Vom Helfer zum Gesellen

Alexander Peter (links) und Andreas Fox von der Dachdeckerei Fox mit Heike Döpke, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hannover.
 
: Neu-Geselle Alexander Peter (links) mit Firmenchef Andreas Fox.

Alexander Peter hat mit 39 Jahren den Schritt gewagt und eine Ausbildung zum Dachdecker abgeschlossen

Engelbostel (lo). Vor über sieben Jahren hat Alexander Peter bei der Dachdeckerei Fox in Engelbostel als ungelernter Helfer angefangen, jetzt hat er die Ausbildung zum Dachdecker bestanden. Der gelernte Tischler fand schnell Freude an der Arbeit und auch die Chemie stimmt mit den Kollegen. „Die persönliche Beziehung muss einfach stimmen“, ist sich der heute 39-Jährige sicher. Doch während der Arbeit kamen immer wieder fachliche Fragen auf, die er sich immer von seinen Kollegen oder auch seinem Chef Andreas Fox beantworten ließ. „Ich möchte die Qualität leisten, die auch gefordert ist und nicht irgendwann ersetzt werden, nur weil es wer anderes eventuell besser kann und ich nicht weiß, wie es geht. Daher wollte ich dann auch den Abschluss“, betont Peter.
Möglich war dies vor allem durch die Unterstützung der Agentur für Arbeit. „Viele Unternehmen betrachten den Fachkräftebedarf als ein großes Risiko, für welches es keine einfachen Lösungen mehr gibt. Ein großes Potenzial sehen wir in den ungelernten Beschäftigen eines Betriebes. Die Lösungen wollen wir gern gemeinsam mit den jeweiligen Unternehmen erarbeiten und dabei die Möglichkeiten des neuen Qualifizierungschancengesetzes nutzen“, erläutert Heike Döpke, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hannover. Denn Ziel dieses Gesetzes sei es, nicht nur neue Auszubildende zu finden, sondern auch verstärkt in den Unternehmen nach Helfern gucken, die genug Erfahrungen haben, um einen Abschluss zu machen.
So war es auch im Fall von Peter. Als Helfer hat er bereits tausende Stunden an Erfahrungen gesammelt und die Abläufe verinnerlicht. Und so kam es, dass er Anfang des Jahres einen viermonatigen Blockunterricht in der Dachdecker-Schule des Landes in St. Andreasberg absolvierte. „Von Januar bis April haben wir Schlechtwetter. Daher konnten wir ihn ruhig einmal entbehren“, erzählt Firmeninhaber Andreas Fox. Und der Lehrgang hat sich gelohnt. Als Lehrgangsbester hat er den Prüfungsvorbereitungskurs abgeschlossen und die Gesellenprüfung zum Dachdeckergesellen Anfang April ohne Probleme bestanden.
Die Agentur für Arbeit konnte in diesem Fall die vollen Lohnkosten und die Hälfte der Lehrgangskosten zur Vorbereitung auf die Prüfung bei der Handwerkskammer übernehmen. Insgesamt beläuft sich die Summer auf etwa 16.000 Euro. „Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind jetzt zukunftssicher aufstellte“, ist Döpkes Begründung für die Finanzierung. Denn im Rahmen des neuen Qualifizierungs- und Chancengesetzes kann ein Zuschuss zum Arbeitsentgelt gezahlt und die Weiterbildungskosten übernommen werden. Dabei belaufen sich die Förderungen bei Kleinbetrieben auf 100 Prozent und bei Unternehmen mit mehr als 2500 Mitarbeitern auf 15 Prozent. „Sämtliche Branchen können dadurch eine Förderung erhalten“, betont Döpke.
Doch durch die bestandene Gesellenprüfung von Peter musste die Dachdeckerei Fox die Stelle eines Helfers neu besetzen. „Wir brauchen eben auch Helfer, die handwerklich geschickt sind und die Gesellen unterstützen können“, erläutert Fox. Dies hat ebenfalls durch die Unterstützung des Amtes funktioniert. „Er war vorher arbeitssuchend und wird übers Amt gefördert“, so Fox. Trotzdem ist er sich sicher: „Wir benötigen auch mehr Fachkräfte. Wir haben laufend Stellen zu besetzen, das bewerben wir auf unserer Internetseite, in der Jobbörse und auch der Zeitung. Es ist aber auch so, dass es eben auch menschlich passen muss – das gilt auch für Auszubildende. Bei den Bewerbungen, die eingingen, wurde es mit der Auswahl oft eng und klappte nicht wie gedacht“, erläutert der Firmeninhaber.
Und wenn es doch einmal mit einem Auszubildenden geklappt hat, hielt dies oft nicht lange. Denn gut jeder zweite hat seine Ausbildung nicht beendet oder ist nach einem Jahr als Geselle in eine andere Branche gewechselt. Daher war es umso erfreulicher, dass sie mit Alexander Peter jetzt eine weitere Fachkraft mit viel Erfahrung haben. „Jetzt gehöre ich dazu. Das macht mich stolz“, sagt Peter. Ob noch eine weitere Fortbildung ansteht, ist noch nicht sicher. „Ich könnte mir vorstellen, dass er noch seinen Ausbildungsschein macht. Er kann gut mit Jugendlichen“, meint Fox. Und auch Peter könnte sich das vorstellen: „Ich möchte den Jugendlichen gerne den Beruf beibringen.“