„Woher kommst du?“

Hamidou Bouba nimmt an der virtuellen Podiumsdiskussion am 25. März teil.
 
Elisaveta ist ein Gesicht der Plakatkampagne.

Internationale Wochen gegen Rassismus: 175 Plakate in der Stadt

Langenhagen. Darüber möchten die Inttegrationsbeauftragte und der Integrationsbeirat der Stadt Langenhagen in einer Online-Diskussion sprechen. Ziel ist die Reflexion und ein offenes Gespräch über die Frage „Woher kommst du?“ Zusätzlich werden Plakate in der Stadt anlässlich der Internationalen Wochen gegen Rassismus, vom 15. bis 28. März aufgehängt. Und zwar außer auf Deutsch auf Russisch, Griechisch, Philippinisch, Polnisch, Somali, Französisch, Arabisch und Türkisch.
Ist die Frage an sich rassistisch? Nein, ist sie nicht. Rassistisch kann eventuell die Reaktion auf die Antwort sein.
Bedeutet sie automatisch Ausgrenzung? Auch das nicht.
Die Frage kann ein Zeichen von Interesse an einem Menschen oder Neugier sein. Sie kann aber auch ein Ausdruck vom Schubladendenken sein, wenn man einen Menschen aufgrund seiner Erscheinung oder Aussprache sofort in die Kategorie „fremd und gehört nicht wirklich hierher“ einordnet, ohne den Menschen wirklich zu kennen.
Entscheidend ist, wie und wann diese Frage gestellt wird, die durchaus subtil rüberkommen kann..
„Es ist verletzend, wenn man das dauernd gefragt wird“ sagt Hamidou Bouba, der seit Jahren gegen Vorurteile gegenüber von People of Color kämpft. „Ich lebe seit vielen Jahren in Langenhagen, mein Lebensmittelpunkt ist hier und ich wünschte mir, diese Frage nicht ständig hören zu müssen.“
„Man will wissen wo ich geboren bin, wo ich aufgewachsen bin, warum ich nach Deutschland gekommen bin und woher meine Eltern stammen. Muss ich einem wildfremden Menschen so viel über mein privates Leben verraten? Natürlich muss ich es nicht. Aber wenn ich diese Fragen nicht lächelnd beantworte, ist die Stimmung kaputt. Wenn ich wiederum direkt antworte, dass ich diese Fragen nicht in Ordnung finde, bekomme ich zu hören „Darf man heutzutage nicht mal fragen, woher jemand kommt?“. Wenn jemand wirklich Interesse an meiner Person hat, warum fragt er mich nicht, welche Musik ich gerne höre oder was meine Hobbys sind?“ erläutert Frédérique Anthierens-Isaak, stellvertretende Vorsitzende des Integrationsbeirats Langenhagen.
Wie ist Ihre Meinung dazu? Der Integrationsbeirat der Stadt Langenhagen lädt Sie zu einer  Online-Diskussion zu diesem Thema am Donnerstag, 25. März, um 18 Uhr ein.
Anmeldung bitte per E-Mail bis zum 23. März an ibr-langenhagen@gmx.de. Die Anzahl der Plätze ist begrenzt. Als Experte wird Lam Chau vom Niedersäschsischen Integrationsbeirat an der Diskussion teilnehmen. Außerdem werden Hamidou Bouba, stellvertretender Vorsitzender des Integratiosnbeirates, Diar Sarkan, Mitglied des Integrationsbeirates und Yasmin Hussain Ali, die ebenfalls Mitglied des Integrationsbeirates ist und an der Plakatkampagne teilnimmt, auf dem virtuellen Podium vertreten sein.
„Die Debatte über diese Frage ist sehr wichtig, weil es viele Menschen gibt, denen diese Frage häufig aufgrund ihrer optischen Erscheinung oder Aussprache gestellt wird. Bei vielen von ihnen verstärkt diese Frage das Gefühl, dass man nicht wirklich hierher gehört“ sagt Integrationsbeauftragte Scharlé. „Deswegen freuen wir uns sehr, dass sich acht Personen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen bereit erklärten haben, unsere Plakataktion zu diesem Thema zu unterstützen. Insgesamt werden ab dem 15. März 175 Plakate in acht verschiedenen Sprachen im ganzen Stadtgebiet zu sehen sein. Diese zeigen Menschen, die Langenhagen lieben und mitgestalten. Und mit dieser Frage oft konfrontiert werden.“
Während der Internationalen Wochen gegen Rassismus, die jedes Jahr um den 21. März stattfinden, werden weltweit Aktionen durchgeführt, die für das Problem der Diskriminierung aufgrund unterschiedlicher Hautfarbe, Herkunft oder Religion sensibilisieren.
Am 21. März 1960 demonstrierten rund 20.000 Menschen im südafrikanischen Sharpeville nahe Johannesburg friedlich gegen die diskriminierenden Passgesetze des damaligen Apartheid-Regimes. Die Polizei erschoss damals 69 Demonstrierende, mindestens 180 wurden verletzt. Dieses Blutbad ging als Massaker von Sharpeville in die Geschichte ein.
Die Stadt Langenhagen beteiligt sich bereits zum sechsten Mal an den weltweiten Aktionen.