Worte im Kopf

In diesen Tagen wurde in Hannover die Ausstellung „Bilder im Kopf“ eröffnet.
Ich habe sie schon vor längerem anderswo gesehen. Eine faszinierende Ausstellung! Und ich erinnere mich am deutlichsten an den Einstieg:
Da waren mehrere Photos zu sehen – aber sie waren völlig verschwommen.
Und obwohl nichts genau zu erkennen war, wusste man sofort, welche Bilder es waren: Der Soldat, der beim Bau der Mauer in Berlin über den Stacheldraht springt.
Das Kind aus dem Warschauer Ghetto. Willy Brandt in Warschau, auf den Knien.
Marilyn Monroe im weißen Kleid über dem Luftschacht. Ein Flugzeug fliegt ins World Trade Center. Alles Bilder, die offensichtlich so fest in eigenen Kopf gespeichert sind, dass man sie sogar unter ganz ungünstigen Bedingungen wiedererkennt. Es gibt also Bilder, die haben sie uns allen fest eingebrannt. Und wir verbinden damit wichtige Informationen aus der Zeit in der wir leben:
Die Teilung Deutschlands. Die Verbrechen während des zweiten Weltkriegs. Die Ostpolitik. Ein berühmter Filmstar. Der Terror gegen den Westen.
Nach der Ausstellung habe ich mich gefragt: Gibt es auch Sätze, die ebenso fest im Kopf gespeichert sind? Gedanken, die auch so fest eingebrannt sind, dass man sie ohne Nachdenken sofort erkennt? Und ich glaube: ja!
Sie können sich ja mal testen. Wissen Sie, wie diese Sätze weiter gehen?
Es begab sich aber zu …. Vater unser im ….. Es segne und…. Unser tägliches Brot gib …. Der Herr ist mein….
Natürlich habe ich Sätze aus dem kirchlichen Gebrauch herausgesucht. Und wer diese Sätze sofort weiter sagen kann, bei dem steckt im Kopf ganz fest das Wichtigste aus dem christlichen Glauben: Gott ist uns Menschen nahe – Gott ist für uns wie ein guter Vater! Ich finde das sehr beruhigend. Denn wenn diese Gedanken fest bei mir eingebrannt sind, dann wird mir der Glaube auch Halt geben können, wenn das nötig sein sollte.

Marieta Blumenau, Pastorin