Unverfroren

Ob im Sprint über 50 Meter oder auf der Langstrecke über 1.000 Meter, alle Sportler bekamen den verdienten Applaus für ihre Leistung. (Foto: D. Lange)

Zweite Internationale Norddeutsche Eisschwimmmeisterschaft

Langenhagen (dl). Man muss nicht unbedingt verrückt sein, aber es hilft. Da steigen Menschen nur mit Badehose bzw. mit Badeanzug und Badekappe bekleidet in eiskaltes Wasser, um zu schwimmen – und das bis zu 1000 Metern. Unter den Extremsportarten ist das wohl die extremste. Wo sonst gerät der Kreislauf schon nach kurzer Zeit derart an seine Grenzen wie beim Eisschwimmen? Nach den Richtlinien der International Ice Swimming Association (IISA) muss die Wassertemperatur bei den Eisschwimm-Wettbewerben unter fünf Grad liegen und die Strecke muss in normaler Badekleidung zurückgelegt werden - Neopren ist verboten. 60 Teilnehmer aus sieben Nationen kamen in diesem Jahr zum Silbersee Ice-Cup, unter ihnen viele Mehrfachteilnehmer auf unterschiedlichen Distanzen. Zu jedem Lauf gehen immer nur drei oder vier Athleten an den Start, um den Helfern im Begleitboot die Übersicht zu erleichtern. Diese achten auch darauf, ob ein Schwimmer plötzlich die Orientierung verliert oder andere Probleme bekommt. Ausrichter der Veranstaltung, deklariert als zweite nternationale Norddeutsche Eisschwimmmeisterschaft im Silbersee, waren der Verein Aquafit und Gesund e.V. zusammen mit der DLRG Langenhagen, die Infrastruktur und Räumlichkeiten zur Verfügung stellte Geschwommen werden in den Disziplinen Freistil, Brust und Delphin die Strecken 50m bis 1000m. Für die beiden Langstrecken 500m und 1000m dürfen allerdings nur Mitglieder der International Ice Swimming Association melden, die die Qualifikationsnorm der IISA erfüllt haben. Für alle Aktiven gilt: Vor dem Eintauchen ins kalte Nass und vor allem vor einem Wettkampf steht ein gründlicher medizinischer Check. Denn Fakt ist, dass sich beim Schwimmen im eisigen Wasser die Gefäße in der Haut verengen und die Blutbahnen im Körperinneren weiten sich, damit der Körper seine Kerntemperatur halten kann. Man braucht neben guten Nerven und viel Training, um den Körper an die tiefen Temperaturen im Wasser zu gewöhnen vor allem einen gesunden Kreislauf. Eine medizinische Begleitung der Wettbewerbe vor Ort ist deshalb obligatorisch.Wer allerdings Herz- oder Gefäßprobleme hat, für den ist Eisbaden oder gar Eisschwimmen absolut tabu. Geübte Eisschwimmer lernen, auf ihren Körper zu hören und bei Unregelmäßigkeiten den Wettkampf abzubrechen. Sie schwören auch darauf, dass ihr winterlicher Badespaß abhärtet und das Immunsystem stärkt. Nach jedem Wettkampf geht es für die Aktiven zum Aufwärmen entweder in die Fass-Sauna oder in das „Eierkocher“ genannte Badefass, ein transportabler Bottich mit 30 Grad warmem Wasser, welches mit einem Holzofen beheizt wird und in dass drei bis vier Personen passen.