"Turbo-Abi“, Raummangel und Gewalt

Welche politischen Themen sind für Jugendliche relevant? Ejvind Olson (von links), Maren Rietschel, Marie Langer, Marco Kurz und Rana Yonnes sammeln und ordnen die Anregungen. Foto: D. Lange

Grünes Forum „Jugend bewegt Langenhagen“

Langenhagen (dl). Die Langenhagener Grünen hatten vor kurzem alle jugendlichen Erstwähler angeschrieben und sie zu einem Gesprächsforum eingeladen um von ihnen zu erfahren, was sie bewegt und welche Themen den Jugendlichen für Langenhagen wichtig sind. Marie Langer und Ejvind Olson, die sich bei den Grünen engagieren, sind 17 und wissen, dass Jugendliche sich von der Politik, so wie sie sie im Allgemeinen erleben und vermittelt bekommen, nicht angesprochen fühlen. Politik wird oft als eine Veranstaltung für alte Leute wahrgenommen. Lediglich bei außergewöhnlichen Ereignissen werde in den Schulen die aktuelle Tagespolitik thematisiert, aber das Informationsbedürfnis der Jugendlichen in Sachen Politik sei groß, denn es gebe viele politische Themen im täglichen Leben, die ihnen wichtig seien, die sie nervten und die sie gerbe ändern würden. Die Ergebnisse des Forums werden sich im Programm zur Kommunalwahl der Grünen, so deren Zusage, in Langenhagen wiederfinden.
Die rund 20 Jugendlichen, die gekommen waren, alle noch Schülerinnen und Schüler, begrüßten das offene Diskussionsforum als eine Möglichkeit, erstmals ihre Sicht der Dinge und ihre Meinungen zur Kommunalpolitik zu äußern. Marco Kurz, der 2006 für die Grünen als jüngstes Mitglied in den Stadtrat gewählt worden war, moderierte das Forum und half, die Themen zusammenzutragen und zu ordnen.
Das Wichtigste für die Jugendlichen, das wurde sehr schnell deutlich, ist deren unmittelbares Umfeld, in erster Linie die Schulen und die sehr begrenzten Freizeitangebote für Jugendliche. In den Schulen liegt ihrer Meinung nach vieles im Argen, hauptsächlich wegen der verkürzten Schulzeit bis zum Abitur (Stichwort „Turbo-Abi“) und den damit verbundenen zusätzlichen Belastungen für alle Beteiligten. Hiervon sind besonders die Gymnasiasten betroffen, die mitunter bis 18 Uhr Unterricht haben und sich obendrein ihr Mittagessen selbst mitbringen müssen, weil die Mensa für die Schüler von IGS und Gymnasium zu klein ist. Der erhöhte Leistungsdruck, den auch Lehrkräfte zu spüren bekommen, führe zu einem Konkurrenzdenken unter den Schülern auf Kosten der Klassengemeinschaft. Mobbing unter den Schülern lasse sich aber nur verhindern, wenn die Klassengemeinschaften gestärkt und gefördert würden. Wegen der verkürzten Schulzeit stehe im Unterricht merkbar weniger Zeit zur Verfügung, was die schwächeren Schüler benachteilige – Lehrer wendeten sich eher den schnelleren und leistungsstarken Schülern zu.
Im Schulzentrum gebe es außerdem zu wenig Unterrichtsräume, stellten die Jugendlichen im Rahmen des Forums fest. Sie sind skeptisch, ob der Neubau diese Situation wesentlich verbessern wird. Ihnen fehlen am Gymnasium darüber hinaus die Sozialpädagogen, mit denen sie über Probleme sprechen können. Auch mit den hohen Kosten für Busfahrkarten und der Festlegung der Entfernungsgrenzen für Schulwege sowie mit den Kosten für Schulbücher und Verpflegung sind die Jugendlichen ebenfalls nicht einverstanden. Dazu kommt, dass es ihrer Meinung nach zu wenige Schulbusse gibt, diese darüber hinaus zu voll sind und es so vermehrt zu Diebstählenkommt.
Die nach wie vor ungeklärte Schwimmbadsituation in Langenhagen ist ebenfalls ein Thema, das die Jugendlichen bewegt. Sie wünschen sich ein Schwimmbad in der Kernstadt: „Godshorn ist zu weit, besonders für die Grundschüler, die dort ihren Schwimmunterricht haben. Außerdem fahren zu wenig Busse und das auch noch zu unmöglichen Zeiten.“
Weitere Themen, die die Jugendlichen beschäftigen, sind der Schutz der Umwelt – sie wünschen sich ein größeres Umweltbewusstsein, auch und gerade bei Jugendlichen. Es werde zuviel achtlos weggeworfen. Sie beklagen auch den zunehmenden Vandalismus und die immer wieder auftretende Gewalt, die oft leider auch von Jugendlichen ausgehe.