Wenn auf einmal kräftig gehupt werden darf

Sangen lauthals vom Anhänger: Wiebke und Rainer Müller-Jödicke. (Foto: O. Krebs)

Premiere im Westen: erste Drive-In-Andacht auf Schulenburger Festwiese

Engelbostel/Schulenburg (ok). Hupen ohne Grund ist auf der Straße normalerweise verboten, war am Sonntag aber ausdrücklich erwünscht. Das Wort „Drive in“, das meistens in Verbindung mit Fast-Food-Restaurants gebracht wird, bekam eine ganz neue Bedeutung. Die Gläubigen der Martinskirchengemeinde aus Engelbostel und Schulenburg hatten ja fast zwei Monaten nicht mehr die Gelegenheit, sich zu treffen. Am Sonntag war es dann wieder soweit. Voraussetzung: Sie mussten im Auto kommen. Denn auf der Festwiese am Roten Weg in Schulenburg stand ein besonderer Gottesdienst auf dem Programm. Pastor Rainer Müller-Jödicke prdigte vom Anhänger eines Lasters, etwa 50 Autos standen mit dem dem gebührenden Abstand auf der Festwiese, die Kirchenglocken hatte Thomas Müller mit seinem Smartphone eingespielt. „Wer kommt aus Schulenburg“?“, fragte Rainer Müller-Jödicke nach dem Orgelvorspiel des Organisten Stephan Pfannkuchen. Ein Hupkonzert war die laute Antwort.“Und wer aus Engelbostel?“ Wieder lautes Hupen, das sich auch auf die Frage nach den auswärtigen Gottesdienstbesuchern wiederholte. Die Idee hatten Christian Frehrking und Stephan Mörke aus dem Kirchenvorstand aus Hildesheim und Göttingen mitgebracht; Pastor Rainer Müller Jödicke berichtete von Freunden aus Texas, wo es ebenfalls solch einen Gottesdienst gegeben habe. Über Lautsprecher war Müller-Jödicke gut zu hören; die Besucher sangen in ihren Autos kräftig bei der Andacht mit. Nach dem Segen spielte Stephan Pfannkuchen noch abschließend auf dem Klavier; die Gottesdienstbesucher starteten derweil schon ihre Automotoren, und es wurde noch einmal herzerfrischend gehupt. Und es soll kein einmaliger Drive-In-Gottesdienst bleiben. Der Schützenverein will seine dann wieder frisch gemähte Fläche für Sonntag, 23. August, zur Verfügung stellen und dann noch einmal für den Strom sorgen. An diesem Tage hätte eigentlich das Schützenfest stattfinden sollen. Klar wurde am Sonntag aber auch, dass vielen Gläubigen die Gemeinschaft in der Kirche fehlt. Damit wird es am Sonntag vorbei sein, nach zwei Monaten findet wieder ein regulärer Gottesdienst in der Martinskirche statt. Allerdings mit strengen Auflagen unter Einhaltung der Abstandsregeln. Reihen werden freibleiben müssen, Desinfektionsspender stehen bereit. Ja und auch Töne werden am Sonntag nicht zu hören sein, denn das Singen – eigentlich zentraler Bestandteil eines Gottesdienstes – ist in Corona-Zeiten auch nicht möglich.