Wie geht man mit grauen Gedanken um?

Mit den grauen Tagen im Herbst kommen oft auch die grauen Gedanken.
Ich habe einmal eine Geschichte irgendwo gelesen, die dazu etwas zu sagen hat.
Sie handelt von einem Esel. Aber man merkt sofort, dass ein Mensch mit grauen Gedanken gemeint ist.
Ein Esel fiel in einen trockenen Brunnen. Der Besitzer war sehr traurig darüber. Denn er sah keine Möglichkeit, wie er seinen Esel aus mehr als 10 Metern Tiefe hinaufbefördern könnte.
Er hatte großes Mitleid mit dem Tier und wollte ihm ein langes Leiden ersparen. Deshalb fing gemeinsam mit einem Freund an, den Brunnen mit Erde zu füllen, um den Esel zu begraben.
Als der Esel spürte, wie ihn Erde auf den Rücken fiel, war er entsetzt. Er fing an zu jammern. „Wieso passieren immer mir so schlimme Sachen? Ich falle in diesen Brunnen – aber mein Besitzer hilft mir einfach nicht. Er will mich stattdessen vergessen und lebendig begraben. Immer hat mir das Leben nur Schlimmes gebracht. Auf meinen Eselsvater konnte man sich nicht verlassen. Meine Eselsmutter war abhängig von Antidepressiva. Und mein Bruder war ein schlimmer Säufer. Warum muss mir inner das Schlimmste passieren? Warum ich?“
Und während er so jammerte und sich bemitleidete, schüttelte er sich. Und stampfte ärgerlich mit den Füßen. Da merkte er, dass es ihm richtig gut tat, diese Lasten des Lebens abzuschütteln und darauf herumzutrampeln. Und er machte weiter. Er schüttelte alles ab und trampelte darauf herum. Er schüttelte und trampelte.
Ein paar Stunden später konnte er ohne große Mühe über den Brunnenrand steigen.
Er war übrigens ein ganz anderer Esel geworden. Er hatte gemerkt, dass er mehr Kraft hatte als erwartet. Und dass er mit den schlimmen Erfahrungen im Leben auch anders umgehen konnte. In der Bibel wird das alles noch viel kürzer und schöner gesagt. Und die innere, unerwartete Kraft, die gegen das Graue hilft, wird beim Namen genant: Der Glaube.
Glaubende können sagen:
„Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht.
Uns ist bange, aber wir verzagen nicht.“ ( 2. Korinther 4,8)

Marieta Blumenau, Pastorin