Streit um Nisthilfen

NABU mahnt Schutz von Gebäudebrütern an

Langenhagen (gg). Es geht um verschiedene Arten: Fledermäuse, Turmfalken, Hausrotschwanz, Haussperling, Dohle, Mehlschwalbe und Mauersegler – Ricky Stankewitz vom NABU Langenhagen zeigt in einem offenen Brief an die Stadtverwaltung auf, dass sie in ihrem Bestand bedroht sind, weil sie immer weniger Unterschlupf und Nisthilfen an Gebäuden finden. In Hannover gibt es daher eine Richtlinie (UVP), die als Vorgabe bei Sanierungen und Neubauten grundsätzlich und unabhängig von den rechtlichen Anforderungen gemäß Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG), den Einbau von Nisthilfen für Gebäude bewohnende Tierarten vorschreibt. Bereits im Februar hatte NABU Vorstandsmitglied Georg Obermayr, als Vertreter des Naturschutzes im Stadtplanungs- und Umweltausschuss, anlässlich des Klimaschutzberichtes die Verwaltung gebeten, analog zur Richtlinie der Stadt Hannover, verbindliche Vorgaben zum Schutz von Gebäudebrütern bei Neubau und Sanierung städtischer Gebäude zu erstellen. Durch den Einbau der Nisthilfen entstehen keine Nachteile im Energieeinsparpotential und auch die Kosten für den Einbau der Nisthilfen sind im Verhältnis zur Gesamtmaßnahme marginal. Die damalige Zusage war ein Gespräch mit der Umweltbeauftragten Marlis Finke und die Einzelfallprüfung bei entsprechenden Bau- und Sanierungsvorhaben. Bei der jüngesten Stadtplanungs- und Umweltausschuss-Sitzung hatte Obermayr in der Einwohnerfragestunde nach dem Ergebnis der Prüfung für die Installation von Nisthilfen am Neubau im Schulzentrum Langenhagen nachgefragt. Die Antwort Stadtbaurat Carsten Hettwer war, dass im Neubau keine Nisthilfen für Gebäudebrüter eingeplant sind und dies auch nicht erfolgen soll. „Von dieser Aussage sind wir als Vertreter des Naturschutzes in Langenhagen sehr enttäuscht.“ sagt Ricky Stankewitz, NABU-Vorsitzender und Naturschutzbeauftragter für Langenhagen und betont weiter: „Naturschutz ist keine reine Aufgabe von ehrenamtlich tätigen Menschen, sondern vor allem eine Aufgabe der öffentlichen Hand. Wie sollen wir Privatpersonen und Vertreter der Wirtschaft von der Notwendigkeit von Naturschutzmaßnahmen bei Neubauten und Sanierungen überzeugen, wenn die Stadt mit einem derart schlechten Beispiel vorangeht?“ Die ablehnende Haltung der Verwaltungsspitze zu diesem Thema werde bereits beim Betreten des Rathauses (von der Konrad-Adenauer-Straße aus) deutlich, denn der Schriftzug „Rathaus“ wurde vergittert, um die dort in der Vergangenheit brütenden Haussperlinge zu vergrämen. Da eine freiwillige, projektbezogene Umsetzung von Gebäudebrüterschutz in Langenhagen offenbar nicht möglich ist, wurden vom NABU alle Parteien und Gruppen im Stadtrat angeschrieben und gebeten, einen Antrag für eine verbindliche Richtlinie der Stadt Langenhagen zum Schutz von Gebäudebrütern zu erstellen. Außerdem wurden die politischen Vertreterinnen und Vertreter gebeten, im Fall des Neubaus von Mensa und Klassen im Schulzentrum Langenhagen, noch auf die Installation entsprechender Nistkästen während der Bauphase zu drängen, da eine nachträgliche Installation mit zusätzlichen Kosten (Baugerüst etc.) verbunden sind „Wir versprechen uns davon, das Bewusstsein der Stadtverwaltung, vor allem auch der Verwaltungsspitzen, für Naturschutzthemen zu wecken und somit einen zukünftig sensibleren Umgang mit diesen Thema zu erreichen. Selbstverständlich stehen wir auch weiterhin für beratende Gespräche zu diesem und anderen Naturschutzthemen zur Verfügung.“ so der Naturschützer abschließend.
Umgehend reagiert hat die Unabhängige Liberale Gruppe (ULG). Dazu ULG-Ratsmitglied Wilhelm Behrens: „Wir nehmen die Aufforderung des NABU an und stellt einen entsprechenden Antrag.“ Die ULG setzt sich dafür ein, dass die Verwaltung für die städtischen Gebäude in Langenhagen verbindliche Vorgaben analog zur UVP Hannover erstellt. „Auch privat werde ich mit einer Hauseigentümergemeinschaft entsprechend handeln, die Förderung der innerstädtischen Natur ist wichtig.“