"Vernetzung und Bildung sagen nichts"

Im Austausch (von links): Landesbischof Ralf Meister, Pastor Karl Ludwig Schmidt und Superintendent Martin Bergau.Foto: O. Krebs

Landesbischof Ralf Meister diskutierte mit Geistlichen über "Gemeinde der Zukunft"

Langenhagen (ok). Da mussten einige der Diakone und Pastoren aus dem Kirchenkreis doch erst einmal heftig schlucken: Hatten sie sich das Thema "Vernetzung als Hauptaufgaben für die Gemeinden der Zukunft" am Beispiel des Familienzentrums "Emma und Paul" doch so schön zurechtgelegt, da schien ihnen der hohe Besuch aus Hannover doch glatt einen Strich durch die Rechnung zu machen. Denn: Landesbischof Ralf Meister, Chef der evangelisch-lutherischen Landeskirche, kann Begriffen wie "Vernetzung" oder "Bildung" nicht besonders viel abgewinnen. "Vernetzung und Bildung sagen nichts und sind nicht Auftrag der Kirche. Der liegt darin, was wir tun", so der Geistliche. Das seien Kunstworte mit Dynamik, die vom eigentlichen Ziel entfernten. Der eigentliche Auftrag dürfe dabei nicht vergessen werden. Pastor Karl Ludwig Schmidt, Gastgeber in der St. Paulus-Gemeinde, zog den Vergleich mit Christus heran, der auch die "Netze für die Menschen ausgeworfen" habe. Diakonin Dorothee Beckermann sprach die "Vision des sozialen Raums" an und hob hervor, dass die Familie die "kleinste Zelle des Zusammenlebens" darstelle. Nachbarschaftliche Bindung sei nicht zuletzt deshalb nötig, um sich selbst helfen zu können. Kirche gestalte und öffne Lebensräume, mit Durchlässigkeit müsse sie dafür sorgen, dass Menschen zusammengeführt würden, die sich sonst nicht träfen. Aber: Kirche dürfe auch nicht immer nur die Defizite sehen, sondern müsse vor allen Dingen die fördernden Faktoren mit einbeziehen. Meister pflichtete bei: "Die Kirche muss Verantwortung für den Sozialraum übernehmen, die Menschen mit ihren Fähigkeiten und Begabungen vor Ort stärken." Mit "gemeinwesenorientierter Diakonie" sei die Kirche "wie ein Marktplatz". Pastor Falk Wook aus Godshorn ergänzt: "Wenn wir in den Gemeinden diakonische Projekte anbieten, werden wir von den Menschen verstanden." Wook machte sich für ein "theologisch praktisches Quartiersmanagement" stark: "Diakonie muss in den Gemeinden stattfinden." Landesbischof Meister stimmte dem zu: "Wir geben den Raum nicht auf, in dem wir sind." Falk Wook gab allerdings zu bedenken, dass sich Kirche im ständigen Wandel befinde und zog den Vergleich mit einem Reifen – auch dort nutze sich das Profil ab, müsse dann erneuert werden, darüber hinaus gebe es sowohl Sommer- als auch Winterreifen. Jens Seliger, Pastor aus Kirchhorst: "Wichtig ist, dass wir unsere eigene Identität bewahren und wissen, wer wir sind. Wir müssen Farbe bekennen und nicht alles mitmachen."