„Wir stopfen keine Löcher“

Stadtverwaltung investierte seit 2002 mehr als 200 Millionen Euro in die Kitas

Langenhagen (ok). Ist die Stadt Langenhagen überhaupt familienfreundlich und arbeitet zukunftsorientiert und zukunftsfähig, was die Zahl ihrer Betreuungsplätze angeht? Maren Rietschel (Grüne) fand in der aktuellen Stunde der jüngsten Ratssitzung deutliche Worte, forderte die Verwaltung auf, selbst aktiv zu werden und Plätze zu schaffen anstatt immer nur auf den aktuellen Bedarf zu reagieren. „Es ist nicht zumutbar, dass ein Elternteil zu Hause bleibt oder die Oma einspringt, um Krisensituationen zu bewältigen“, sagt Maren Rietschel. Sie sei es leid, in Gesprächen immer den Sündenbock zu spielen. Frank Stuckmann (SPD) plädiert auch dafür jetzt zukünftige Einrichtungen anzuschieben. Nach dem Motto: heute Kita, morgen Dorfgemeinschaftshaus und Jugendtreff. Und Firmen, die eine Betreuung anbieten, könnten steuerlich durchaus entlastet werden. Stuckmann: „Wenn der Markt den Bedarf nicht decken kann, muss man selbst aktiv werden.“ Für CDU-Fraktionschef Reinhard Grabowsky ist eine Fachschule noch lange nicht ad acta gelegt, auch wenn die Zahl der Ausbildungsplätze nach Aussage der Landesschulbehörde stark gestiegen und es im Moment eigentlich keine Kapazität mehr gebe. Aus Sicht Domenic Veltrups (BBL) müsse erst die Infrastruktur wachsen, bevor es Neubaugebiete gebe. Ein Thema, das für Weiherfeld-Ost am Donnerstag in der Sitzung des Stadtplanungs-, Bau- und Umweltausschusses auf der Tagesordnung stand.
Sozialdezernentin Monika Gotzes-Karrasch wies die Vorwürfe vehement zurück – die Stadtverwaltung arbeite präventiv und habe die Zahlen im Blick. Jede Maßnahme sei ein kleines Projekt für sich. Monika Gotezs-Karrasch: „Alle auf einmal sind personell nicht zu schaffen, und Trägervielfalt ist ja auch gewünscht.“Bei der Planung werde die Bevölkerungsprognose zu Rate gezogen, und die weise im Moment sehr nach oben. Die Kita-Bedarfsplanung werde alle fünf Jahre neu aufgelegt. So weise das schlechte Szenario einen Fehlbedarf von 166 Kitaplätzen und 94 Krippenplätzen im Jahre 2023/24 auf. Die Range sei aber groß, die Prognosen soweit gesichert wie es gehe. „Wir stopfen keine Löcher“, machen Monika Gotzes-Karrasch und Fachbereichsleiterin Heidi v. d. Ah deutlich. Seit 2002 hat Langenhagen ein eigenes Jugendamt, die Zahl der Kita-Plätze wird sich nach Aussage von Kai Bublitz bis 2020/21 etwa verdoppeln. Waren es 2002 ungefähr 1.600 Plätze, so sind es heute rund 2.900. Was die Krippenplätze angeht: 2002 waren es nur 76, mittlerweile sind es 500. Und Mirko Heuer sagt: „Wir leisten uns ein Nebeneinander.“ Gemeint sind die städtischen Einrichtungen und die Angebote freier Träger.
Und die Stadt nimmt offensichtlich auch eine Menge Geld in die Hand: Die Betriebskosten – also alle Ausgaben einer Kita abzüglich der Einnahmen – für städtische und nichtstädtische Kitas lagen von 2002 bis 2018 bei etwa 180 Millionen Euro. Zurzeit gibt es etwa 43 Kindertageseinrichtungen in der Stadt; die Anzahl ist steigend. Die Investitionskosten für Neu-, Sanierungs- und Umbaumaßnahmen betrugen im gleichen Zeitraum etwa 22 Millionen Euro.
Bürgermeister Mirko Heuer: "Bereits im Jahr 2002 lagen wir bei ungefähren Betriebskosten von sieben Million Euro für die städtischen und nichtstädtischen Kitas zusammen. Inzwischen (2018) werden wir dafür rund 17,2 Millionen Euro aufwenden."