Unter der Sonne der Normandie

Deutsch-französische Freundschaft an der IGS nach dem Schüleraustausch. (Foto: IGS)

Schüleraustausch mit dem Collège Charcot in Le Trait

Langenhagen. Wer sagt denn, dass es in der Normandie, in Frankreichs Norden, immer regnet? Die knapp 40 Langenhagener Schülerinnen und Schüler des siebten und achten Jahrgangs und ihre beiden Lehrerinnen Stephanie Timm und Maike Wehlitz erwartete bei ihrem Besuch in der Godshorner Partnerstadt Le Trait im März eine Woche strahlender Sonnenschein. Dazu passte die Herzlichkeit, mit der die französischen Gastfamilien empfingen. Diese half über die eine oder andere anfängliche Schüchternheit unter den deutschen Schülern hinweg.
Als die IGS-Schüler am nächsten Morgen ihre französischen „Corres“ zur Schule begleiteten, die idyllisch auf einem Hügel über der Seine gelegen ist, staunten sie nicht schlecht über die Unterschiede zu ihrer eigenen Schule: Statt 1500 kommen dort nur 300 Schülerinnen und Schüler zusammen. Folglich kennt jeder jeden. Zu Beginn einer Schulstunde (mit einer Dauer von 50 Minuten) versammeln sich alle auf dem Schulhof. Die Fachlehrer bringen ihre Schülerinnen und Schüler dann zu ihrem Raum.
Die einzige Deutschlehrerin am Collège in Le Trait heißt Madame Gille, wird von ihren Schülerinnen und Schülern aber liebevoll „Frau!“ genannt (für französisch „Madame!“). Sie hat selbst zwei Jahre in der Region Hannover gelebt und bis heute Kontakt zu ihrer damaligen Gastfamilie. Sie setzt sich daher mit viel Herzblut für den deutsch-französischen Schüleraustausch ein.
Die deutschen Besucher erwartete ein abwechslungsreiches Programm: Gleich am ersten Tag fuhren sie nach einem Empfang durch den Bürgermeister von Le Trait und die neue Schulleiterin ins nahe gelegene Rouen. Bei einer Stadtbesichtigung machten die Schülerinnen und Schüler zahlreiche Fotos von den schönen alten Fachwerkhäusern und den engen Gassen. Als sie anschließend die belebten Einkaufsstraßen rund um den „Gros Horloge“ erkundeten, hatten sie Gelegenheit, Rouen nicht nur als historisches, sondern auch als wirtschaftliches Zentrum der Region kennen zu lernen.
Bereits am nächsten Tag folgte ein Ausflug nach Dieppe ans Meer. Im Schifffahrtsmuseum erfuhr die deutsche Gruppe, wie bedeutsam die Fischerei und der Seehandel für die Normandie bis heute sind. Nach einem Picknick am typischen Kiesstrand wurde bei einer Bootsfahrt echte Meeresluft geschnuppert.
Am Wochenende verbrachten die Deutschen viel Zeit mit ihren Gastfamilien. Manch einer fuhr mit seiner Gastfamilie ins rund 120 Kilometer entfernte Paris, andere saßen beim ausgedehnten Familienessen mit der Großfamilie zusammen und wieder andere trafen sich mit anderen Familien und deren Gastschülern zu gemeinsamen Freizeitaktivitäten wie Bowling.
Der Montag stand unter dem Motto „Sprachanimation“: Dabei hatten Deutsche und Franzosen gemeinsam eine ganze Reihe sprachlicher Aufgaben zu erledigen, wie zum Beispiel eine deutsch-französische Werbeanzeige für ein Produkt ihrer Wahl zu gestalten oder sich gegenseitig ein Gedicht beizubringen.
Der Dienstag war schließlich dem so genannten „projet pommes“ gewidmet. Beim Besuch einer Cidrerie lernten die Deutschen, wie in einem kleinen landwirtschaftlichen Betrieb Apfelsaft und Cidre, aber auch Apfelgelee herstellt werden. Am Nachmittag folgte in der Schule unter Beisein des Bürgermeisters, der Schulleitung und einiger Journalisten die offizielle Eröffnung des „projet pomme“, das die französischen Schülerinnen und Schüler mit „einem Apfel in jeder Pause“ zu einer gesünderen Ernährung animieren soll. Begleitet wurde dies von einer von den Schülern von Madame Gille erarbeiteten Ausstellung zu den verschiedenen Apfelsorten der Region. Dazu gab es für alle reichlich Apfeltarte und frischen Apfelsaft.
