Wahlkampf im Kochstudio

Es muss geschmeckt haben: Reste blieben an diesem Abend nicht übrig – zur Freude von Ursula Ladwig (von links), Mirko Heuer, Marco Hoffmann, Marc Köhler und Anja Sander. Foto: D. Lange

Große Koalition funktioniert – in der Küche

Langenhagen (dl). So schön kann Wahlkampf sein – wenn er in der Küche stattfindet. Entstanden war die Idee bei einem Verkaufsoffenen Sonntag. Es war Marco Hoffmann, Berater im M3-Küchenstudio, der den Spitzenkandidaten von SPD und CDU den Vorschlag machte, doch einmal gemeinsam zu kochen: „Wir sorgen für die Getränke und ihr kocht.“
Gesagt, getan. Sowohl Marc Köhler als auch Mirko Heuer sagten spontan zu, schnell fand sich ein Termin und somit stand einem ungewöhnlichen, heiteren Duell der Hobbyköche nichts mehr im Wege. Ihre politischen Ämter und der Wahlkampf lassen den Kontrahenten augenblicklich wenig Zeit für den heimischen Herd; beiden gemeinsam ist darüber hinaus eine gewisse Vorliebe für die Küche des Landes, in dem die Zitronen blühen. „Pizza und Pasta sowie einfache Gerichte koche ich ganz gerne, denn wenn ich schon mal Zeit zum Kochen habe, muss es schnell gehen. Ansonsten bin ich froh, wenn die Familie mir abends noch etwas übrig gelassen“, so Mirko Heuer. „Meine Zeit ist da schon eher die Grillsaison.“
Für das Kochduell und wohl in Anlehnung an das 700-jährige Jubiläum Langenhagens im kommenden Jahr, hatten sich Heuer und seine beiden Assistentinnen Gabriele Spier und Ursula Ladwig ein mittelalterliches Rezept für einen deftigen Linseneintopf ausgesucht. Dieses niedersächsische Rezept trägt den beziehungsreichen Zusatz „Wie man eyn teutsches Mannsbild bey Kräfften hält“, nachzulesen in dem Kochbuch „Die vergessenen Küchengeheimnisse des Mittelalters“. Um nun aber seine kraftgebende Wirkung voll entfalten zu können, benötigt dieser mittelalterliche Eintopf entsprechend gehaltvolle Zutaten wie Bauchspeck und geräucherte Mettenden, die, in Scheiben geschnitten und in der Pfanne leicht angebraten, alsbald ihr verführerisches Aroma verbreiten. Zusammen mit dem appetitanregenden Duft gedünsteten Knoblauchs für die Pastasauce, die in der Kochecke der SPD zubereitet wird, entsteht ein angenehm würziger, die Geschmacksnerven der Zuschauer stimulierender Aromacocktail. Unterdessen geht der mittelalterliche Linseneintopf seiner Vollendung entgegen und Ursula Ladwig berichtet inzwischen von den umfangreichen Vorbereitungsarbeiten: „Wir mussten den Eintopf vorkochen, weil alleine die Linsen zwölf Stunden lang einweichen müssen und der Bauchspeck braucht auch seine Zeit. Dazu muss das Suppengemüse kleingeschnitten und mit den Linsen eine Zeitlang mitgekocht werden. Dazu wäre hier zu wenig Zeit gewesen.“
Derweil sind die beiden Duellanten der SPD, Anja Sander und Marc Köhler, noch bei der Arbeit. Für ihn seien Rezepte, so Köhler, der lieber auf seine eigene Kreativität vertraut, nur Anregungen, die Raum lassen für Modifikationen: „Meine Rezepte entstehen im Kopf und verändern sich deshalb auch immer wieder.“ Für das Duell am Herd hat sich Köhler für ein Pastagericht entschieden, eine Eigenkomposition mit dem schlichten Titel „Nudeln mit Sauce Rot-Grün“ – soviel Symbolik muss sein.
Roter Paprika, Tomaten und Serranoschinken bilden dazu die Grundlage in Verbindung mit Knoblauch, Zwiebeln und Paprikagewürz. Der „grüne Koalitionspartner“ kommt indessen in Form von grünem Pfeffer und einigen Blättern frischen Basilikums ins Spiel; geschmacklich abgerundet wird das Ganze von frisch geriebenem Parmesankäse. Währenddessen entstehen unter den fachkundigen Händen von Assistentin Sander sowohl Vorspeise als auch Dessert. Dazu wird Paprika in der Pfanne mit Olivenöl und Butter gedünstet, darüber etwas Rohrzucker gestreut, dazu Salz, ein Hauch Chili und einige Tropfen Balsamico sowie in der Pfanne angeschwitzte Pinienkerne. Diese Vorspeise kann nach Belieben sowohl kalt als auch warm serviert werden. Eine ziemlich kalorienreiche, aber sehr leckere Mascarponecreme mit Himbeeren bildet den Abschluss des SPD-Menüs. Das CDU-Team serviert als Dessert einen cremig gerührten Sahnequark mit Früchten.
Auf die politischen Verhältnisse übertragen, könnte ein mögliches Fazit dieses heiteren Kochduells folgendermaßen lauten: Die große Koalition im kleinen Kochstudio hat ihre Aufgaben gut gelöst, ganz im Sinne einer gemeinsamen Sache, die da heißt: Hauptsache, es schmeckt und alle sind zufrieden. Was will man mehr?