Wenn die Töne sprudeln und gluckern

Patrick Gläser rockt Engelbosteler Orgel

Engelbostel. Die Töne sprudeln und gluckern, es klingt wie Wellen, die einen Strudel bilden. Dann wird ein Wind hörbar, der sich zu einer Melodie entwickelt: „I am sailing“ von Rod Stewart kommt herein und wird in verschiedenen Klangfarben und Tonarten hörbar. Nach dem dritten Mal schnarrt es: Sind das die Matrosen, die den Refrain anstimmen?
Es ist eines der Flötenregister der Orgel in Engeblostel. 351 Jahre ist das Meisterwerk von alt, ursprünglich hat die Kirchenorgel mal in der Aegidienkirche zu Hannover gestanden, bevor sie nach Langenhagen kam. Sonntags begleitet sie die Gottesdienstgemeinde bei Chorälen, aber sie mag auch Rockmusik, wie Patrick Gläser unlängst bewies. Er lässt die Orgel weiter blubbern. Dann fängt sie an zu strahlen, als würden die Meerjungfrauen nun das Segelschiff besingen.
Gläser war im Rahmen der Offenen Kirche in die Martinskirche gekommen. Die Langenhagener Kantorin Birgit Desch hatte ihn eingeladen; sie selbst interpretiert an der alten Orgel zweimal im Monat donnerstags um 18 Uhr Stücke aus vergangenen Jahrhunderten, nun hatte sie ihren süddeutschen Kollegen gebeten, bekannte Melodien der Rockszene vorzustellen: Die Beatles und Queen sind dabei und Filmmusik von „Star Wars“ bis zum „Fluch der Karibik“.
Das, was er zusammen mit der Orgel leistet, schaffen moderne Tonstudios und Musikanlagen kaum: Die brummenden Töne sind auch körperlich spürbar, das Zusammenspiel der drei Manuale plus Fußpedal und 35 Orgelregister beglückt die mehr als 100 Zuhörer. Gebannt hören sie, wie das Gluckern leise verstummt.