Wenn Charly und Charly feiern

Haben viele Jahrzehnte miteinander getanzt: Irmgard und Jürgen Zieger. (Foto: S. Hartung)
 
Haben mit einem kleinen Party-Marathon gefeiert: Irmgard und Jürgen Zieger.

Diamantene Hochzeit bei Godshornern Irmgard und Jürgen Zieger

Godshorn (sh).. Wer sich mag, gibt sich Kosenamen. Wer sich liebt, erst recht. Das ist bei Irmgard und Jürgen Zieger nicht anders. Der Klassiker steht auch bei ihnen ganz oben auf der Liste: Schatzi. „Dort irgendwann wollten wir uns so in der Öffentlichkeit nicht mehr so rufen“, erzählt Irmgard Zieger – und so entwickelten sie aus dem Kosenamen einen Decknamen. „Daher können Sie uns beide gern ,Charly´nennen“, sagt sie und lacht. Die Godshorner sind am Mittwoch auf den Tag genau 60 Jahre verheiratet, feiern also ihre diamantene Hochzeit.
Als die Ziegers noch nicht Charly und Charly waren, lernten sie sich im hannoverschen Stadtteil Hainholz kennen. Es ist das Jahr 1959. Irmgard Beyer, aufgewachsen in Mecklenburg-Vorpommern, floh aus der damaligen DDR zu ihren schon in Hannover lebenden Brüdern. Sie kannte die Stadt nicht, ließ sie sich von einem Bekannten zeigen. „Nach der langen und anstrengenden Radtour brauchte ich erstmal einen Apfelsaft“, erinnert sie sich und ging in eine Kneipe. „Dabei war ich vorher nie in einer Kneipe“. Dort klimperte das Geld nur so. Ihr späterer Schwiegervater sahnte an einem Glücksspielautomaten richtig ab. „Ich kannte so etwas aus der DDR nicht und haben ihn gefragt, was das ist.“
Kurz danach stand Jürgen Zieger in der Kneipe, um seinen Vater abzuholen – und kam mit der jungen Frau ins Gespräch. „Ab dann sind wir immer zusammen zum Tanzen gefahren. Das haben wir sowieso über viele Jahrzehnte gern gemacht, auch in Tanzschulen in Hannover und Langenhagen“, erinnert sich der heute 86-Jährige. Zu Zeiten des näheren Kennenlernens ging es aber in die Nähe von Gehrden in die Fröhliche Waldschänke. „Ich hatte damals schon ein Auto. Das war zu dieser Zeit etwas Besonderes. Damit habe ich wohl Eindruck gemacht“, sagt Zieger mit einem Augenzwinkern.
Eindruck gemacht hat auch sein Bemühen um seine Freundin. Diese musste nämlich im ostfriesischen Norden ihr Anerkennungsjahr zur Kindergärtnerin absolvieren. Eine Fernbeziehung als harte Prüfung für das junge Glück. Der spätere Justizvollzugsbeamte kam regelmäßig zu Besuch vorbei. Mit kleinen Geschenken, wie ein echter Gentleman. „Das ist er noch heute. Er hat sich damals so liebevoll und aufmerksam verhalten“, sagt die mittlerweile 82-Jährige. Mit Blumen? „Ja, auch. Aber vor allem mit Schokolade war sie zu begeistern.“
Am 28. April 1961 erfolgte, wenige Monate nach der Verlobung, in Hannover die standesamtliche Trauung. Es schloss sich ein kleiner Party-Marathon an: Polterabend am 29. April, kirchliche Zeremonie in Hainholz am 30. April mit anschließender Feier im Schützenhof in Wennigsen. „Das passte prima für die ganze Familie. Am 1. Mai war das Lebensmittelgeschäft meines Vaters sowie geschlossen, da konnten wir uns dann alle ausruhen“, sagt Jürgen Zieger und lacht.
Irmgard Zieger, die später noch rund 30 Jahre in einem AWO-Kindergarten in Hannover arbeitete, brachte zwei Töchter zur Welt. Heute sind die Eheleute dreifache Großeltern, zudem haben sie sechs Urenkel. 1971 zog die Familie nach Langenhagen, seit 1977 wohnen sie in Godshorn. In der Ortschaft zogen sie 1995 in ihr selbstgebautes Haus um. Vor allem in Godshorn haben sie sich in ihrer Freizeit engagiert und für ältere oder bedürftige Menschen eingesetzt, beispielsweise mit Musik oder Kaffeenachmittagen. Dafür erhielten sie 2015 eine Auszeichnung, als die Stadt Langenhagen ehrenamtlich Tätigen einen besonderen Dank aussprach.