Danach hieß es für die Deutschen schon „Kofferpacken“, denn am nächsten Tag ging es mit dem Bus wieder zurück nach Langenhagen. So herzlich wie der Empfang in Le Trait war, so liebevoll wurde der Abschied gestaltet: mit vielen Küssen und Umarmungen – und mit gigantischen Lunchpaketen für die Fahrt! Einziger Trost beim Abschiednehmen: schon drei Wochen später würde man sich in Langenhagen wiedersehen!
Freudige Erwartung erfüllte daher die deutschen Schülerinnen, Schüler und Eltern, als sie am Abend des 12. April auf dem Parkplatz neben der IGS Langenhagen den Bus mit ihren französischen Gästen heranrollen sahen.
Bei ihren deutschen Gastfamilien zu Hause angekommen, zeigten sich viele der Franzosen beeindruckt davon, wie groß und komfortabel die Häuser der Deutschen im Vergleich zu ihren eigenen waren.
Und die Deutschen sahen sich plötzlich in der Rolle der Gastgeber. Auf einmal waren sie zum Beispiel mit der Frage konfrontiert, was tun, wenn der französische Gast einerseits sagte, dass er das ihm angebotene Essen möge, andererseits aber nichts aß? Da waren viel Feingefühl und das Bemühen um interkulturelle Verständigung gefragt.
Die Größe der IGS Langenhagen musste die französischen Schülerinnen und Schülern im Vergleich mit ihrer eigenen Schule überwältigen. So brauchten sie am Anfang noch einige Orientierungshilfen von den Deutschen. Dazu hatten vier Schülerinnen und Schüler aus dem achten Jahrgang eine Schulführung vorbereitet. Begeistert waren die französischen Gäste vom Freizeitbereich in der IGS Langenhagen, umso mehr, als sie sich unter Anleitung von Reinhold Krämer sogar selbst einmal an den Kletterwänden ausprobieren durften.
Am Freitagnachmittag lernten die Franzosen Hannover kennen. Isabel Wagemann-Steidel, Fachbereichsleiterin Fremdsprachen, hatte eigens eine Stadtführung für sie vorbereitet. Als kleines Abenteuer erwies sich dabei die Fahrt mit der Straßenbahn, da die Franzosen dies gar nicht kannten; schließlich werden Schulfahrten in Frankreich immer mit dem Bus unternommen.
Für das Wochenende haben sich die deutschen Gastfamilien verschiedenste Freizeitaktivitäten einfallen lassen. Am Montag fuhren Deutsche und Franzosen gemeinsam nach Hameln. Dort erkundeten sie in deutsch-französischen Teams mittels einer Rallye die Besonderheiten der Stadt und mussten die Aufgaben dabei abwechselnd auf Deutsch und auf Französisch erledigen.
Ein weiteres Highlight war der anschließende Besuch der Hamelner Glasbläserei.
Auch am Dienstag zogen Deutsche und Franzosen gemeinsam los. Beim Besuch des Sprengelmuseums in Hannover mussten sie abermals in deutsch-französischen Teams bestehen: So sollten sie sich jeweils ein Kunstwerk aussuchen und dieses mit deutschen und französischen Wörtern beschreiben.
Der Mittwoch stand bereits im Zeichen der Abschiedsfeier am Nachmittag. Am Vormittag hatten die Schülerinnen und Schüler Zeit, gemeinsam kleine Präsentationen wie Sketche, Tänze oder Gedichte vorzubereiten. Am Nachmittag gab es dann dazu reichlich Kuchen und Deutsche und Franzosen feierten gemeinsam bei ausgelassener Stimmung.
Doch am Donnerstagmorgen wurde es dann ernst. So manche Träne floss, als die Franzosen wieder in den Bus stiegen. Aber der Abschied muss nicht für immer gewesen sein: Bereits im Sommer gibt es für die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, sich im Rahmen des Jugendaustausches des Partnerschaftskomitees zwischen Le Trait und Godshorn in Frankreich wiedersehen.