Vieles wurde gründlich auf den Kopf gestellt

: Bernd Buchholz (rechts) und Miriam Temme stellten jetzt gemeinsam mit Superintendent Holger Grünjes den Jahresbericht der Lebensberatungsstelle vor. (Foto: A. Hesse)

Rekord-Anmeldezahlen in der Lebensberatungsstelle in Langenhagen

Langenhagen. „Vieles, was uns im Leben sicher schien, wurde 2020 auf den Kopf gestellt.“ Mit diesen Wort leitet Bernd Buchholz, Leiter der Lebensberatungsstelle in Langenhagen, den Jahresbericht 2020 der Einrichtung ein. Tatsächlich erlebte das Team der evangelischen Beratungsstelle, die seit 1997 in Trägerschaft des Kirchenkreises Burgwedel-Langenhagen arbeitet, im vergangenen Jahr viel Umstrukturierung und Veränderung, Höhen und Tiefen in der Beratungsarbeit.
Mit dem ersten Lockdown im März 2020 musste auch die Lebensberatungsstelle in der Ostpassage ihre Türen für alle Klientinnen und Klienten schließen; relativ schnelle stellte das Team daraufhin auf Telefonberatung um. „Trotz unserer regelmäßigen Telefonsprechstunden gab es dafür aber kaum Anmeldungen“, erzählt Miriam Temme, stellvertretende Leiterin der Beratungsstelle. „Die meisten Menschen wollten wohl lieber warten, bis sie wieder persönlich zu uns kommen konnten.“
Nach dem Ende des Lockdowns kamen dann auch tatsächlich die ratsuchenden Menschen wieder zum persönlichen Gespräch – und im Sommer und Herbst verzeichnete das Team sogar Rekord-Anmeldezahlen. Erstmals lag die Zahl der Anmeldungen am Jahresende bei etwas mehr als 600; etwa 1.070 Menschen wurden damit insgesamt erreicht. „Die Mehrfachbelastung durch Job, Familie und Homeschooling, Stress mit den Kindern, die zu Hause eingesperrt waren, Auseinandersetzungen in der Familie und die Angst vor Jobverlust oder Ansteckung waren die Themen, die bei uns ankamen“, erzählt Miriam Temme. „Hinzu kamen, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, viele diffuse Ängste, ausgelöst durch die Corona-Pandemie.“
Vielen Menschen half es in dieser Situation, in der Lebensberatungsstelle Gehör zu finden, in der jeweils eigenen Not wahrgenommen zu werden. Oftmals habe allein das schon zu einem Aufatmen bei den Betroffenen geführt, berichten Buchholz und Temme. Darüber hinaus unterstützte das Beratungsteam seine Klientinnen und Klienten darin, die eigene Perspektive zu weiten und den Blick verstärkt auf das zu richten, was noch geht – trotz Corona, trotz aller Einschränkungen. „Viele haben uns zurückgemeldet, dass unsere Beratung ihnen geholfen hat“, freut sich Miriam Temme.
„Die Kinder sind meistens diejenigen, die durch Konflikte in der Familie am stärksten belastet werden“, erklärt die Diplom-Pädagogin und psychologische Beraterin weiter. Ab September macht sie vor diesem Hintergrund gemeinsam mit ihrer Kollegin Ute Gerken ein neues Gruppenangebot für getrennte Eltern: „Kinder im Blick“ heißt dieses Angebot mit acht Abenden; Ziel ist es, die Ex-Partner*innen wieder miteinander ins Gespräch zu bringen und dabei explizit die Kinder in den Fokus zu rücken.
Ein ganz anderes Angebot, das in der Vergangenheit viel nachgefragt wurde, hält Bernd Buchholz ab September bereit: „Dann beginnt bei uns in der Beratungsstelle wieder eine Trauergruppe“, berichtet er. Für beide Angebote sind telefonische Anmeldungen unter der Nummer 0511 723804 möglich. Auch die offene Sprechstunde kann ab Mitte Juli wieder regelmäßig mittwochs von 16 bis 17 Uhr angeboten werden. Weitere Informationen sind auf www.lebensberatung-langenhagen.de zu finden.
„Ebenso wie das Team in der Lebensberatungsstelle sind auch wir als Träger von der Pandemie kalt erwischt worden“, sagt Holger Grünjes, Supertintendent des Kirchenkreises Burgwedel-Langenhagen. Er sei sehr dankbar dafür, dass das Team um Bernd Buchholz sich nicht zurückgezogen, sondern die große Herausforderung angenommen habe und handlungsfähig geblieben sei.