Valerie startet durch

Marina Bandura (rechts) greift Natalie Jakubowsky beim Lernen unter die Arme.

Lernförderung mit dem Bildungspaket

Langenhagen. Die Inanspruchnahme der Lernförderung im Rahmen des Bildungspakets läuft auch in Langenhagen bislang sehr schleppend (wir berichteten). Dies bestätigt auch Bernd Blauert-Segna, unter anderem für Schulen zuständiger Programmbereichsleiter an der Volkshochschule. Offenbar verunsichert durch das (zwischenzeitlich gelockerte) "K.O.-Kriterium Versetzungsrelevanz" wurden erst nur wenige Eltern von den Schule auf die Möglichkeit der Lernförderung aufmerksam gemacht. Das komplizierte Antragsverfahren, schwer durchschaubare Zuständigkeiten und wochenlange Bearbeitungszeiträume hätten dazu geführt, dass die Nachfrage bislang weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist.
Der zielgerichtete Einsatz von Lernförderung kann jedoch auch kleine Wunder berwirken: Die 14-jährige Natalie Jakubowsky ist im Sommer als Spätaussiedlerin von Russland nach Deutschland gekommen, besucht die achte Klasse der Brinker Schule und wohnt bei ihrer Großmutter in Godshorn. Bei ihrer Ankunft in Langenhagen konnte Natalie nur wenige Worte Deutsch sprechen und konnte daher dem Unterricht kaum folgen. Die Schule empfahl Valeries Großmutter, für drei Monate jeweils zwei Wochenstunden Lernförderung in Deutsch und Englisch zu beantragen – was ihr auch von der Region Hannover bewilligt wurde.
Seit Anfang Oktober erhält Valerie an der Volkshochschule Förderunterricht bei der langjährigen, ebenfalls in Russland aufgewachsenen VHS-Lehrerin Marina Badura. Seitdem geht es in der Schule steil bergauf. Ihre schulischen Leistungen haben sich spürbar verbessert - und es fällt Valerie jetzt auch viel leichter, Kontakte zu knüpfen und neue Freunde kennen zu lernen. Auch Marina Badura zeigt beeindruckt vom Lernfortschritt und von der Zielstrebigkeit ihrer Schülerin.
Valerie, die gern in Deutschland das Abitur machen möchte, ist inzwischen aber auch in anderen Bereichen erfolgreich: Aufgrund ihrer Spielstärke ist die 14-Jährige beim SCL bereits in die Volleyball-Damenmannschaft berufen worden. Gerne würde sie nun auch ihr Training intensivieren, doch noch wichtiger sind ihr zunächst gute schulische Leistungen. Schon jetzt bedauert Marina Badura, dass ihre Lieblingsschülerin schon bald keine Lernförderung mehr benötigt.
Bernd Blauert-Segna ist davon überzeugt, dass die VHS-Lernförderung auch bei anderen Schülerinnen und Schülern kleine Wunder bewirken könne, und kündigt eine umfassende Informationskampagne an den Schulen an. Es müsse keineswegs immer Einzelunterricht sein. Im Idealfall könnten an den Schulen vor Ort leistungshomogene Kleingruppen gebildet werden, an denen auch Schülerinnen und Schüler als Selbstzahler ohne Förderanspruch teilnehmen könnten. Hierdurch würden die betroffenen Fachlehrer entlastet sowie auf Schülerseite Frustration und "Sitzenbleiben" vermieden. Erst durch die Lernförderung hat Valerie, die in Russland nach Angaben ihrer Großmutter eine sehr gute Schülerin war, auch in Deutschland Spaß am Lernen gefunden.