Verjüngungskur für die Mimuse

Hoffen bald wieder unter realen Bedingungen mit dem Kleinkunstfestival „Mimuse“ starten zu können: Thorben Noß, Abteilungsleiter Kinder, Jugend, Schule und Kultur, Inga Herrmann und Sozialdezernentin Eva Bender. (Foto: O. Krebs)

Aber: Neue Macherin Inga Herrmann setzt auch weiterhin auf Klassiker im Programm

Langenhagen (ok). Sie war schon als Schülerin in den 90er-Jahren bei der Mimuse aktiv, jetzt übernimmt die 46-jährige Inga Herrmann die Leitung eines der erfolgreichsten Kleinkunstfestivals Deutschlands. Und tritt in die sicherlich großen Fußstapfen ihrer Vorgänger Udo Püschel und Franz Gottwald, der Ende des Jahres endgültig in den Ruhestand geht. Inga Herrmann war viele Jahre lang als Veranstaltungsmanagerin national und international unterwegs. Seit zehn Jahren lebt sie wieder in Langenhagen und unterstützt das Team der rund 27 Ehrenamtlichen der Mimuse, den Verein „Klangbüchse“, seit Herbst vergangenen Jahres.
Eigentlich wollte sie zum Start ihres neuen Jobs den 40. Mimuse-Geburtstag gestalten, aber die Corona-Pandemie hat ihr einen ordentlichen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Scheinwerfer der Öffentlichkeit sind im Moment nicht gerade auf das Thema Kunst gerichtet, auch wenn gerade die „Night of Life“ mit vielen roten Illuminationen im ganzen Land über die Bühne gegangen ist. Inga Herrmann: „Glücklicherweise ist aber gerade Spielpause, und wir müssen Schritt für Schritt schauen, wie es vorangeht und so sicher wie möglich wieder in den Spielbetrieb starten.“ Wie es dann im September oder Oktober weitergehe, sei aber noch völlig unklar. Geplant sei der Start am 10. September im daunstärs, genau einen Monat später steht die große Eröffnungsshow auf dem Programm.
Die Lage werde gerade kontinuierlich beobachtet, damit auf verschiedene Szenarien auch kurzfristig reagiert werden könne. Inga Herrmann, die Mutter einer 18-jährigen Tochter ist: „Im Moment erarbeiten wir ein Hygienekonzept auf der Grundlage der Verordnung, die am 22. Juni in Kraft getreten ist.“ Danach dürften 130 Gäste in den Theatersaal kommen, das Konzept ist auch auf Pärchen ausgerichtet. Der Mindestabstand beträgt auch hier 1,50 Meter zu Besuchern aus einem anderen Haushalt. Im daunstärs seien momentan zwar keine Veranstaltungen möglich, aber Inga Herrmann und ihr Team prüfen, ob und welche Termine in den Theatersaal verlegt werden können. Es stelle sich aber natürlich auch die Frage, welche Künstler überhaupt spielen wollen, und ob es Alternativshows geben kann. Ein finanzieller Verlust sei kein Thema, sagt Herrmanns Vorgänger Franz Gottwald, der zum Ende des Jahres auch aus dem Verein „Klangbüchse“ ausscheiden werde. Stadt und Verein arbeiteten eng zusammen – ein Erfolgskonzept, das sich in den vergangenen vier Jahrzehnten durchaus bewährt habe. Und auch die Zusammenarbeit mit den Künstlern laufe hervorragend. „Wir ziehen alle an einem Strang“, sagt Franz Gottwald. Das sei wie in einer Familie, keiner wolle den anderen austricksen, um gar einen Reibach zu machen. Inga Herrmann ist froh, das sie ihre Helfer der „Klangbüchse“ hat, ohne die es gar nicht ginge. Es sei toll, was die Mitglieder Veranstaltung für Veranstaltung hinzauberten. In ihrem Kopf habe sie eine Menge Ideen, was die Zukunft des Kleinkunstfestivals anginge, und wo es noch besser werden könne. „Das werde ich in den nächsten Wochen in enger Zusammenarbeit mit dem Vorstand der Mimuse weiter entwickeln“, sagt Inga Herrmann. Aber eines verrät sie schon: Sie will die Mimuse und damit auch das Publikum etwas verjüngen, ohne die Klassiker, die dieses Festival ausmachen, zu sehr in den Hintergrund zu stellen.“ Es gebe ein sehr treues Publikum, das zu einem großen Teil weite Wege auf sich nehme, um die Vorstellungen zu besuchen. Das möchte Inga Herrmann unbedingt bewahren, gleichzeitig aber auch Jüngere für diese Kunstform begeistern und hier und da neue Formate einbinden.