Üben für den Ernstfall

Die Stadt- und alle sechs Ortsfeuerwehren sind gemeinsam bei einer Übung im Einsatz.
 
Kurz nach dem Eintreffen der ersten Feuerwehren erkündigten sich die ehrenamtlichen Retter nach dem Befinden der Verletzten.

Die Stadt- und Ortsfeuerwehren übten am Samstag einen gemeinsamen Großeinsatz

Godshorn (lo). Im gesamten Stadtgebiet Langenhagen heulten am Samstag gegen 13.25 Uhr die Sirenen. Sowohl die Stadtfeuerwehr als auch die sechs Ortswehren rückten daraufhin auf das ehemalige Gelände des Hallenfreibads Godshorn aus. Für die Einsatzkräfte stand sodann die Versorgung von zahlreichen Verletzten als auch das Löschen eines Feuers im Gebäude an.
Was die Feuerwehrleute bis dahin aber noch nicht wussten: Es handelt sich um eine von Stephan Bommert, Stadtpressesprecher der Feuerwehr Langenhagen, organisierte Großübung. „Im Saunabereich des Hallenfreibads hat es eine Verpuffung gegeben, wodurch ein Feuer im oberen Bereich sowie in den Umkleiden ausgebrochen ist“, erläuterte Bommert das Szenario. Doch damit noch nicht genug. „Durch die Verpuffung hat sich ein Autofahrer erschreckt und ist in den Gegenverkehr geraten. Ein Bus konnte dadurch ebenfalls nicht mehr bremsen“, sagte der Stadtpressesprecher weiter.
Mit diesem Szenario standen gleich zwei unterschiedliche Einsätze für die Feuerwehren an. Daher ist es für die erste eintreffende Wehr erst einmal wichtig, sich einen Überblick zu verschaffen und dann den Einsatz zu organisieren. „Jeder Einsatz beginnt mit einer Chaosphase. Man muss erst einmal schauen wie viele Einsatzkräfte da sind und wie viele benötigt werden“, sagte Bommert. Auch die Übung war dabei keine Ausnahme. Doch schnell verschafften sie sich eine Übersicht und koordinierten den anstehenden Einsatz.
Ein Teil der Feuerwehrleute kümmerte sich sodann um die Verletzten aus dem Verkehrsunfall. Die Personen aus dem Bus, welche noch selbstständig gehen konnten und nur kleine Blessuren hatten, begleiteten die Einsatzkräfte zu einer Sammelstelle. Dort kümmerten sich die Johanniter weiter um die Personen. Denn auch für sie war dies eine Übung. Doch es gab auch Verletzte, die nicht mehr selbst gehen konnten. So ist unter anderem eine Person vor dem Bus zusammengebrochen, ein weiter wurde im Bus eingeklemmt.
Aber nicht nur im Bus gab es verletzte Personen, sondern auch in den beiden Autos. Während das eine Auto noch gerade stand, ist das andere durch den Unfall auf die Seite gekippt. Dies erschwerte für die Feuerwehrleute die Rettung, da sie erst die Heck- und Frontscheiben entfernen als auch das Dach abnehmen mussten. Damit der Verletzten nichts passiert, mussten sie allerdings zunächst dafür sorgen, dass sie nichts abkriegt. Durch die Heckscheibe stieg ein Feuerwehrmann ein und legte der Person einen Mundschutz um und eine Decke über. So konnte im Anschluss die Frontscheibe sicher entfernt werden.
Doch auch die anderen Feuerwehrleute hatten einiges zu tun. Mit einem großen Ventilator zogen die Einsatzkräfte zunächst einen Teil des Rauches aus dem Hallenfreibad. Mit Atemmasken und Taschenlampen ausgestattet ging es sodann ins Gebäude, um nach verletzten Personen zu suchen. Und dies mit Erfolg. Nach und nach brachten sie die Verletzten wieder an die frische Luft und ließen sie im Anschluss von der Johanniter versorgen. Ebenfalls versorgt werden musste eine verletze Person, welche im großen Becken des ehemaligen Freibades gefunden wurde.
„Das war schon eine immense Aufgabe, den Einsatz zu strukturieren und aufzuteilen“, sagte Tobias Plesse von der Feuerwehr Isernhagen H.B. Gemeinsam mit Tibor Biczok von der Feuerwehr Großburgwedel und weiteren Feuerwehrleuten hatte er die Aufgabe, den Einsatz zu beobachten. Und auch der THW war dabei. „Wir haben die Becken abgesperrt, die Stromversorgung sichergestellt und die Nebelmaschinen in Betrieb genommen“, sagte Pierre Graser, Pressesprecher THW.
Die Nebelmaschinen waren dafür wichtig, um den Rauch zu erzeugen und realistische Bedingungen zu sorgen. Und auch die Verletzten sollen so realistisch wie möglich aussehen. Aus diesem Grund bekamen sie unter anderem verbrannte Hände, eine abgetrennte Hand oder herausragende Knochen geschminkt. „Insgesamt gab es 19 Unfallopfer, wovon 13 gerettet werden konnten“, erläuterte Bommert.
Parallel zu der Übung der Feuerwehr gab es im neuen Feuerwehrhaus der Wehren Engelbostel und Schulenburg ein Seminar der Pressesprecher, wo der Umgang mit den Medien bei Einsätzen geübt wurde. „Wir üben hier die Zusammenarbeit zwischen den Kommunen und der Feuerwehr“, erläuterte Armin Jeschonnek, Pressesprecher des Feuerwehrverbands Region Hannover e.V. Denn nicht nur die Pressesprecher der Wehren nahmen an dem Seminar teil, sondern auch die der Kommunen.
Und das Gelernte konnten sie bei der Übung sogleich unter Beweis stellen. „Journalisten sollten beim Einsatz die Einsatzkräfte und Pressesprecher unter Druck setzen, um eine reale Situation zu schaffen“, erläuterte Jeschonnek. Wie bei einem richtigen Einsatz gab es im Anschluss auch noch eine gemeinsame Pressekonferenz. Eine wichtige Übung für alle Beteiligten.