„Wir unterrichten in jedem Mauseloch“

Rektor Joachim Kirschning (von links) im Politikergespräch mit Marco Rösler, Anja Sander und Marco Brunotte.Foto: D. Thiele

SPD-Politiker besuchen Robert-Koch-Realschule / Oberschule nicht vorstellbar

Langenhagen (dt). Die Robert-Koch-Realschule platzt förmlich aus allen Nähten. Vierzügige Jahrgänge und Klassen mit bis zu 32 Schülerinnen und Schülern zeigen die Beliebtheit der Realschule in Langenhagen. „Wir unterrichten praktisch in jedem Mauseloch“, berichtete Rektor Joachim Kirschning einer SPD-Delegation um Marco Brunotte am Montag in seiner Schule. Und auch Lehrerin Silke Dorn gab zu, von kleineren Klassen zu träumen. Aber so würden auch Pläne, die Robert-Koch-Realschule zur Ganztagsschule umwandeln zu können, scheitern. Für eine Mensa sei einfach kein Platz da. Die Option, diese eventuell auf das Dach der Aula bauen zu lassen, hätte Kirschning mittlerweile wieder verworfen. Trotzdem möchte er seinen Schülern Bildungsangebote für den Nachmittag zur Verfügung stellen. „Wir sind auf dem Weg, eine Bildungspartnerschaft mit der Volkshochschule zu schließen“, so Kirschning. Hausaufgabenhilfe, Vorbereitungen auf Abschlussprüfungen aber auch Aktionen wie Kochen oder Entspannungskurse sollten dann auf dem Programm stehen. Informationen darüber möchte er per Newsletter an die Eltern weitergeben.
Eine Umwandlung der Robert-Koch-Realschule zur Oberschule könne sich Kirschning ebenso wie eine Vereinigung mit der Brinker Schule nicht vorstellen. „Nur über meine Leiche! Wir ertrinken jetzt schon in Bürokratie.“ Das Konzept der Oberschule würde seiner Meinung nach nicht glücklich verlaufen, ebenso kritisierte er, dass die Gymnasien in Deutschland nicht angefasst werden würden. „Das Gymnasium ist eine heilige Kuh“, so Dorn.
Akuter für die Robert-Koch-Realschule sei dagegen das Thema „Inklusion“, dem man sich „anschleiche“. Zurzeit werden in Deutschland 83 Prozent der Schüler und Schülerinnen mit sonderpädagogischem Förderbedarf in speziellen Förderschulen unterrichtet. Inklusion bedeutet für das deutsche Bildungssystem, dass es einen Großteil der bisherigen Förderschulen in Zukunft nicht mehr geben soll. Stattdessen ist geplant, entsprechende Schüler an Regelschulen zu integrieren. „Die Politiker reden Inklusion immer schön“, sagte Kirschning. Er hätte da seine Zweifel. „Das hört sich so an, als hätte das Lehrpersonal jahrelang nur in der Nase gebohrt und könne jetzt – mit ein paar Fortbildungen – jedem Schüler gerecht werden.“ In Maßen sei dieses sicherlich auch realisierbar, aber nicht mit der geplanten Spannbreite. „Inklusion ist keine Spardose“, gab Brunotte ihm recht. Nicht nur, dass Fortbildungen für Lehrer Unterrichtsausfall zu dieser Zeit bedeuten würden. Auch bauliche Veränderungen würden anstehen. So müsste es einen Aufzug geben, damit das Schulgebäude barrierefrei werden würde.
Erst einmal sei jedoch die Sanierung der Sporthalle für knappe fünf Millionen Euro geplant. Brunotte lagen dagegen insbesondere energetische Baumaßnahmen sehr am Herzen. „Der Haushalt sieht mehr als gesund und gut aus, da ist eine Menge möglich.“ Trotzdem fühle er sich als Politiker manchmal ohnmächtig und alle waren sich einig, dass gehandelt werden müsse.