Zwei Vorzeigemodelle in Sachen Ehrenamt

Haben sich viele Jahre gemeinsam für Kaltenweider Interessen im Ortsrat eingesetzt: Herbert Könneke (links) und Joachim Bause.Foto: O. Krebs

Sozialdemokraten Herbert Könneke und Joachim Bause ziehen sich aus Politik zurück

Kaltenweide (ok). Sie sind beide in den 70ern, haben seit vielen Jahren das Parteibuch der SPD und sind zum Ende der vergangenen Legislaturperiode gemeinsam aus dem Kaltenweider Ortsrat ausgeschieden. Der Lebensweg Joachim Bauses (75) und Herbert Könnekes (77) ist dann aber doch ganz unterschiedlich verlaufen, auch wenn die beiden politischen Senioren durchaus als Vorzeigemodelle für Ehrenamtlichkeit stehen könnten. So unterstützt Joachim Bause, der dem Musikkorps Kaltenweide seit 59 Jahren angehört, seit vielen Jahren Kinder in der Dritten Welt, ermöglicht ihnen somit eine Ausbildung und ein halbwegs geregeltes Leben. War es zuerst die Kindernothilfe Duisburg, so ist es heute die Stiftung Viracocha in San Augustin im Südwesten Kolumbiens, der Bause tatkräftig – auch mit Patenschaften – unter die Arme greift. „120 Kinder, die in die Schule geschickt werden, bekommen mit unserer Hilfe eine komplette warme Mahlzeit.“ Und Bause, der fast 20 Jahre lang immer ein halbes Jahr lang auf den Kanaren gelebt hat, fungiert oft als „Feuerwehr“ und fliegt dann in den Norden Lateinamerikas. Der 7. Februar 1984 ist ein entscheidendes Datum im Leben des früheren Verkaufsdirektors für Vertrieb und Logistik. An dem Tag hatte Bause auf der A 7 bei Bispingen auf schneeglatter Fahrbahn einen schweren Autounfall, den er dank vieler Schutzengel relativ glimpflich überstand. „Seitdem lebe ich bewusster“, sagt der überzeugte Sozialdemokrat, der für seine pointierten Bemerkungen im Kaltenweider Ortsrat bekannt war. Dem Gremium gehörte er in den vergangenen zehn Jahren an, war aber bereits von 1962 bis 1974 Mitglied im Gemeinderat der damals selbstständigen Gemeinde Kaltenweide. Bause: „Wir hatten damals fast alles. Nicht zuletzt deshalb, weil Gemeindedirektor Karl Rotermund nur das angefasst hat, was wir bezahlen konnten.“ Schule, Kindergarten, Feuerwehr, Turnhalle, Bezirkssportanlage und Schützenhaus standen, alle Straßen waren fast fertig. Joachim Bause, denn Freunde und gute Bekannte nur „Achim“ nennen, erinnert sich schmunzelnd: „Nur die Kanalisation fehlte, da mussten wir auf die Krähenwinkeler warten.“ Und nicht zu vergessen: Der begeisterte Fußballer Bause war 26 Jahre lang Schiedsmann in Kaltenweide; ein Job, den er mit viel Verantwortung ausgeübt hat. „Und damals lag noch mehr Krawall als heute in der Luft“, so „Achim“ Bause, der als ausgebombter Flüchtling 1943 aus Hannover nach Kaltenweide gekommen ist.
Auch Herbert Könneke hat seine Wurzeln nicht in Kaltenweide, der pensionierte Schulrat kommt wie seine Frau Sigrid aus dem Weserbergland. Dort haben die beiden viele Jahre lang als Lehrer gewirkt, an einer Schule gemeinsam. Herbert Könneke machte Karriere im Schuldienst, landete schließlich als Schulrat bei der Schulaufsichtsbehördein Hannover, und deshalb zog der Vater von fünf Söhnen nach Langenhagen. Seine Frau blieb noch drei Jahre lang als Schulleiterin in Negenborn im Kreis Holzminden, bevor sie 1981 als Lehrerin an die Kaltenweider Schule kam, und Familie Könneke in ihr Eigenheim an die Wagenzeller Straße zog. Und auch nach seiner Pensionierung kam bei Könneke keine Langeweile auf – der begeisterte Sänger, der auch schon Chöre geleitet hat, hat zusammen mit seiner Frau Sigrid die Lernhilfe in Kaltenweide in sLeben gerufen. Kinder mit Migrationshintergrund, die Deutsch nicht als Muttersprache haben, sollen so schneller integriert werden. Und davon gibt es in Kaltenweide eine ganze Menge, allein im Neubaugebiet Weiherfeld wohnen mehr als 80 verschiedene Nationen. Stichwort Weiherfeld: Diese Entwicklungsmaßnahme der Stadt Langenhagen wurde nach Aussage Könnekes quasi in einer Nacht- und-Nebel-Aktion aus dem Boden gestampft. Könneke, der in dieser Zeit Kaltenweider Qrtsbürgermeister war, erinnert sich genau: „Es war am 19. Januar 1993, als uns der damalige Stadtbaurat Jan Sievers mit dem so genannten Einlkeitungsbeschluss überraschte und uns eine Bedenkzeit von nicht einmal zwei Wochen einräumte.“ Im Norden Langenhagens sollte Platz für 9.000 Neubürgerinnen und Neubürger entstehen. Eine Entscheidung, die den Ortsrat entzweite: Joachims Bruder Edgar, der der CDU angehört, trat damals wutentbrannt aus dem Ortsrat aus. Dem gehörte unter anderem der Liberale Hajo Westphal an, der inzwischen allerdings verstorben ist. Mittlerweile ist das Weiherfeld ja zur Erfolgsstory geworden, auch wenn die CDU das Konzept der SPD verändert hat. Mit viel Herzblut hat Herbert Könneke sich für eine Schule im Weiherfeld eingesetzt; seine Mitstreiter und er sind aber letztendlich mit ihrem Bürgerbegehren gescheitert. Und Könneke und Bause sind sich sicher: „Diese Frage hat den Ortsrat entzweit, seitdem ist das Klima nicht mehr so gut, wie es mal war.“ Darüber müssen sich die beiden gestandenen Sozialdemokraten nun allerdings keine Gedanken mehr machen: Für sie beginnt jetzt ein neuer fast politikfreier Abschnitt; für Könneke nach Beruf, Engagement bei den Johannitern und im Kirchenvorstand übrigens schon der vierte Ruhestand, wie er schmunzelnd einräumte.