„Wir sind Seelentröster“

Enno Hagenah würdigt drei starke Frauen: Gazel Gin (von links), Margot Löffl und Alvina Egorov.Foto: D. Thiele

Politiker würdigen ehrenamtlichen Mieterbeirat im Wohngebiet Sollingweg

Langenhagen (dt). Dass sozialer Wohnungsbau nicht automatisch ein problematisches Umfeld bedeuten muss, beweisen drei Frauen. Alvina Egorov, Gazel Gin und Margot Löffl stellen den Mieterbeirat im Wohngebiet Sollingweg und das, was sie dort ehrenamtlich leisten, ist bemerkenswert. „1994 war hier vieles im Argen und wir haben erkannt, dass es wichtig ist, dass wir uns zusammen tun“, berichtete Margot Löffl. Seitdem wird alle zwei Jahre der Mieterbeirat gewählt, und während Gin erst seit etwa einem Jahr mit von der Partie ist, sind Egorov und Löffl schon „fast immer dabei“. 168 Mietparteien aus 25 Nationen wohnen in ihrem Gebiet. Jeder, der neu dazu kommt, wird vom Beirat persönlich begrüßt und bekommt einen Flyer in die Hand gedrückt, der in verschiedenen Sprachen über die Arbeit des Mieterbeirates informiert. „Wir wollen für eine gute Nachbarschaft und ein gutes Wohngebiet sorgen“, so Egorov. Die Frauen haben ein offenes Ohr bei Problemen, sie kümmern sich um kranke Mieter, organisieren eine Hausaufgabenhilfe für Jugendliche, laden regelmäßig zum gemeinsamen Kaffeetrinken ein – sie sind einfach immer da. „Alle Mieter kennen uns, und das ist wichtig!“ Sie können und wollen keine Rechtsberatung leisten, verweisen bei größeren Schwierigkeiten an Sozialarbeiterin Jutta Diegelmann, schwärmen vom tollen Hausmeister, aber sie sprechen die Sprache der Mieter, motivieren, helfen, trösten und ermutigen diese.
Diese Arbeit hat jetzt der Landtags-Abgeordnete Enno Hagenah (Bündnis 90/Die Grünen) zusammen mit Ulrike Jagau (Ratsfraktion der Grünen) und Rolf Linnhoff (Ortsverbandsvorsitzender der Grünen Langenhagen) bei einem Besuch beim Mieterbeirat Sollingweg gewürdigt. Dabei wurde dem Beirat eine Spende der „Grünen Hilfe" in Höhe von 200 Euro für den Kauf eines Fax-/Kopiergerät übergeben. Die Landtagsgrünen setzen mit der „Grünen Hilfe“ Gelder aus abgelehnten Diätenerhöhungen für die Unterstützung von Projekten und Initiativen ein. „Hier passiert tatsächlich auch aktive Arbeit“, lobte Hagenah das ehrenamtliche Engagement.
Probleme gibt es trotzdem, denn die Wohnungen sind mit den Mietobergrenzen eigentlich nicht mehr kompatibel, da die Nebenkosten zu hoch sind. „Das ist paradox und bewirkt eine Verschuldung vieler Mieter“, befürchtete Hagenah. Seiner Meinung nach sollten die Mieter in ihrem Energieverhalten beraten werden, um Kosten einzusparen. Aber auch Einsparungen in der Treppenhausreinigung seien eine Lösung. Deutlicher wurde er als Gazel Gin fehlende Fahrstühle in den meisten Objekten beklagte. „Wenigstens müssen sie keine Kohlen schleppen“, so der Politiker wohlwissend, wie stark die Nebenkosten bei einem Fahrstuhl steigen würden.
„Wir sind Seelentröster, und was wir können, das können wir.“ Und wenn man diesen Satz von diesen engagierten Frauen hört, dann weiß man: Hier ist sozialer Wohnungsbau nicht mit einem problematischen Umfeld gleichzusetzen, sondern steht für ein starkes Miteinander.