„Zu pauschalen Äußerungen Position beziehen“

Sprachen über Integration, Demokratie und Toleranz: Insa Becker-Wook (links) und Caroline von Blanckenburg interviewten Christian Wulff. (Foto: O. Krebs)

Ex-Bundespräsident Christian Wulff im Interview bei der Offenen Gesellschaft

Langenhagen (ok). „Der Islam gehört zu Deutschland“. Diese Aussage Christian Wulffs aus seiner Zeit als Bundespräsident ist vielen noch in Erinnerung geblieben. Das frühere Staatsoberhaupt war jetzt auf Einladung der Offenen Gesellschaft zum Freitagskonzert am offenen Klavier ins CCL gekommen, stellte sich den Fragen von Caroline von Blanckenburg und Insa Wook-Becker und sang auch gern bei den Liedern mit. Und der 59-Jährige ist, was den Gesang angeht, vom Fach, steht an der Spitze des Deutschen Chorverbandes. Und auch in Sachen Integration engagiert sich Christian Wulff stark, ist Vorsitzender des Stiftungsrates der Deutschlandstiftung Integration. Ein kompetenter Gesprächspartner also, der auch zu seiner Aussage von damals Stellung bezog: „Damals war die Flüchtlingswelle nicht absehbar. Interessant ist aber, dass damals laut Umfragen 60 Prozent der Menschen gesagt haben, dass ich Recht hätte. Heute stimmen den Aussagen nur 40 Prozent zu.“ Es lohne sich aber immer, sich zu engagieren und für etwas zu kämpfen. Sein Vater habe ihn gefragt, was er mal werden wolle, als er zehn Jahre alt war. Er habe den Untergang der Weimarer Republik miterlebt und ihn gebeten, sich auch zu engagieren. Und der CDU-Politiker fügte hinzu: „Er war in der SPD. Aber das war egal, es geht darum, sich in einer demokratischen Partei zu engagieren.“ Demokratie bedeute auch Meinungs- und Pressefreiheit sowie Wertschätzung in Form von Vielfalt. Christian Wulff: „Wir müssen zu pauschalen Äußerungen Position beziehen.“ Zugereiste sollen ohne Hysterie und Fremdenfeindlichkeit integriert werden. Es stimme ihn nachdenklich, dass die Debatten hektischer und hasserfüllter würden. Menschen mit einer Zuwanderungsgeschichte seien oft extrem fleißig und leistungsbewusst, würden auf dem Arbeitsmarkt gebraucht. Protest vor Ort verpuffe nicht wirkungslos. Das betonte auch Insa Becker-Wook: „Wir sind viele und stehen auf gegen Rassismus, Intoleranz und Diskriminierung.“ Wulff erklärte, er sei überzeugt davon, dass gerade auf lokaler Ebene, wo die Menschen einander begegnen, viel für Demokratie und offene Gesellschaft getan werden könne – das Engagement der Offenen Gesellschaft Langenhagen sei absolut lohnenswert, überzeugend seien der persönliche Einsatz und das Diskutieren von Themen in der Familie, unter Freunden, bei Treffen am Ort. Junge Menschen für Demokratie und Offenheit gewinnen: in den Familien für Demokratie-Erziehung sorgen, fällt heute leider in vielen Familien aus, sei aber ungeheuer wichtig, da Demokratie die beste, aber auch die verletzlichste aller Staatsformen ist. Deshalb müsse die Demokratie von jedem verteidigt werden.
Auf die Frage dreier Kinder, was man tun könne, wenn Familien sich die teuren Schulmaterialien nicht leisten könnten, gab Wulff den Hinweis auf Fördervereine und stellte sich selbst als Ansprechperson zur Verfügung
200 Frauen und Männer waren etwa zum Konzert der Offenen Gesellschaft ins Obergeschoss des CCL gekommen. Andrea Hesse von der Offenen Gesellschaft: „Die Resonanz der Zuhörer war sehr positiv, mehrere sprachen uns darauf an, dass sie das Format und Wulffs Auftreten sehr überzeugend fanden.“