Wer füttert, tut nichts Gutes

Kippt Badewasserqualität am Silbersee?

Langenhagen (gg). „Leider spürten auch in diesem Jahr viele der Badegäste, die die ersten schönen Ferientage für einen Badeausflug an den Silbersee genutzt haben, die Folgen des Zerkarienbefalls“, so die Mitteilung von Mirko Heuer, CDU-Fraktionsvorsitzender im Rat und weiter, „nach der Abkühlung im See kam auch bei uns der Juckreiz. Das ist sicherlich nicht gefährlich, aber trotzdem sehr lästig.“ Mit diesen Erfahrungen stehe er nicht allein da, wie Gespräche mit anderen Familien zeigten. „Es ist möglich, das Zerkarienproblem im Silbersee in den Griff zu bekommen. Aus dem Wassergutachten, das vor zwei Jahren erstellt wurde, kann man bereits diverse Maßnahmen ableiten. Und diese wollen wir jetzt schrittweise umgesetzt sehen“, fordert Heuer. Ganz wichtig sei ihm dabei die verstärkte Aufklärung: „Vereinfacht kann man festhalten, je mehr Futter, desto mehr Enten, mehr Kot und mehr Zerkarien“. Das Nahrungsangebot steuert dabei die Größe der Bestände von Entenvögeln und gerade das Füttern in der Uferzone sei kritisch.
Die Stadtverwaltung erklärt auf Anfrage des ECHOS: „Das Auftreten von Zerkarien steht in keinem Zusammenhang mit der hygienischen Wasserqualität eines Sees. Ursache der so genannten Badedermatitis/Zerkariendermatitis sind Larven von Saugwürmern, die im Darm von Wasservögeln leben und über den Kot der Tiere ins Wasser gelangen. Die Verwaltung hat vor geraumer Zeit rund um den Silbersee Schilder aufgestellt, die auf das vor Ort bestehende Verbot der Entenfütterung hinweisen, sowohl in Symbol- als auch in einigen Fremdsprachen. Die Stadtverwaltung erreichen dennoch immer wieder Berichte, denen zufolge Menschen Enten in unmittelbarer Nähe dieser Schilder füttern. Alle Gäste des Silbersees sind daher gebeten, in entsprechenden Situationen auf das Entenfütterungsverbot hinzuweisen.“
Die Stadtverwaltung prüft zudem unterschiedliche Maßnahmen, ob und wie sich das Risiko einer durch Zerkarien ausgelösten Erkrankung langfristig und effektiv im Silbersee mindern lässt. Dabei ist jedoch festzuhalten, dass bisher noch keine Fälle von Badedermatitis gemeldet worden sind.
Bezüglich der Wasserqualität: Gemäß der EU-Richtlinie stuft die Region Hannover die Badegewässerqualität des Silbersees als ausgezeichnet ein. Es handelt sich dabei um die beste von insgesamt vier Abstufungen. Diese Einstufung basiert auf Untersuchungen, die das Gesundheitsamt der Region Hannover während der gesamten Badesaison vom 15. Mai bis 15. September in vierwöchigen Abständen durchführt. Die Ergebnisse der vier im Silbersee dieses Jahr genommenen und untersuchten Bakteriologische Proben finden Interessierte unter http://www.hannover.de/de/kultur_freizeit/sport/ba...
„Das Wassergutachten lässt an vielen Stellen zu viel Raum für Spekulation“, ergänzt Heuer und fordert intensivere Untersuchung der Wasserpflanzen und des Seegrundes sowie eine genauere Tiefenbestimmung: „An vielen Stellen kann man inzwischen bis weit in den See hinein laufen, was eine zunehmende Verlandung des Sees vermuten lässt.“ Ohne weitere Details können aber nur schlecht weitere Maßnahmen festgelegt werden, weil im Ökosystem des Sees viele Abhängigkeiten bestünden. „Wir möchten jedoch einige konkrete Vorschläge aus dem Gutachten direkt aufgegriffen sehen, die sich mit der Veränderungen der Uferzone, der Anlage von Angelstegen zum Schutz des Röhricht-Bewuchses oder der intensiven Laubentfernung zur Vermeidung von Laubeintrag in den See beschäftigen“, so Heuer.
Um auch in Zukunft eine hohe Wasserqualität im Silbersee zu erzielen und gewähren zu können, prüft die Stadtverwaltung aktuell mehrere Möglichkeiten. So werden beispielsweise im Rahmen einer Tauchuntersuchung die Wasserpflanzen untersucht. Dabei wird anhand der im See vorhandenen Pflanzen ermittelt, wie viele Nährstoffe in diesem Ökosystem bereits vorhanden sind. Langfristiges Ziel ist es, Maßnahmen zu entwickeln, mit denen eine Eutrophierung des Gewässers, also eine Nährstoffanreicherung über Vogelkot, minimiert werden kann. Diese Untersuchung wird voraussichtlich Mitte September durchgeführt, so die Auskunft der Stadtverwaltung.