Videos helfen Erziehern bei der Arbeit

Die pädagogischen Fachkräfte freuen sich über die erfolgreich abgeschlossene Weiterbildung bei der Deutschen Gesellschaft für Videobasierte Beratung. Sie alle haben das Zertifikat als "Practitiner" erhalten.  (Foto: J. Polley)

Mitarbeiter sollen sich selbst reflektieren

Langenhagen. Videoaufnahmen in Kindertagesstätten – das scheint in Zeiten von Datenschutzverordnungen fragwürdig. Doch in Langenhagen ist dies gelebte Praxis – zur Selbstreflexion der pädagogischen Fachkräfte und um die Entwicklung der Kinder fördern zu können und ihre Stärken zu erkennen. Ohne eine schriftliche Einverständniserklärung der Eltern funktioniert dies aber nicht.
Um künftig so arbeiten zu können, haben insgesamt 34 pädagogische Fachkräfte aus 19 Einrichtungen in Langenhagen eine Weiterbildung der Deutschen Gesellschaft für videobasierte Beratung erfolgreich abgeschlossen und das Zertifikat „Practitioner“ erhalten. Ein Jahr lang haben sie sich unter Anleitung von Kerstin Gloger-Wendland und Helga Reekers in zwei Kursen mit der neuen Methode vertraut gemacht, sich ausprobiert und ihre Interaktion und Kommunikation mit Kindern und Eltern selbst reflektiert. Die Stadt hat dafür Geld aus dem Landestopf erhalten.
Die Teilnehmer setzen Videoaufnahmen bereits in ihren Einrichtungen ein. „Wir versuchen, Videos bei fast allen Gesprächen über die Entwicklung der Kinder einzusetzen“, sagt eine Teilnehmerin. Von den Eltern habe sie positive Rückmeldungen für die Aufnahmen bekommen. Letztens habe ein Elternteil sie sogar gefragt, warum es über sein Kind kein Video gebe.
Doch aus Datenschutzsicht sind Videos ein heikles Thema. Deshalb müssen Eltern vor Aufzeichnungen ihr schriftliches Einverständnis geben und werden von den Fachkräften über die Methode aufgeklärt. „Das passiert nicht hinter dem Rücken der Eltern“, sagt Stephanie Emmel, Fachberaterin für Kindertagesstätten bei der Stadt. „Wenn jemand das nicht möchte, dann geht das auch nicht.“ Doch bisher, sagt Emmel, haben die Kursteilnehmer positives Feedback von den Erziehungsberechtigten erhalten. Nach Auswertung der Aufnahmen werden diese vernichtet.
Bevor Videos von einem Kind gedreht werden, überlegen sich die pädagogischen Fachkräfte, in welchen Situationen es sinnvoll ist, das Kind mit der Kamera zu begleiten. Rund zehn Minuten lang sollte die Sequenz sein. „Wir wollen dadurch den positiven und individuellen Blick auf das einzelne Kind stärken“, sagt Emmel. Kursleiterin Gloger-Wendland ergänzt: „Dies ist eine besondere Methode, denn sie nimmt Eltern und Erzieher in die Reflexion mit auf. Der Fokus liegt nicht nur bei dem Kind, sondern es wird geguckt, was ich tun kann, damit es den Kindern gut geht.“ Zudem könne die Einrichtung den Eltern mit Videos zeigen, was ihr Nachwuchs macht, wenn sie arbeiten sind. Gloger-Wendland hält die Kamera für einen wichtigen Begleiter gerade bei der Eingewöhnung in die Kita. „Es sollte Standard werden, dass bei der Eingewöhnung die Kamera immer dabei ist“, sagt sie.
Jugendamtsleiterin Heidi von der Ah betont, dass die Stadt die Kinder im Blick habe. „Ich würde mir wünschen, dass wir mehr Geld zusammentragen, um diese Weiterbildung fortsetzen zu können“, sagt sie.