Treppentratsch in vier Akten

Im Zusammenspiel besonders komisch: Die Figuren des Treppentheaters.

Engelbosteler Theaterensemble „Glühwürmchen“ macht Spaß

Engelbostel (dl) „Es kann der Frömmste nicht in Frieden Leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt“ , sagte schon Friedrich Schiller. Er muss dabei Meta Boldt im Sinn gehabt haben, den personifizierten und tratschsüchtigen Hausdrachen einer Mietskaserne. Frau Boldt wacht über alles, was in ihrem Haus vor sich geht, hört alles, weiß alles, spinnt ihre Intrigen, zieht aus allem aber stets die falschen Schlüsse und gibt sie als Tatsachen wieder. Ihre hanebüchenen Verdrehungen und Spekulationen bringen zwar alles durcheinander, aber „sie meint es doch nur gut“. Mit dieser Ansicht steht sie allerdings alleine da, denn für alle anderen Hausbewohner einschließlich des Hausbesitzers, seines Zeichens ein wohlgenährter Metzgermeister, ist sie mit ihren Tratschereien und Lügengeflechten die Nervensäge schlechthin. Sie erfährt, dass die Nachbarin Frau Knoop ihre Kammer untervermietet hat, was laut Mietvertrag verboten ist und informiert daraufhin sofort ihren vermeintlichen Verbündeten, den Griesgram und Finanzbeamten a.D. Herrn Brummer, der sich sowieso schon an der lauten Musik aus der Kammer in seiner Ruhe gestört fühlt. Auch der Hausbesitzer wird nicht im Unklaren gelassen und reagiert mit Kündigung, hat dabei aber nicht mit dem Charme der Untermieterin Heike Seefeld gerechnet, Tochter eines Tankstellenbesitzers. Sie versteht es, dem Hausbesitzer Tramsen den Kopf zu verdrehen, verliebt sich aber gleichzeitig in den netten Neffen des Herrn Brummer, obwohl der junge Mann ebenfalls vertragswidrig in der Kammer seines Onkels wohnt. Dieser ist nicht nur Finanzbeamter a.D., sondern auch 1.Vorsitzende des Kaninchenzüchtervereins. Nach dem großen Vereinsfest fügt sich letztlich aber alles zusammen, wie es sich für eine Komödie dieser Art gehört. Die hübsche junge Heike Seefeld kriegt den netten Neffen des Herrn Brummer, verträgt sich wieder mit ihrem Vater und dieser verpachtet folgerichtig seine Tankstelle samt Werkstatt an den jungen Bräutigam. Brummer Senior kriegt Frau Knoop und was kriegt Meta Boldt ? Richtig, sie kriegt ihr Fett weg und das nicht zu knapp.
Dieses Stück kennen wir als eine der bekanntesten Inszenierungen des Hamburger Ohnsorg-Theaters mit Heidi Kabel als Meta Boldt und Henry Vahl als Ewald Brummer.
Heike Haster gelingt es in ihrem Spiel vorzüglich, dieser spielbestimmende Rolle der klatschsüchtigen Meta Boldt, um die sich alles dreht und die das Stück voranbringt, mit ihrem Temperament, ihrer Stimme und ihrer Körpersprache ein authentisches Gesicht zu geben.
Der „Engelbosteler Treppentratsch“ ist für das Glühwürmchen-Ensemble das erste Nicht-Kindertheaterstück. Petra Voges-Bartsch sagt dazu: „Einige Kindergarteneltern haben vor etwa 17 Jahren damit begonnen, Theaterstücke für Kinder zu inszenieren und jeweils zu Weihnachten ein Märchen auf die Bühne gebracht. Mittlerweile haben wir wohl das ganze Kinderbuchrepertoire durch und wollten auch mal ein Stück für die Älteren unter uns spielen. Wir haben dafür bei den Vereinen in Engelbostel ein wenig Werbung gemacht und eigentlich nur zwei Aufführungen geplant, aber beide waren ganz schnell ausverkauft, sodass wir heute eine Zusatzvorstellung spielen“. Angesichts der Tatsache, dass die große Scheune des Gasthofes „Zur Post“ auch am Samstag wieder rappelvoll war, bleibt es ja vielleicht nicht bei dieser einen Zusatzvorstellung.