Anflugverhalten gesetzt werden.  Für Dirk Musfeldt sind die Nachtflüge ein Geschäftsmodell des Flughafens; er zählt etwa 50 Bewegungen in der Nacht. Aber Klage hin oder her: Für die Betriebsgenehmigung, die Ende nächsten Jahres ausläuft, ist nicht die Stadt Langenhagen, sondern das Niedersächsische Wirtschaftsministerium zuständig.