Wunderfragen

Wow! Gleich zwei Fußballwunder in einer Woche! Alle Achtung! Da konnte selbst Jesus in seinem Wirken kaum mithalten. Aber ihm ging es auch nicht um Tore und Titel, sondern um etwas ganz Anderes – und vielleicht lohnt es sich, diese „kleinen“ Wunder von heute darauf hin etwas näher zu betrachten.
Schauen wir etwa auf Jürgen Klopp und seine Liverpooler Mannschaft, verstehen wir gleich besser, was dieses Team „wunderfähig“ macht. Erstmal viel Arbeit, die etwas entstehen und sich entwickeln lässt – sicher, aber was ist das Eigentliche? Es ist der Glaube, etwas zu schaffen, an das sonst niemand mehr glaubt. Es ist das Zutrauen in die eigenen Kräfte und Fähigkeiten. Aber es ist vor allem Vertrauen untereinander, in die Führung wie in die Mannschaft, also Vertrauen unter Menschen. „Warum eigentlich nicht?“, wird die Frage sein, die die Hoffnung auf das Unmögliche weckt und bestärkt. Und dann der Geist des Zusammenhalts, der alle miteinander verbindet und das gemeinsame Werk, das wie ein Wunder wirkt, ermöglicht. Das setzt vieles in Menschen frei, sogar in solchen, die sonst nur sogenannte „Ersatzspieler“ sind. „Glaube versetzt Berge“ ist wohl der Satz, der da hingehört.
Und wir Zuschauer in unserem ganz normalen Alltag? Wollen wir nicht auch gern Wunder einfach mal so im Persönlichen, im Familiären, im Beruflichen? Ja gern – aber mit den genannten Zutaten geht es vielleicht doch eher. Eine Lebenskrise, eine Krankheit, „unlösbare“ Probleme, Überforderungen, Unzufriedenheiten, Nöte aller Art – was haben wir zu bieten? Also schauen wir hin, was möglich ist. Zuerst einmal kein Stress! Nicht am Gras ziehen, damit es wächst, sondern es düngen, pflegen und wachsen lassen – das geht genauso mit unserem (Selbst-)Vertrauen, unseren Fähigkeiten, Möglichkeiten, unserer Solidarität und unseren Hoffnungen, unserem Glauben. Wundern will der Weg bereitet werden – da kann man was tun. Und der Rest: daran glauben – „warum eigentlich nicht?“
Und wenn die privaten Wunder ausbleiben – dann haben wir zumindest etwas versucht, uns eingesetzt, uns engagiert und „Spirit“ gezeigt. Auch ein Messi verliert mal und das mit Wasser in Wein ist auch nicht immer notwendig für ein gutes Leben. Wenn es auch super wäre, oder? Aber das wäre ja nun auch wirklich ein echtes Wunder …

Hans-Günter Schoppa, Diplom-Paychologe