Zu wenig Identität?

Rat beschließt Start für Kunst- und Kulturkonzept

Langenhagen (gg). Auf Antrag der Fraktionen SPD und Bündnis `90/Die Grünen ist in der jüngsten Ratssitzung einstimmig ein Kunst- und Kulturkonzept beschlossen worden. Die Verwaltung hat damit den Auftrag erhalten, einen Entwurf dafür zu erarbeiten und das bis zum 1. September. Was gibt es im Bereich Kunst- und Kultur bereits in Langenhagen, wo gibt es Handlungsbedarf – das soll überschaubar werden und Linie bekommen. Aber es geht noch weiter: „Kunst und Kultur sind Angebote, die Langenhagen für Menschen lebenswert machen“, so die Feststellung von Rot/Grün mit Bezug auf die Ergebnisse des letzten Stadtgesprächs im März. Dort betonte der Kulturwissenschaftler Roland Nachtigäller: „Kunst kann nur gut sein, wenn sie eine Zumutung ist“. Marco Brunotte erläuterte in der Ratssitzung zum Antrag: „Ich freue mich auf die rege Diskussion in den Ausschüssen und in der Bevölkerung.“ Als „anstrengend“ und verblüffend“ erinnert sich CDU-Ratsfrau Gesine Saft an die Kunstpräsentationen in Langenhagen in den letzten Jahren: „Viele werden sich noch gut an die plakatierten nackten Popos von Yoko Ono erinnern, das war in der Tat eine Zumutung.“ BBL-Ratsherr Werner Knabe versprach daraufhin zur nächsten Sitzung den bekannten leeren Waschmittel-Pappkarton, ebenfalls ein Kunstobjekt vergangener Jahre in Langenhagen, mitzubringen: „Den habe ich noch, viele Schülerjahrgänge mussten sich im Kunstunterricht damit beschäftigen.“
Deutlich ist für das Kunst- und Kulturkonzept die Zielsetzung beschrieben, dass allen Bürgern die Kunst nahe gebracht werden soll und damit ein Identitätsgewinn einher geht. Mit dem Begriff Kunstvermittlung wird beschrieben, dass den Interessierten erklärt wird, wie die Kunst zu verstehen ist und dass Nicht-Interessierte entsprechend motiviert werden. „Viel ist über die Kunst möglich – da wird die Provinzstadt Langenhagen in der Welt berühmt“, so der Einwurf von Werner Knabe mit trockenem Humor und ironischem Unterton, schließlich seien die „Langenhagener Popos“ von Yoko Ono in New York in Kulturkreisen erwähnt worden. „Ich bin auch ein Kunstfreund“, formuliert BBL-Ratsherr Jens Mommsen und weiter, „allerdings nur, wenn ich Freizeit habe. Rat und Verwaltung haben wichtigeres zu tun als nun auch noch ein Kunstkonzept zu erarbeiten.“
Für die Konzepterstellung und erste Maßnahmen wurden im Ergebnishaushalt 2012 vom Rat 15.000 Euro eingestellt. Die Kunstförderung soll in Zukunft nicht mehr Einsparungen im Haushalt zum Opfer fallen und möglicherweise auch als Baustein für ein zukünftiges Stadtmarketing dienen.