"Wir stehen uns an dieser Stelle im Wege"

Auf dem Weg zur Diskussion mit den Schülern: Timo Heiken (von links), Olaf Scholz und Stephan Weil. (Foto: O. Krebs)

Vize-Kanzler Olaf Scholz und Ministerpräsident Stephan Weil diskutieren an IGS

Langenhagen (ok). Bürgermeister Mirko Heuer scheint schon bleibenden Eindruck im Schulzentrum hinterlassen zu haben. Zumindest bei einem Jugendlichen "Ist das der Heuer?", schallte es über den Schulhof, als zwei Männer von Bodyguards umringt und einer Jornalistenmeute begleitet über den Schulhof schritten. Aber, ohne dem Bürgermeister unserer schönen Stadt zu nahe treten zu wollen: Der Besuch an der Gesamtschule war deutlich hochrangiger: Bundesfinanzminister und Vize-Kanzler Olaf Scholz war zusammen mit dem Niedersächsischen Ministerpräsidenten gekommen, um mit Schülern des neunten und zwölften Jahrgangs zu diskutieren. Und die Jugendlichen zeigten sich sehr gut vorbereitet beim Treffen mit den beiden SPD-Politikern. So fragten sie die beiden Sozialdemokraten nach ihrer Einstellung zur Bewegung "Fridays for Future", die beide unterstützen. Bei einer Frage nach dem Wirecard-Skandal, die es am Abend sogar bis in die Tagesthemen schaffte, antwortete Scholz ausweichend. Es sei mit der Analyse alles aufgeklärt und aus den Fehlern gelernt worden. In Zukunft müssten mehr Wirtschaftsprüfer eingesetzt werden. Landesvater Stephan Weil machte deutlich, dass in Sachen erneuerbare Energien viel größere und schnellere Schritte zurückgelegt werden müssten gerade, was Wind und Solar angehe. Spätestestens 2038 werde die Kohle nicht mehr subventioniert. Und weil es einen Preis für den Kohlendioxid-Ausstoß gebe, sei erneuerbarer Strom jetzt wettbewerbsfähig. Was die Digitalisierung angeht, so verwiesen Scholz und Weil auf den Digitalpakt zwischen dem Bund und den Ländern, aus dem Niedersachsen rund eine halbe Milliarde Euro zur Verfügung stehen. Allerdings sei gerade mal erst ein Fünftel abgerufen worden, kritisierte Weil. Defizite in Sachen Digitalisierung seien gerade in der Corona-Krise deutlich geworden. IGS-Schulleiter Timo Heiken merkte kritisch an, dass nicht der ausgefallene Fachunterricht das Entscheidende sei, sondern ganz andere Dinge verloren gegangen seien. Heiken: "Mehr Sozialtraining ist aus meiner Sicht wichtiger als Nachhilfe für fachwissenschaftliche Inhalte." Olaf Scholz erläuterte das so genannte Aufholpaket des Bundes in Höhe vo zwei Milliarden Euro. Die Hälfte der Summe soll dafür investiert werden, um Schulstoff nachzuholen, die andere aber um soziale Kompetenzen zu erhöhen. Stephan Weil erläuterte den niedersädhsischen Weg mit Angeboten in den Ferien in Zusammenarbeit mit Sport- und Kulturvereinen, die der Erholung dienen sollen. Nach den großen Ferien setze dann gezielt die Förderung ein. Wenn das Virus mit der Delta-Variante einen stabilen Betrieb ermöglich. Und bei diesem Punkt wurde ein sichtlich gut aufgelegter Ministerpräsident richtig kämpferisch. Der einzige Schutz gegen das Corona-Virus sei das Impfen, und er könne nicht verstehen, warum es da keine Empfehlung für Jugendliche gebe. Aber er sei schließlich auch kein Experte. Weil: "Wir stehen uns an dieser Stelle gegen eine junge Generation im Wege." Die Spaltung zwischen den Schichten sei in der Pandemie größer geworden. Das geht auch Olaf Scholz "an Herz", wenn er die unterschiedlichen Chancen junger Menschen sieht. Eine Verantwortung, die die ganze Gesellschaft angehe.