Tumulte im Rat

Hat sein Mandat niedergelegt: Marc-Alexander Hinz.
Langenhagen (ok). Er hat ihnen ordentlich die Meinung gegeigt und die Leviten gelesen. Der Langenhagener Horst Walka ist in der Einwohnerfragestunde zu Höchstform aufgelaufen und hat das ausgesprochen, was wohl viele Bürgerinnen und Bürger mittlerweile denken. „Sie sollten die Einwohner besser aussperren“, schrieb Walka den Hobby-Politikerinnen und -Politikern unverblümt ins Stammbuch. Vier Stunden hatte die Ratssitzung gedauert, gefühlt die Hälfte der Zeit wurde nur auf Sachthemen verwendet. Walka an die Adresse der Ratsmitglieder: „Alle rudern hier unterschiedlich und steuern in verschiedene Richtungen. Sie müssen das große Ganze sehen und sich an einen Zeitplan halten.“ Die Antwort des Ratsvorsitzenden Andreas Friedrich, dass das Demokratie sei und die Peitsche nicht funktioniere, ließ Walka nicht gelten. Die zurückliegenden vier Stunden hatten ihm offensichtlich gereicht. Es sei ihm eine ganze Menge geboten worden, was allerdings nicht unbedingt viel mit Gesprächskultur und Sachpolitik zu tun habe. Da verließ beispielsweise AfD-Ratsherr Herbert Klever den Ratssaal, weil er auf Vorwürfe der CDU-Ratsfrau Jessica Golatka nicht reagieren durfte und drohte ihr gleich noch ein Klage wegen Beleidigung an. Da löste sich die neuformierte Koalition von SPD, Grünen und BBL, die alles auf den Prüfstand stellen will (das ECHO berichtete), gleich wieder in Luft auf. Als es um den Betrieb einer Zentralküche ging, machten sie die SPD für die teurere Lösung eines Eigenbetriebes stark. Grüne und BBL plädierten dagegen für eine Fremdvergabe mit einem Betriebsführer, setzten sich aber nicht durch. Jens Mommsen (BBL) wollte unbedingt eine Neuwahl der stellvertretenden Bürgermeister, letztendlich ist es auf die bisherigen drei Amtsinhaber Willi Minne (32 Stimmen), Bernhard Döhner (25 Stimmen) und Ulrike Jagau (28 Stimmen) hinausgelaufen. Nur sechs Stimmen bekam Achim Hinz (AfD). An dem Resultat hat auch die beantragte geheime Wahl des unabhängigen Ratsherrn Wilhelm O. Behrens nichts geändert. Eine Gesprächskultur und Gesamtstimmung, die Bürgermeister Mirko Heuer nach eigenem Bekunden natürlich nicht gefällt. Er will der Politik noch einmal die Hand reichen, so genannte Elefantenrunden wieder aufleben lassen. Dann müsse es allerdings ein Vertrauensverhältnis geben, Indiskretionen dürften kein Thema sein. Das mal etwas schieflaufen könne, sei nur allzu menschlich. Marc-Alexander Hinz – der ehemalige AfD-Ratsherr hatte zuletzt mit der CDU eine Gruppe gebildet – hat übrigens seine persönlichen Konsequnezen aus dem Abend mit "Befindlichkeiten und Parteikleinkriegen" gezogen und sein Mandat niedergelegt. "Die Politik ist sich selbst die größte Hürde, wenn es um den politischen Nachwuchs geht. Dabei liegt das Problem meiner Meinung nach nicht am mangelnden Interesse. Das Problem liegt bei der Art und Weise, wie in der Politik miteinander umgegangen wird, und wie sich diese selbst präsentiert."