Strukturen in Frage gestellt?

Symbolische Übergabe (von links): Tim Heinrich, Leiter der Dienststelle Langenhagen, Helge Vogelsang, Leiter der Rettungswache und Hermann Fraatz, Mitglied des Regionalvorstandes der Johanniter-Unfall-Hilfe Niedersachsen-Mitte.Foto: D. Lange

Neue Rettungswagen für Johanniter

Langenhagen (dl). „Wir fahren da jetzt raus und helfen denen." Mit diesen Worten beschwor der Regionalverbandspastor bei der Segnung der neuen Rettungswagen das Motto des Johanniter-Ordens, das „Eintreten für die Kranken und Hilfsbedürftigen“. Die vier Rettungswachen der Johanniter in der Region Hannover können dazu künftig die neueste Generation der Rettungstransportwagen (RTW ) einsetzen. Fünf VW Crafter 2,5 TDI, zwei davon in Langenhagen, je einer in Garbsen, Steinhude und Wunstorf lösen damit ihre Vorgängerfahrzeuge ab, die mittlerweile rund 300.000 Kilometer auf dem Tacho haben und bis zu fünf Jahre alt sind. Diese Fahrzeuge werden aber lediglich aus dem täglichen Dienst ausgemustert, sie kommen weiterhin mit ehrenamtlichen Besatzungen im Fuhrpark des Bevölkerungsschutzes oder bei Sport- und Kulturveranstaltungen zum Einsatz. Jetzt fand in der Johanniter-Rettungswache die symbolische Schlüsselübergabe statt. Hermann Fraatz, Mitglied des Johanniter-Regionalvorstandes Niedersachsen-Mitte, übergab den Fahrzeugschlüssel für einen RTW- die anderen befinden sich in den jeweiligen Rettungswachen und sind im Einsatz- an Helge Vogelsang, Leiter der Rettungswache am Pferdemarkt und Tim Heinrich, den Dienststellenleiter in Langenhagen. Die Kosten für die Fahrzeuge betragen pro Stück etwa 100.000 Euro ohne medizinische Ausstattung, Finanziert werden sie von den Krankenkassen. Weil aber die Beschaffungsobergrenzen in der Region Hannover bisher nicht den Marktpreisen angepasst wurden, investiert die Johanniter Unfallhilfe zusätzliche eigene Mittel, um den Qualitätsstandard nicht nur zu halten, sondern ihn sogar zu verbessern. Diesen Qualitätsstandard sehen die Rettungsdienste darüber hinaus durch die seit zweieinhalb Jahren unklare Situation hinsichtlich der künftigen Vergabepraxis gefährdet. Die gewachsenen Strukturen mit ihrer effizienten und engen Verzahnung hauptamtlicher und ehrenamtlicher Mitarbeiter würden durch eine europaweite Ausschreibung der Rettungsdienste in Frage gestellt. „Wir brauchen endlich Planungssicherheit, sowohl für die Bevölkerung als auch für unsere vielen Ehrenamtlichen, ohne die vieles nicht möglich wäre, aber das Land Niedersachen hat die letzte Möglichkeit vor der Sommerpause, das neue Landesrettungsdienstgesetz zu verabschieden, nicht genutzt. Das wird jetzt erst nach den Sommerferien, frühestens also im Herbst geschehen. Wir wollen erreichen, dass die Dienste nach dem Konzessionsmodell von den Kommunen vergeben werden, denn dadurch hätten wir es selbst in der Hand, die Qualität und die Aufgaben der Rettungsdienste verbindlich festzulegen“, sagte Sascha Glade, der Sprecher der SPD für Feuerschutz und Rettungswesen in der Regionsfraktion. Im Prinzip sind sich also alle Beteiligten darüber einig, dass der bisherige Standard nicht gefährdet werden darf, etwa indem private Anbieter die „Leistungsfähigkeit der Rettungsdienste von wirtschaftlichen Gesichtspunkten abhängig machen“, wie es die stellvertretende Regionspräsidentin Doris Klawunde formuliert hat.


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