Zeit für Rückblicke und Visionen

Wolfhart Paucksch (Klassensprecher im Abschlussjahrgang 1958) und Thomas Kelber enthüllen die Collage zu Ehren des Mittelschulrektors Friedrich Kammann. (Foto: C. Wurm)
 
Die Theatergruppe bei der Aufführung der Schulgeschichte der RKS. (Foto: C. Wurm)

RKS feierte 75-jähriges Schuljubiläum

Langenhagen (cow). Der Theatersaal der Robert-Koch-Schule (RKS) war gut gefüllt – viele ehemalige Schüler, Lehrkräfte und Honoratioren kamen zur 75-Jahr-Feier. Das Programm war so bunt, wie auch die Geschichte der RKS selbst. Für die rund 250 Gäste gab es Beiträge von Zeitzeugen, die von ihrer vergangenen Schulzeit berichteten und mit der einen oder anderen Anekdote für viel Gelächter im Saal sorgten, gepaart mit tänzerischen und musikalischen Einlagen der Schüler und Schülerinnen sowie Ausblicken in die Zukunft der RKS.
Die Jubiläumsfeier nahm auch Wolfhart Paucksch zum Anlass, ein Klassentreffen der ehemaligen Klasse 10 A des Jahrgangs 1958 zu organisieren. Paucksch war Klassensprecher in der letzten Klasse des damaligen Schulleiters Friedrich Kammann, der von seinen Schülern liebevoll Atze genannt wird. Er gestaltete zusammen mit seinen früheren Klassenkameraden eine Collage als Hommage an den Mittelschulrektor Friedrich Kammann (tätig in der Zeit von 1939 bis 1958). Diese überreichte er beim Festakt als Überraschungsgeschenk an Thomas Kelber, der die Schulleitung ab Beginn des neuen Schuljahres übernehmen wird. Die Fotoleinwand zeigt Bilder von Kammann, Klassenfotos der Jahrgänge um 1950 und eine Namensliste des Lehrkörpers bis 1950. Auch Hermann Sensing erinnert sich: „Atze ist ein Unikum, ohne ihn hätte es die Mittelschule nicht gegeben.“ Ein bisschen enttäuscht ist er daher auch, dass nicht Mittelschule auf der Einladung zur Jubiläumsfeier steht, sondern nur Robert-Koch-Realschule.
Begonnen hat für die „Schule des Langenhagener Mittelstandes“ alles im April 1939 mit einer Klasse und zwei Lehrern. 48 Schüler und Schülerinnen wurden damals in der Turnhalle der Brinker Schule als Mittelklasse aufgenommen. Joachim Kirschning, Realschulrektor von 1990 bis 2013, der die Schulhistorie aufbereitete, betonte, dass dem Durchhaltevermögen von Friedrich Kammann viel zu verdanken sei. Gerade nach den Kriegsjahren habe er dafür gesorgt, dass die Schule bestehen bleibt und anerkannt wird. Auch wenn seine Erziehungsmethoden nicht immer unproblematisch gewesen seien, habe er sich besonders für diese Institution eingesetzt. Kammann kam 1942 an die Mittelschule als zweiter Schulleiter, vor ihm war Mittelschullehrer Meyer mit der Leitung der Schule beauftragt. Jutta Wenzel, die Schülerin in der ersten Mittelschulklasse war, erinnert sich: „Er bewies neben Strenge auch Herz in den schweren Kriegszeiten.“
Der Förder- und Ehemaligenverein der RKS veranstaltete anlässlich des 75-jährigen Jubiläums eine Tombola mit Sachspenden. Der Lospreis wird zur Unterstützung der laufenden Projekte an der Schule eingesetzt. Hans Günther Hübscher, erster Vorsitzender, hat die Vision, dass Schule auch Impulsgeber über den Unterricht hinaus ist. Bei seinem Modell der modernen Förderarbeit möchte er die Schüler mehr in den Schulbetrieb einbringen, Mentoren suchen und mit Langenhagener Unternehmen in das Gespräch kommen, um Praktika und Ausbildungsplätze anzubieten. Gleichfalls möchte der Verein sich zukünftig mehr für die Ehemaligen engagieren, um auch die Geschichte weiter zu beleben.
Für beste Unterhaltung sorgte die RKS-Theatergruppe mit ihrer Dokumentation der Schulgeschichte. Von den schweren Kriegsjahren, über die ersten Austauschprogramme nach England, dem Neubau des Schulgebäudes bis hin zu pädagogischen Maßnahmen wie den Tickets bei nicht respektvollem Verhalten oder Regelverstößen, die unter Kirschning eingeführt wurden, und dem elektronischen Klassenbuch. Aufgelockert wurden die historischen Abrisse durch die Hip-Hop-AG, die ihr Können bei einstudierten Choreographien mit tollen Lichteffekten unter Beweis stellten und die Zuschauer mitrissen.
Abschließende Worte zur Zukunft der RKS fand der zukünftige Schulleiter Thomas Kelber. Für die Zukunft sei es wichtig, einen Wert zu finden, auf den sich alle verständigen können. „Es muss um genaues Hinsehen gehen“, betonte er. Das Konzept der RKS sollte sich an den Leitlinien „Fördern und Fordern, Lernen, Lachen und Leistung“ orientieren.
Bis zum Schluss hat sich der kommissarische Schulleiter Jens Szabo die Premiere des angekündigten RKS-Films aufgehoben. Die Eigenproduktion ist ganz ohne Schnitt fertiggestellt und zeigt in sieben Minuten das facettenreiche Schulleben. Das Video wird demnächst auch auf der RKS-Internetseite zu finden sein. Viele gute Gespräche und so manches Wiedersehen nach langer Zeit gab es beim anschließenden Ehemaligentreffen. Schulzeit bleibt eben eine prägende und lebenslang verbindende Zeit.
Beim Schulfest wurde weiter gefeiert. In der Schule und auf dem Außengelänge herrschte ein buntes Treiben. Jede Klasse nahm sich dabei einem Jahrzehnt an und präsentierte Typisches aus den 50er-Jahren bis heute. Die Milchbar durfte ihr Comeback feiern, die „Happy Hippies“ wurden mit Trommelklängen zelebriert und bei einer Modenschau präsentierten Neuntklässler passende Modetrends, die die Schulgeschichte begleitet haben.
Die RKS hat einen erfolgreichen Weg beschritten und die positiven Zulaufzahlen in diesem Jahr bestätigen das Schulkonzept. Jens Szabo verkündete, dass alle Fünftklässler, die sich an der RKS angemeldet haben, aufgenommen wurden. „Wir haben versucht, auch den Erst- oder Zweitwunsch, was die Profilklassen anbelangt, zu erfüllen.“ Insgesamt gab es 102 Anmeldungen, vier Parallel-Klassen entstehen, wobei es in diesem Jahr das erste Mal sogenannte Profilklassen mit einem bestimmten Schwerpunkt, zum Beispiel Sport, Musik, Forschung oder Sprache, geben wird. "Der Wunsch nach Profilklassen wurde in Elterngesprächen deutlich", sagte Szabo. Außerdem seien die Kapazitäten vorhanden und die bisherigen Erfahrungen in den bilingualen Klassen, die es schon seit vier Jahren gibt, sehr gut gewesen.