Teil-Umbenennung der Hindenburgstraße

Grüne und Unabhängige möchten Ada-Lessing-Platz

Langenhagen. Die Ratsgruppe von Bündnis 90/Die Grünen und Unabhängigen möchte den Platz an der Hindenburgstraße in Höhe Friedrich-Ebert-Schule und Pauluskirche nach Ada Lessing benennen lassen. Das Ziel des Vorschlags zur Umbenennung ist es, die Straßenadresse der Grundschule und der Außenstelle des Gymnasiums zu verändern. Der aktuelle Namensgeber der Straße ist Paul von Hindenburg. Hindenburg war Generalfeldmarschall und führte im Ersten Weltkrieg die Oberste Heeresleitung. Von 1925 bis zu seinem Tod 1934 war er Reichspräsident. Seine Rolle beim Scheitern der Weimarer Republik war zentral und verhängnisvoll, die Machtübertragung an die Nationalsozialisten und entscheidende Maßnahmen zur Errichtung der Diktatur wurden von ihm gedeckt und unterstützt. Als Vorbild für die Schülerinnen und Schüler ist er damit genauso wenig geeignet wie für ein unkritisches ehrendes Gedenken.
Gleichwohl sind die Hindenburgstraße und ihr Name auch ein Teil der Langenhagener Geschichte. Hindenburg war direkt gewählter Präsident und hatte mit seinem zeitweiligen Wohnsitz in Hannover auch einen regionalen Bezug. Diese Bezüge sollen durch den Vorschlag nicht gestrichen werden. Lediglich der Platz zwischen Schule, Kirche und der gegenüberliegenden Ladenzeile soll nach Ada Lessing benannt werden. Anwohnerinnen oder Anwohner sind davon nicht betroffen, neben Schule und Kirche müssten nur zwei Gewerbebetriebe ihre Papiere ändern. Diese sollen dabei von der Stadt unterstützt werden.
Die vorgeschlagene neue Namensgeberin Ada Lessing war eine hannoversche Journalistin und als Mitgründerin der Volkshochschule Linden eine Pionierin der Erwachsenenbildung. Zusammen mit ihrem Ehemann, dem Schriftsteller Theodor Lessing, flüchtete sie vor der Verfolgung der Nazis 1933 in die Tschechoslowakei. Theodor Lessing hatte 1925 in einer Charakterstudie vor der Wahl Hindenburgs gewarnt, was ihm den Hass der Rechten einbrachte, antisemitische Verfolgung und die Verdrängung aus seiner Lehrtätigkeit an der Technischen Hochschule Hannover, der heutigen Leibniz-Universität. Im August 1933 wurde er von drei Nazis tödlich angeschossen. Ada Lessing kehrte nach dem Krieg zurück und war bis zu ihrem Tod im Jahr 1953 bei Hameln in der Lehrerfortbildung tätig.
Ada Lessing ist nach Auffassung der Grünen und Unabhängigen als regionale Bildungspolitikerin und Verfolgungsopfer mit einer besonderen Beziehung zu Paul von Hindenburg eine würdige und gut geeignete Namensgeberin für die Adresse einer Schule. „Die Benennung nach Ada Lessing kann ein Symbol für unsere Haltung als Stadt sein“, streicht Dirk Musfeldt, der Vorsitzende der Ratsgruppe heraus. „Gleichzeitig kann so die Auseinandersetzung über diesen Abschnitt der deutschen Geschichte wachgehalten werden. Nur durch die Auseinandersetzung mit der Geschichte können wir aus ihr lernen“, ist Musfeldt überzeugt. Über den Antrag entscheidet der Rat abschließend.