Wegschauen hilft nicht

Wegschauen hilft auch beim Shoppen der Weihnachtsgeschenke nicht – dieser Meinung sind Justyna Scharlé (von links), Corona Grüning und Ute Mau, Mitarbeiterin der Integrationsstelle. (Foto: E. Reßmann)

Plakataktion „Gewalt gegen Frauen“ beginnt zur Weihnachtszeit

Langenhagen (elr). Im Kontrast zur gemütlichen Vorweihnachtsstimmung im City Center Langenhagen, im Cinemotion oder gar auf dem Weihnachtsmarkt – überall hängen nun die Plakate zum Thema „Häusliche Gewalt“. Denn obwohl Weihnachten als Fest der Liebe gilt, häufen sich gerade zu dieser Zeit statistisch gesehen Vorfälle wie häusliche Gewalt: Wenn die Familie zusammenkommt und viel Zeit miteinander verbringt, kann es nämlich auch schnell zu Krisen oder Konflikten kommen.
Dabei ist es egal, welche Herkunft, Religion oder welches Alter man hat: Häusliche Gewalt kann viele Formen haben – nicht nur körperlich oder sexuell, sondern auch psychisch, sozial, digital oder ökonomisch. Jede Form von häuslicher Gewalt hinterlässt zumindest seelische Narben, die nicht so einfach verschwinden. Allein im Jahr 2018 gab es über 114.000 Fälle von Gewalt durch Partner oder Ex-Partner in Deutschland. Laut der Statistik ist jede vierte Frau betroffen, jedoch holt sich nur jede fünfte Betroffene Hilfe.
Um genau diese Zahl zu ändern, werden die Plakate bis Anfang Januar dort hängen, wo sie von Vielen gesehen werden. In ganz Langenhagen hängen bereits 170 große Plakate, auf denen absichtlich eine Frau jeweils unkenntlich gemacht wurde. Die Optik soll irritieren und von Weitem aufmerksam machen, so Corona Grüning, die Medien- und Öffentlichkeitsbeauftragte von Ophelia, dem Beratungszentrum für Frauen und Mädchen mit Gewalterfahrung ab 13 Jahren. Von ihr stammt sowohl die Idee als auch das Design für die Plakate. In Kooperation mit Justyna Scharlé von der Integrationsstelle konnte die Idee umgesetzt werden: Es bleibt zu hoffen, dass sich mehr Frauen ermutigt fühlen, sich Hilfe zu holen. Die sogenannte Beratungs-Interventions-Schutz-Stelle, kurz BIS-Stelle, von Ophelia bietet einen sicheren Raum für Betroffene sowie Angehörige, um sich vertraulich beraten zu lassen. Egal, wie lange die erlebte Gewalt her ist, die Beratungsstelle hat nicht nur für akute Fälle ein offenes Ohr. Auch, wenn knapp 70 Prozent der Täter deutscher Herkunft sind, um die optimale Hilfe zu ermöglichen, sind auch Dolmetscher bei Ophelia tätig.
Falls Firmen, Praxen, Kirchen oder Ähnliches Interesse daran haben, diesem Problem der häuslichen Gewalt aktiv entgegenzuwirken und Plakate aufzuhängen, so wird um eine E-Mail an integration@langenhagen.de gebeten.