Verantwortung für den Frieden

Bilder und Nachrichten in Zeitung, Radio, Fernsehen: die Kriege zum Beispiel in Syrien und im Jemen, der Konflikt zwischen Palästina und Israel, viele Menschen auf der Flucht überall auf der Welt, die Verrohung der Sprache und die steigende Zahl von rassistischen und antisemitischen Äußerungen in Deutschland. Manchmal ist das schwer auszuhalten und manch einer ist vielleicht versucht, sich diese schlechten Nachrichten nicht mehr anzutun. Die Gefahr abzustumpfen ist groß. Ich habe letztens das Lied „An Tagen wie diesen“ der Gruppe Fettes Brot im Autoradio gehört. Ein Rap über die Abstumpfung über all diese Nachrichten. Das Lied ist 2005 entstanden, hat aber an Aktualität nichts verloren. Ein paar Zeilen daraus:
„Eine Million bedroht vom Hungertod nach Schätzungen der UNICEF
Während ich grad gesundes Obst zerhäcksel' in der Moulinex
Seh' ein Kind in dessen traurigen Augen 'ne Fliege sitzt
Weiß, dass das echt grausam ist, doch Scheiße Mann, ich fühle nix!
Was ist denn bloß los mit mir, verdammt wie ist das möglich?
Vielleicht hab ich's schon zu oft gesehen, man sieht's ja beinah' täglich.“
Ein Lied, das uns auffordert, unser Mitgefühl zu bewahren, auch wenn es schwer auszuhalten ist. Gestern haben wir der Reichspogromnacht vor 80 Jahren und des Falls der Mauer vor 29 Jahren gedacht. In den kommenden zehn Tagen – vom 12. bis 21.November – rücken die Gebete für den Frieden und das Gedenken der Opfer der beiden Weltkriege und der vielen Kriegen danach in den Mittelpunkt.
Es ist wichtig, sich dieser Daten in unserer Geschichte zu erinnern. Es ist wichtig, dass wir die Opfer von Krieg, Gewaltherrschaft und Verfolgung nicht vergessen, dass wir nicht vergessen, was Menschen anderen Menschen angetan haben. Genauso wichtig ist die Freude über den Erfolg der friedlichen Revolution in der DDR und den Fall der Mauer.
Was haben das Gedenken und die Frage, ob die Nachrichten uns noch berühren, miteinander zu tun? Zusammen lässt uns das wach bleiben. Das Gedenken lehrt uns, dass Menschen Verantwortung tragen (für Krieg, Gewalt, Unterdrückung ebenso wie für Widerstand und für Engagement für den Frieden) und unser Mitgefühl lässt uns Verantwortung übernehmen. Verantwortung für eine friedliche Welt.
„Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Feigheit gegeben, sondern den Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ (2. Tim 1,7)
Die Kirchengemeinden Emmaus und Paulus laden ab Montag jeden Tag zu einem Friedensgebet um 18 Uhr in der Emmauskirche ein. Dieses Jahr mit Beteiligung der Christian Hope Church. Am Sonntag, 18. November., feiern wir um 10 Uhr einen Friedensgottesdienst in der St. Pauluskirche und beenden die Reihe am Buß- und Bettag in einem Gottesdienst um 18 Uhr in der Emmauskirche.
Sabine Behrens, Pastorin