Wird Sterbehilfe akzeptiert?

Das große Thema Sterbehilfe diskutierten Andreas Kunze-Harper (von links), Caren Marks, Marco Brunotte und Thela Wernstedt. (Foto: D. Lange)

Podiumsdiskussion des SPD-Ortsvereins

Langenhagen (dl). Bei der Podiumsdiskussion des SPD-Ortsvereins zum Thema Suizid-Beihilfe wurde recht schnell deutlich, dass dieses Thema, sofern es allein durch die parteipolitische Brille gesehen wird, nicht annähernd diskutiert werden kann. Auch als Wahlkampfthema taugt die derzeit geführte Debatte wohl kaum. Im VHS-Treffpunkt stellten sich die SPD-Politiker Caren Marks und Marco Brunotte, sowie Thela Wernstedt (Expertin für Palliativmedizin an der MHH) und Andreas Kunze-Harper (Leiter des Pastoralklinikums der Hannoverschen Landeskirche) mit etwa 30 interessierten Zuhörern der Thematik, bei der noch sehr viele Fragen offen sind und die sicher auch künftig kontrovers diskutiert werden wird. In der aktuellen Debatte, die derzeit im Deutschen Bundestag geführt wird, geht es quer über alle Parteigrenzen hinweg nicht um die Legalisierung der gewerblichen aktiven Sterbehilfe - die weiterhin abgelehnt wird - oder um den Abbruch lebenserhaltender Maßnahmen. Bei der Sterbehilfe, beziehungsweise der Sterbebegleitung, geht es um den Wunsch des Patienten und darum, was dürfen Menschen und wie kann der Staat seine Verpflichtung zum Schutz des Lebens und zum Schutz der Menschenwürde auch und gerade gegenüber dem sterbenden Menschen wahrnehmen. Hier muss sorgfältig abgewogen werden unter Berücksichtigung aller relevanten Faktoren, die sich zwischen individueller Selbstbestimmung der Patienten und ärztlicher Verantwortung bewegen. Es zeigt sich, dass die Mehrheit der Bevölkerung selbstbestimmt entscheiden will, ob sie im Falle einer unheilbaren und irreversiblen Krankheit, die zum Tode führt, ärztliche Hilfe zur Lebensbeendigung in Anspruch nehmen will. Strafrechtlich gesehen genießt bei uns jeder Mensch die sogenannte Dispositionsfreiheit im Hinblick auf das eigene Leben. Unter bestimmten Voraussetzungen gehört dazu auch die ärztliche Beihilfe zum Suizid. Die meisten Ärztekammern in Deutschland allerdings untersagen ihren Mitgliedern jegliche Form der Hilfestellung zur Lebensbeendigung des Patienten. Das bedeutet für die Ärzte eine erhebliche Rechtsunsicherheit und erhöht den Leidensdruck bei den Patienten. Auf jeden Fall dürfe aber im Bemühen um eine überzeugende, allgemeinverbindliche gesetzliche Regelung einer ärztlich begleiteten Lebensbeendigung der Mensch und sein Wunsch nach einem Sterben in Ruhe und Würde nicht aus den Augen verloren werden, so die Position des Hospizvereins. In den Fällen, in denen die kurative Behandlung von Schwerstkranken ausgeschöpft ist, könne die Schmerzbelastung des Patienten in der letzten Lebensphase durch palliativ-medizinische Maßnahmen sowie durch die Betreuung in Hospizeinrichtungen reduziert oder ganz verhindert werden. Angesichts der demografischen Entwicklung besteht in diesem Fall die Aufgabe darin, eine ausreichende stationäre wie ambulante Palliativversorgung flächendeckend sicherzustellen. Mittlerweile haben sich vier Gesetzentwürfe herauskristallisiert, die derzeit in den beteiligten Fachausschüssen erörtert werden. Um Begriffe wie Sterbehilfe oder Sterbebegleitung geht es darin nur am Rande, sondern zur Debatte stehen sozusagen vier verschiedene Varianten eines Themas: die Hilfe zur Selbsttötung. Darüber hinaus ist die Frage in unserer Gesellschaft nach einer Akzeptanz derartiger Handlungsweisen, je nach dem, welche religiösen, weltanschaulichen oder moralischen Maßstäbe dabei zu Grunde gelegt werden, nach wie vor offen. Ein weiterer wichtiger Punkt in der Thematik ist die per Gesetz geregelte Patientenverfügung, die dem Patienten Autonomie und Selbstbestimmung zusichert und für die behandelnden Ärzte bindend ist. Über die in Frage kommenden Gesetzentwürfe will der Bundestag voraussichtlich im Herbst dieses Jahres abschließend beraten. Auf der Seite www.ev-medizinethik.de finden sich die vollständigen Gesetzentwürfe sowie das Protokoll der einleitenden Plenarsitzung des Bundestages zu diesem Thema vom November 2014.