Totengedenken im November

Der November ist ein Gedenkmonat. In keinem anderen Monat denken wir so oft an unsere Verstorbenen. Allerseelen, Volkstrauertag und der Ewigkeitssonntag (Totensonntag) reihen sich aneinander.
Vor einiger Zeit sagte ein alter Mann zu mir: „Im Herbst fallen die Blätter.“ Er hat mit diesem Wort auf die Sterblichkeit angespielt. Es ging ihm nicht ganz schlecht, aber auch nicht mehr wirklich gut. So hat er sich ganz ernsthaft mit dem Gedanken an sein Sterben auseinandergesetzt. Er hat sich selber in dieser „herbstlichen“ Situation gesehen, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis sein toter Leib wie ein fallendes Blatt der Erde übergeben würde.
Mich hat dieses Wort beeindruckt. Oft genug schieben Menschen den Gedanken an ihre Sterblichkeit beiseite. Früher war man sich sicher, dass eine gute Lebensführung den Gedanken an den eigenen Tod mit in Rechnung stellen müsse. Ganz so selbstverständlich ist dies heute nicht mehr. Dennoch bin ich überzeugt, dass es für uns nur gut sein kann, wenn wir unsere Sterblichkeit nicht verdrängen, sondern wenn wir uns damit auseinandersetzen. Besonders der Totenmonat November lädt uns zu einer solchen Auseinandersetzung ein.
Als Christen stehen wir genauso in Trauer und in Schmerz an den Gräbern unserer lieben Verstorbenen wie alle anderen. Aber als Christen brauchen wir nicht hoffnungslos zu trauern. „Unsere Hoffnung ist voll Unsterblichkeit“, so lautet die Zusage der Hl. Schrift. Jesus hat in seiner Auferstehung die Fessel des Todes gesprengt. „Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt“, beten Christen. Was wir erhoffen dürfen, sprengt unsere menschliche Vorstellungskraft. „Wir alle fallen und doch ist Einer, welcher dieses Fallen unendlich sanft in seinen Händen hält“ schreibt Rainer Maria Rilke. Das im Herbst fallende Blatt ist Zeichen unserer Sterblichkeit, es aber zu-gleich Zeichen unserer Geborgenheit in Gott über alles Zeitliche hinaus.

Hartmut Lütge, Pfarrer