Stadtarchiv ist Favorit für die Remise

Architekt Wilfried Engelke (links) erläutert den Ausschussmitgliedern den Fortschritt der Außenarbeiten.Foto: O. Krebs
 
Rundgang durchs Stadtarchiv mit Leiterin Heike Brück-Winkelmann (rechts).Foto: O. Krebs

Stadtplanungsausschuss nimmt historische Gebäude im Eichenpark unter die Lupe

Langenhagen (ok). Die einen nennen es Siechenhaus, die anderen sprechen etwas vornehmer von der Remise. Letztendlich egal, gemeint ist schließlich dasselbe Gebäude, das mit dem VHS-Bildungszentrum Eichenpark verbunden ist. Mehr als zehn Jahre stand das Haus, in dem vorher das Kranken- und Siechenhaus des Alten- und Pflegeheimes Feierabend untergebracht war, leer. Die Außenarbeiten wie Wärmedämmung und Trockenlegung sind bald abgeschlossen, bevor die Innenarbeiten in Angriff genommen werden, stellt sich allerdings die Frage: Was passiert in der Zukunft mit und vor allen Dingen in der Remise? Die Sanierung soll mit Mitteln aus dem Konjunkturpaket II in Angriff genommen werden, insgesamt stehen 240.000 Euro zur Verfügung. Im Inneren sind zahlreiche Schäden vorhanden; es gibt keine nutzbaren Installationen mehr. Wände wurden eingerissen, Sanitär- und Elektroanlagen zerstört. Wandputz, Türen und Bodenbelag fehlen teilweise oder sind schwer beschädigt. Vor mehr als zehn Jahren ist das Dach mit einer Lage Dachpappe gesichert und die Regenentwässerung instand gesetzt worden, um den weiteren Verfall im Gebäudeinneren aufzuhalten. Der Stadtplanungs- und Bauausschuss hat sich jetzt ein Bild von der Situation gemacht, vorher das Rohdehaus unter die Lupe genommen, das bei der Entscheidung für die Nutzung eine Rolle spielt. Aber der Reihe nach: Die Verwaltung bringt drei mögliche Varianten ins Spiel, was in der Remise untergebracht werden könnte: allgemeine Büroräume für die Verwaltung, das Standesamt oder das Stadtarchiv. In der Sitzung des Stadtplanungs- und Umweltausschusses nach der Besichtigung der beiden historischen Gebäude wurde dann schnell deutlich, wohin die Reise gehen könnte. Eine Nutzung als Standesamt fällt nach Ansicht der Ausschussmitglieder schon allein aus funktionalen Gesichtspunkten weg, die Standesamtsakten könnten nicht alle untergebracht werden. Genauso wie eine Verlagerung anderer Arbeitsplätzen aus dem Rathaus würde eine Verlegung des Standesamtes mehr im Publikumsverkehr nach sich ziehen – eine Entwicklung, die im idyllisch gelegenen Eichenpark nicht gerade erwünscht ist. Bleibt der Vorschlag Stadtarchiv, und der fand nicht nur bei den Mitgliedern des Ausschusses, sondern auch bei Leiterin Heike Brück-Winkelmann großen Anklang. Sie wurde eng in die Planungen von Architekt Wilfried Engelke und seinem Team eingebunden. Neben sieben Arbeitsplätzen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter soll es sechs bis acht Besuchsarbeitsplätze geben, in der Mitte die Präsenzbibliothek des Archivs angesiedelt. Charme hat für Heike Brück-Winkelmann auch eine geplante Rampe, denn Akten seien nicht nur geduldig, sondern auch breit und sperrig. Geplant ist darüber hinaus, die Zusammenarbeit mit der benachbarten Volkshochschule noch mehr zu intensivieren, zum Beispiel die Seminarräume für Projekte mit Schulklassen zu nutzen. Nicht empfohlen wird vor allen Dingen aus Gründen des Brandschutzes, den Dachboden auszubauen. Die Kosten werden auf ungefähr 700.000 Euro geschätzt. Allerdings benötigt Heike Brück-Winkelmann auf lange Sicht mehr Stauraum für die Akten des Archivs, die im Schulzentrum untergebracht sind und dort auch erst einmal bleiben sollen. „Pro Jahr und Mitarbeiter kommt etwa ein Meter Akten dazu“, so die Archivleiterin.
Bleibt eine zweite Frage: Was wird aus dem Rohdehaus? Das muss nämlich auch von Grund auf saniert werden, der Zahn der Zeit hat bereits kräftig an dem 200 Jahre alten Gebäude genagt, die Kosten werden bei der Sanierung und Renovierung wohl in die Millionen gehen. Genau seien die Kosten ganz schwer einzuschätzen, solange noch nicht feststehe, was letztendlich mit einem der ältesten Gebäude Langenhagens geschehe. Verwaltungsmitarbeiterin Carolin Ottensmeyer: „Fachwerk ist eben eine Wundertüte.“ Und wie man diese Wundertüte und die Remise unter einen Hut, darüber wollen die Politiker in den Fraktionen noch eingehend diskutieren, sodass eine Entscheidung über einen Teil des historischen Ensembles im Eichenpark erst einmal aufgeschoben wurde.