„Sterben ist doch ganz anders“

Jörgen Bruhn möchte mit seinem Buch die Angst vor dem Tod nehmen.Foto: D. Thiele

Hospizwoche: Jörgen Bruhn berichtet über Nahtoderlebnisse

Langenhagen (dt). „Ja, ja, ist ja gut“: Wenn Jörgen Bruhn Menschen auf sein Buch „Blicke hinter den Horizont“ anspricht, kommt das nicht überall gut an. „Ich kann dann nur immer wieder betonen, dass es nicht ein Buch für alle, die uns verlassen wollen, ist“, so der Autor. Viele Menschen würden sich scheuen, über Nahtoderlebnisse nachdenken zu wollen. „Aber das ist etwas, das gehört zur Allgemeinbildung!“
Ein interessiertes Publikum mit der Bereitschaft sich auf das Thema „Nahtod“ einlassen zu wollen, war dem Hamburger am Montagabend im Langenhagener Ratssaal dagegen sicher. „Das Problem ist die Sprache, denn wenn etwas erlebt wird, was nicht mehr von dieser Welt ist, ist der Mensch oft sprachlos.“ Wie also sind Berichte über den Tod von Menschen, die klinisch tot waren, zu verstehen? Für Bruhns ist das ganz klar: „Ernst nehmen, kapieren und darüber sprechen!“
Der ehemalige Lehrer beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit „Nahtoderfahrungen“, begründet dieses biographisch mit dem Tod der Eltern sowie seines Zwillingbruders und hat zahlreiche Gespräche mit Betroffenen in seinem Buch geschildert. Bruhns legt Wert darauf, nicht esoterisch zu sprechen, er kritisiert Skeptiker – insbesondere Ärzte – mit einem Lächeln im Gesicht und wirft ihnen vor, nur an das zu glauben, was ihre Statistiken beweisen würden. Die jedoch hält er für unsinnig. Seine Beweise dafür, dass mit unserem Tod nicht alles vorbei sei, begründet er mit zahlreichen Geschichten von Menschen, die klinisch tot waren, dann aber ins Leben zurück geholt werden konnten. Ernsthaft und zugleich mitreißend mit viel Hamburger Humor erzählt er von Menschen, die „hören“ mussten, sie seien tot. Menschen, die die Gefühle während ihres Nahtodes mit den Glücksgefühlen der ersten Verliebtheit multipliziert mit 1000 erlebten. Das Publikum lacht über die Anekdote über Bruhns Tante, die sich als „probetot“ bezeichnet hatte und er betont immer wieder: „Der letzte Moment im Leben ist nicht zu fürchten!“ Dies sei der Moment, in dem die Seele den Körper verlasse. Diese könne sich frei im Raum bewegen, sie könne Gedanken lesen, sich an andere Orte denken. All das wird mit exemplarischen Geschichten belegt. Geschichten, die das Publikum fesseln. Eine Frau flüstert während des Vortrages, sie habe eine Gänsehaut, ihre Nachbarin nickt, es gehe ihr genauso.
Jörgen Bruhn berichtet von dem berühmten Tunnelerlebnis, bei dem der Sterbende einem Licht entgegen schwebe und von geliebten Verstorbenen abgeholt werden würde. Als er das einmal bei einem Vortrag gesagt hätte, sei eine Frau aufgestanden und rief entsetzt: „Um Himmels willen, wenn ich dann meinen geschiedenen Mann wiedersehen muss!“ Gelächter im vollen Ratssaal. Bruhns, als jahrelanges Mitglied eines Kirchenvorstandes religiös verbunden, stellt fest, dass man bei der Deutung solch eines Lichtes immer bei den Religionen landen würde. „Atheisten sprechen nach einer Nahtoderfahrung oft von Lichtwesen und dann schmilzt der Atheismus wie Schnee in der Frühlingssonne.“
Während er beklagt, dass Erwachsene sich nur ungerne mit dem Tod beschäftigen wollen, beobachte er bei Jugendlichen genau das Gegenteil: „Die fressen mir das Thema förmlich aus der Hand, für die ist das unendlich neues Gedankengut!“
Warum aber sollte man sich überhaupt mit einem möglichen Leben nach dem Tod beschäftigen? „Mit dem Tod ist es nicht aus sondern es fängt etwas Neues an!“ Das zu vermitteln, sei gerade für sterbenskranke Menschen wichtig. Aber auch Angehörige könnten dadurch Trost erhalten. „Wir müssen uns daran gewöhnen, dass so ein Abschied kein Abschied für immer ist.“