Wir alle sind gefordert

„Das ist Ihr Problem, nicht unseres. Dafür haben wir Sie gewählt“, sagte ein Anwohner bei der Diskussion über Container für die Flüchtlinge an der Pfeifengrasstraße zu Bürgermeister Mirko Heuer. Der Mann irrt gewaltig. Das Problem geht uns nämlich alle an; der Verwaltungschef allein, dem Zuweisungen von oben aufgedrückt werden, kann fast nur reagieren, wenig agieren. Wir alle sind als Gesellschaft gefordert, denn wehren, wie einige es sich wahrscheinlich wünschten, können und dürfen wir uns nicht. Vielmehr müssen wir dafür Sorge tragen, dass es ein vernünftiges Miteinander und kein Gegeneinander mit Ausgrenzung gibt. Wie sagte es der Grüne Dirk Musfeldt: „Es ist die Aufgabe von uns allen, jeder tut das, was in seinen Möglichkeiten steht.“ Nachbarschaft müsse gelebt werden, um die angestrebte Willkommenskultur hinzubekommen. Jede Menge Ehrenamtliche sind gefragt, Deutschunterricht muss gegeben werden. Auch materiell muss geholfen werden, die neuen Mitbürgerinnen und Mitbürger kommen mit wenig bis gar nichts. Sicherlich besteht die Gefahr von Sozialneid, doch sind nicht schon die einfachsten Verhältnisse hier ein Quantensprung zu den Lebensumständen in ihrer Heimat. Die Spitze ist noch lange nicht erreicht, wir können die Flüchtlingsproblematik nach dem Sankt-Florian-Prinzip nicht einfach wegdiskutieren und -delegieren. Skepsis wird es – egal, wo in der Stadt – an jedem Standort geben, gemeinsam müssen wir versuchen, Lösungen zu finden.