Widerstände in den Köpfen?

Engagiert diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Stadtgespräch miteinander.Foto: D. Lange

13. Langenhagener Stadtgespräch zum Thema "Inklusion"

Langenhagen (dl) Mit dieser enormen Resonanz auf das Stadtgespräch zum Thema Inklusion hatte man nicht gerechnet. Statt der erwarteten etwa 60 Besucherinnen und Besucher wurden Peter Kleinsorge von der Stabstelle Inklusion & Schulraumbedarfsplanung sowie Susanne Braun von der VHS, die das Stadtgespräch vorbereiteten, von mehr als 100 interessierten Gästen überrascht. Das zeigt, welches Interesse an diesem Thema besteht, das in seiner gesamtgesellschaftlichen Dimension bisher noch schwer zu überblicken ist. Die Teilnehmer der Diskussionsrunde waren sich deshalb darin einig, den Weg zur Verwirklichung der auch von der UN-Behindertenrechtskonvention gesetzten Ziele zunächst in kleinen Schritten aufzunehmen. Inklusion ist als eine gemeinsame Verantwortung zu betrachten und bedingt daher eine Veränderung der Wahrnehmung eines jeden Einzelnen. Das Ziel sei nichts weniger als die gleichberechtigte Teilhabe aller, ob behindert oder nicht behindert, an Bildung und allen gesellschaftlichen Bereichen für ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben. Dazu gehöre nicht nur der Abbau von Barrieren wie Treppenstufen und ähnlichem, sondern vornehmlich der Abbau von Barrieren im Kopf. Hier sieht auch Wolfgang Kuschel, der Leiter der IGS Langenhagen eine gewisse Problematik bei der alltäglichen Umsetzung der Inklusion in den Schulen: „Wir werden uns mit den Widerständen in den Köpfen auseinander setzen müssen. In zwei Referaten berichteten Annette Otto aus Osterholz-Scharmbeck, die dort an der VHS das Projekt „Lines“ betreut sowie Andrea Engelhardt, die Leiterin der Pestalozzi Schule in Langenhagen von ihren Erfahrungen und Konzepten. Darin geht es um den Aufbau eines Netzwerks, bestehend aus Kitas, Schulen und weiteren Bildungseinrichtungen, um die Fortbildung der Lehrkräfte, aber auch um die praktische Umsetzung von Inklusion in den Schulen. Einige Stichworte hierzu sind jahrgangsübergreifender Unterricht, eine Zusammenarbeit von Grund- und Förderschulen, eine Anpassung der Schulen an die Schüler und nicht umgekehrt und ganz allgemein die Erkenntnis, dass Schüler ihr eigenes Lerntempo haben und dieses auch selbst bestimmen sollten. In diesem Zusammenhang plädierte Annette Otto dafür, die Förderschulen nicht abzuschaffen, sondern sie in das Bildungssystem mit einzubeziehen und deren Kompetenzen zu erhalten. Martin Beck von der Behinderten-Sportgemeinschaft berichtete aus seinem Erfahrungsbereich, dass eine gute Ausbildung für Behinderte zwar möglich und wichtig sei: „Aber viele fallen anschließend in ein Loch, weil sie aufgrund ihrer Behinderung keine Beschäftigung finden.“ „Natürlich gibt es mit Blick auf die Arbeits- und Berufswelt Ängste und Vorbehalte“, sagte Claus Holtmann, erfolgreicher Unternehmer in Langenhagen im Bereich Messebau, Vorsitzender des Wirtschaftsclubs und Gründer der Wir helfen! Stiftung, der auch behinderte Mitarbeiter in seinem Betrieb beschäftigt, „aber wir fragen uns, was ist möglich und wie können wir die unterschiedlichen Fähigkeiten der Mitarbeiter bestmöglich berücksichtigen?“ Die Schaffung von entsprechenden Rahmenbedingungen, die Entwicklung von Handlungsstrategien und nicht zuletzt auch die Fragen nach der Finanzierbarkeit seien die künftigen Aufgaben von Politik und Gesellschaft auf dem Weg zur Realisierung der gesteckten Ziele. Eine Besucherin, die selbst behindert ist, rief dazu auf, die Bedürfnisse von Behinderten künftig noch stärker zu berücksichtigen und mit ihnen einen Dialog zu führen, anstatt nur über sie zu reden.