Unternehmer von morgen

Marie Horn und Vanessa Wilmsen zeigen stolz ihre selbstgenähten Taschen mit modernen Farbmustern. Foto: C. Wurm

Jugendliche entwickelten eigene Geschäftsideen

Langenhagen (cow). Was ist eine Gewinn- und Verlustrechnung und welche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es? Mit diesen Fragestellungen und neuen Begrifflichkeiten aus Unternehmersicht beschäftigten sich im Rahmen des NFTE- Programms rund 35 Schülerinnen und Schüler und zeigten ihre Arbeitsergebnisse nun anhand einer kurzen Präsentation vor einer Fachjury in den Räumlichkeiten der Pestalozzischule. Vertreter aus Politik, Wirtschaft und der Gastronomie waren anwesend, um die Geschäftsmodelle und Business Pläne der Jung-Unternehmer unter die Lupe zu nehmen, Anregungen zu geben und originellen Einfallsreichtum besonders zu loben. In diesem Jahr wurde NFTE das erste Mal schulübergreifend als Kooperation zwischen Pestalozzischule und Gutzmannschule umgesetzt.
Der gemeinnützige Verein NFTE steht für „Network For Teaching Entrepreneurship“ und hat sich zum Ziel gesetzt, Jugendliche mit einem praxisnahen Wirtschaftsprogramm für ein erfolgreiches Arbeitsleben zu qualifizieren und neue Perspektiven zu eröffnen. Dazu schlüpften vier zertifizierte Lehrkräfte in die Rolle von NFTE-Trainern und boten ihren Schützlingen in der Projektwoche ein Kontrastprogramm zu alltäglichen Schulfächern, bei dem es, wie im wahren Berufsleben auch, besonders streng und diszipliniert zuging. „Förderschullehrer werden zu Business-Trainern, wer dreimal zu spät kommt, für den ist das Projekt beendet. Es ist eine andere Ebene. Als Trainer gibt es Vorgaben und die werden eingehalten“, erklärt Konrektorin Uschi Borkowski. Auch wenn die Köpfe während „Nifti“, wie es ausgesprochen wird, ordentlich bei den Schülern und Schülerinnen geraucht hätten, da nicht nur viele Fachbegriffe und mathemische Berechnungen gepaukt, sondern auch Präsentationstechniken angewandt werden mussten, sei im Wirtschaftskurs richtig viel geschafft worden - auf das könne jeder stolz sein, berichtet Borkowski.
Über den Einfallsreichtum und entwickelten Unternehmergeist, der die Berufswelten von morgen prägt, zeigte sich die Jury beeindruckt. Rainer Federmann, CDU-Landtagsabgeordneter war begeistert von den vielen unterschiedlichen Ideen als Geschäftsmodelle, die er sonst nur aus der Berufsschule kenne. Von individuell verzierten Cupcakes, über schnelle Autoaufbereitung, bis hin zum professionellen Haustier-Coaching und sogar einem Kicker-Kurs, der vom deutschen Vize-Meister und Landesmeister Maurice Velasco präsentiert wurde, war der Kreativität freien Lauf gelassen – solange sich die Gewinn- und Verlustrechnung in der Waage hielt. Arne Buß, Besitzer des afrikanischen Restaurants „Kilimanjaro“ empfahl dem leidenschaftlichen Tischfußballkicker sein ausgereiftes Konzept Firmen vorzustellen, beispielsweise als Buchung für Events oder für Weihnachtsfeiern. Marie Horn und Vanessa Wilmsen stellten ihre Firma „Taschen, Kissen de Marie-Ness“ vor, in der sie eben solche individuell in Handarbeit und aus modernen Mustern, wie angesagter Eulen-Optik, herstellen. Interessanten Einwand brachte Werkstattleiter Wolfgang Reichel, der den beiden Mädchen empfahl, mit ihren selbstgenähten Taschen kreative Boutiquen am Lindener Markt anzusprechen.
Bei den Geschäftsmodellen wurde jedoch nicht nur auf kostengünstige Finanzierungswege Wert gelegt, sondern auch ökologische Aspekte, wie die Verwendung von Bioprodukten für die Cupcakes, in Betracht gezogen. Den anfallenden Gewinn würden die jungen Unternehmer und Unternehmerinnen anteilig für soziale Projekte, das Tierheim oder internationale Hilfsorganisationen wie Unicef spenden.
Eine spannende Projektwoche, die von den 8- und 9-Klässlern mit der Vorstellung ihrer Ideen bravourös gemeistert wurde, und sicher viele durch entwickeltes Selbstvertrauen und strategisches Denken einen erheblichen Schritt nach vorne in Richtung Ausbildung und bevorstehendes Berufsleben gebracht hat.