Welche Bedeutung hat das Smartphone für den Menschen?

Die Klangskulptur „Das goldene Kalb“ ist im Foyer des Ratssaals ausgestellt. (Foto: Th. Schirmer)

Klangskulptur im Rathaus regt zum Nachdenken über den Handykonsum an

Langenhagen (sch). Geschäftig eilen Menschen durch das Rathaus, bleiben plötzlich für einen Moment des Staunens, Hörens und Schauens stehen. Ein leuchtendes Podest, an ein riesiges Handydisplay erinnernd, bildet das Fundament einer Installation, deren golden schimmernde Aufbauten ebenso fesselnd wie rätselhaft wirken. Über allem schwebt leise ein Klangteppich aus fragmentarischen Handytönen, die den Betrachter mit akustischen Impulsen versorgen und im Zusammenspiel mit der Skulptur viel Raum für Assoziationen und Interpretationen lassen.
Am Freitag vergangener Woche stellte der international bekannte und preisgekrönte Künstler Johannes S. Sistermanns sein neuestes Werk „Das goldene Kalb“ erstmals der Öffentlichkeit vor, begleitet von einer Diskussionsveranstaltung im Ratssaal, die von der Volkshochschule Langenhagen in Zusammenarbeit mit der Akademie für west-östlichen Dialog der Kulturen organisiert wurde. Den Titel des Kunstwerks nahm der Religionswissenschaftler Professor Bertram Schmitz aus Jena zum Anlass, die alttestamentarische Geschichte vom „Tanz ums goldene Kalb“ nachzuerzählen und zu hinterfragen, was sich hinter unserer Faszination am Smartphone verbirgt: „Wird das Smartphone zu einem selbst gemachten Gott? Zu einem goldenen Kalb – in dessen glänzenden Spiegelbild wir uns selbst ständig zur Schau stellen und auf das Echo der Betrachtenden warten; eine allgegenwärtige Bühne, auf der es geschminkt zu erscheinen gilt – zu einer selbst gewählten Überwachung an jeder Straßenecke, jedes noch so persönlichen Gesprächs?“, formulierte Schmitz eine These, der im Verlauf der Diskussion nachgespürt wurde. Und der Berliner Philosoph Dr. Reinhard Knodt merkte kritisch an: „Wir müssen also schließen, dass das Mobiltelefon nicht irgendein goldenes Kalb ist, das wir anbeten können oder nicht, sondern dass wir es selber sind, dass es unsere Seele ist, die da glänzend vor uns liegt, das Herz aller Dinge, dass dieses scheinbar außerhalb von uns und neben uns liegende Ding wir selber sind. Wer das bezweifelt, mag sein Mobiltelefon abschalten und darüber sinnieren, was ihn nun am meisten beschäftigt. Ich wette, es ist das abgeschaltete Mobiltelephon.“
Die Klangskulptur ist noch bis zum 19. November im Langenhagener Rathaus von Montag bis Donnerstag,. 8 bis 18 Uhr, Freitag. 8 bis 13 Uhr sowie am Sonnabend, 19. November, von 8 bis 12 Uhr zu sehen.