Technik ersetzt keine didaktischen Inhalte

Wie sieht die digitale Schule der Zukunft aus: Jessica Golatka (von links), Mascha Brandt und Mareike Wulf tauschen sich aus. (Foto: D. Lange)

CDU-Stadtgespräch zum Thema Digitalisierung macht Defizite deutlich

Langenhagen (dl). Für einfache Antworten taugt das Thema nicht. Alles hängt miteinander zusammen, wobei es durchaus Schwerpunkte gibt, wie sich beim aktuellen Stadtgespräch der CDU Langenhagen gezeigt hat. Die von Jessica Golatka, CDU, moderierte Diskussion mit der stellvertretenden CDU-Fraktionsvorsitzenden im Niedersächsischen Landtag, Mareike Wulf und Mascha Brandt, Leiterin der IGS Süd, machte die Defizite deutlich, die derzeit noch auf dem Weg zur digitalen Schule der Zukunft liegen. Fehlende pädagogische Konzepte, mangelnde Ausstattung, Wartungs- und Sicherheitsprobleme, die Wahl der Hard- und Software, langsames Internet und fehlendes WLAN und nicht zuletzt veraltete Hochschulcurricula in der universitären Lehrerausbildung wären da zu nennen. Dabei wurde das Thema Inklusion in diesem Zusammenhang noch gar nicht erwähnt. Die Diskussionsrunde zum Thema Digitale Schule, an der auch Pädagogen von Langenhagener Schulen teilnahmen, konzentrierte sich darauf, die wichtigsten Aspekte zu beleuchten und die richtigen Fragen zu formulieren. Weitgehend einig war man sich darin, dass die Qualifizierung der Lehrerschaft im Mittelpunkt allen Denkens stehen sollte, denn damit stehe und falle das Vorhaben Digitalisierung. Noch ist aber die Finanzierung nicht gesichert. Der von der Bundesregierung angekündigte Digitalpakt mit einem Gesamtvolumen von fünf Milliarden Euro zur Finanzierung der Infrastruktur an den Schulen lässt noch auf sich warten. Auch das Land Niedersachsen will in den kommenden Jahren insgesamt eine Milliarde Euro für den digitalen Fortschritt lockermachen. Laut des von der Landesregierung kürzlich vorgestellten Masterplans Digitalisierung soll bis 2025 in Niedersachsen nach dem Willen des Niedersächsischen Wirtschaftsministers Bernd Althusmann neben dem Ausbau des Mobilfunknetzes ein superschnelles Internet mit einem Gigabit pro Sekunde verfügbar sein, in den Schulen sogar schon etwas früher. Den Bereich Lehrerausbildung erwähnt der Masterplan zwar, stellt dafür aber kein Budget zur Verfügung. An dieser Stelle sei der Bund gefragt. Nach langem Ringen hat der Bundestag jetzt mit Zweidrittelmehrheit einer Grundgesetzänderung zugestimmt zur Aufhebung des Kooperationsverbots zwischen Bund und Ländern in Sachen Bildungspolitik. Für eine schrittweise Schulausstattung mit digitalen Endgeräten und verlässlichem WLAN sollen insgesamt fünbf Milliarden Euro in fünf Jahren bereit gestellt werden, wovon auch die Lehrerausbildung profitieren soll. Noch offen allerdings ist, ob auch die Länder der Grundgesetzänderung zustimmen. Momentan sieht es nicht danach aus. Offen ist auch, ob die Anschaffung von Tablets, mit denen jeder Schüler laut Plan ausgestattet werden soll, tatsächlich durch den Digitalpakt oder von den Eltern finanziert wird. Klar ist eigentlich nur, dass die Technik didaktische Inhalte nicht ersetzen kann, sondern das Lernen unterstützen soll, um mit ihrer Hilfe geschickt an Lösungen zu kommen – und damit Zeit zu gewinnen für Kreativität, kritisches Denken und Teamarbeit. Daraus ergibt sich die Frage, wird es in der Schule der Zukunft noch Schulbücher geben oder sprechen sowohl die Lernerfolge als auch das haptische und ästhetische Empfinden für einen Fortbestand von gedruckten Texten und Büchern? Und weiter: Ist es möglich, die bei fast allen Schülern vorhandenen Smartphones mittels geeigneter Apps als Lernmittel in den Unterricht mit einzubeziehen und wie sehr bedingen soziale Kompetenz und Medienkompetenz einander?