Zehn Jahre danach

Es gibt Tage, die gehen mir nicht aus dem Kopf. Zu diesen Tagen zählt der 11. September 2001. Wie viele andere Menschen habe ich fassungslos auf den Bildschirm gestarrt. Ich war kaum fähig zu begreifen, was da geschah. Ein Jahr zuvor hatte ich bei einer USA-Reise noch am Fuß der riesigen Hochhäuser gestanden. Und jetzt sah ich sie einstürzen. Ich dachte an das große Leid, das diese Katastrophe mit sich gebracht hat. Am Abend des 11. September haben wir die Kirche geöffnet. Wir haben Kerzen angezündet und hatten einen Raum für die gemeinsame Sprachlosigkeit. Eine Lesung, ein kurzes Gebet und Schweigen für das, was bis heute nicht zu verstehen ist. Auch zehn Jahre danach sind mir die Bilder von damals noch ganz nahe. Ich muss aber auch an das denken, was danach geschah: der Krieg gegen den Terrorismus in vielen Ländern dieser Welt. Wie viel Leid hat auch das gebracht, was im Namen der Freiheit gestartet worden ist. Wie viel Misstrauen hat es seitdem gegeben, wie viel Angst ist geschürt worden! Der Terror vom 11. September hat die Welt erschüttert. Der anschließende Kampf gegen den Terror hat ebenso Leid, Zerstörung und Elend gebracht.
Ich möchte an diesem Gedenktag an alle Opfer denken, egal ob sie Amerikaner, Afghanen, Pakistaner, Deutsche oder Inder waren. Ich möchte wachsam bleiben, wenn der Kampf gegen den Terror als Argument für neue kriegerische Handlungen herhalten muss.
Nur im Dialog mit Menschen, die anders sind als ich kann Frieden zu wachsen beginnen. Darum freue ich mich über jede Begegnung zwischen Menschen, die unterschiedlich sind., unterschiedlich in ihrem Glauben, ihrer Herkunft oder in ihren politischen Überzeugungen. Wo Menschen sich offen begegnen, da kommen sie dem Frieden näher. Darum halte ich auch diese Bilder in mir wach: Begegnungen mit Menschen, die ganz anders sind als ich. Ich merke, dass mir die Erinnerung an solche Bilder gut tut.

Karl Ludwig Schmidt, Pastor