Zwischen Pferdesport und Stadtmarketing

Das Projekt Pferdestärken hat Arbeitsplätze geschaffen: Servicekräfte für teilnehmende Fahrradfahrer bei der FahrKulTour. (Foto: Projekt Pferdestärken)

Bilanz der Pferdestärken und gebremste Erwartungen

Langenhagen (gg). Es ist nicht leicht das EU-Projekt Pferdestärken in wenigen Worten zu umschreiben, das räumt Projektleiterin Regine von der Haar ein. Keine optimale Voraussetzung, um Bürger dafür zu gewinnen, sollte man meinen. Und so ist es auch nachvollziehbar, wenn sie in einer Zwischenbilanz gegenüber dem ECHO die öffentlichen Erwartungen bremst. Aber was hat das Projekt seit dem Start im Jahr 2008 bis hierhin bewirken können? Wissen die Bürger in Langenhagen, was mit Pferdestärken gemeint ist? Von der Haar bestätigt: „Das schon. Die Veranstaltungen unter dem Dach des Projekts sind in der Bevölkerung gut angekommen und ein großer Erfolg. Das Logo taucht ja an vielen Stellen auf.“ Tatsächlich bot insbesondere das Jahr 2012 viele Pferdestärken-Aktionen, deutlich mehr als in den Jahren zuvor: Die FahrKulTour, eine Fahrradroute mit kulinarischen Angeboten am Wegesrand für jedermann, startete zwei Mal und war ebenso beliebt wie der Krähenwinkler Bauernmarkt, das Kaltenweider Spargelfest sowie das Western Village und der Hegermarkt in Engelbostel-Schulenburg. Pferdestärken war präsent als Malwettbewerb für Kinder in der Paracelsus-Klinik, auf der Wirtschaftsschau im Stadtzentrum, beim Polo-Qualifikationswettkampf für die später leider abgesagte Europameisterschaft in Maspe, beim Vielseitigkeits-Reitturnier in Twenge, bei den Renntagen auf der Bult, beim Regionsentdeckertag auf dem Opernplatz in Hannover und bei den Wildwochen, kulinarische Restaurant-Empfehlungen in Langenhagen. „Pferdestärken unterstützt das Bürgerengagement vor Ort und bindet es in Pferdestärken-Veranstaltungen ein, wie bei der FahrKulTour“, betont von der Haar. Veranstaltungen, die auch ohne Pferdestärken durchgeführt würden, bekommen eine kleine Hilfe - selten oder gar nicht direkt finanziell sondern über unterschiedliche Dienstleistungen. So wurde beispielsweise das Polo-Turnier über Werbemaßnahmen der Pferdestärken angekündigt. „Eine Zusatzleistung, die wir sehr dankbar annehmen; die Veranstaltung läuft aber auch ohne“, lautet der Hinweis von Wolfgang Kailing, Vorsitzender des Niedersächsischen Poloclubs auf ECHO-Anfrage. „Erreicht werden soll mit dieser Streuung der Unterstützung, dass die Bürgerinnen und Bürger die Lebensqualität in Langenhagen erkennen“, erklärt von der Haar. Das Projekt-Konzept ist entstanden, nachdem Fördergelder durch die EU zur Vorgabe „vital rural area“ (lebendiger ländlicher Raum) bewilligt wurden. Um diese hatte sich von der Haar im Auftrag der Stadtverwaltung beworben. Das Prinzip: die EU legt das Volumen fest - 940.000 Euro, die im viereinhalbjährigen Projektzeitraum dafür verbraucht werden müssen. Eine Hälfte zahlt die EU, die andere fließt aus Langenhagens Stadtkasse. 238.000 Euro davon wurden im Jahr 2012 ausgegeben. Nachweise und Berichte zum laufenden Projekt in Langenhagen, das für ein so genanntes „regional branding“, also ein Stadtmarketing im weiteren Sinn, sorgen soll, liefert von der Haar an die EU. „Zu hohe Erwartungen an den Erfolg darf man nicht haben, denn normalerweise braucht ein regional branding zehn Jahre“, sagt sie. Es sei ein Ausprobieren, welche Aktionen funktionieren und welche nicht. Eingestellt hat sie daher die Prospekte zur Begriffserklärung Pferdestärken: „Die lagen im Rathaus aus, kamen beim Bürger nicht recht an, waren aber verhältnismäßig teuer.“ Dass die Erfahrungen aus dem Projekt Pferdestärken nun nach Ratsanfrage in ein neues Stadtmarketing einfließen soll, begrüßt von der Haar. Es gebe viele Facetten – Kultur, Sport, Wirtschaft, Soziales, Mobilität - alles auf einmal könne ein Stadtmarketing nicht positiv betonen. „Pferdestärken hat aber die Grundlage gelegt“, zeigt sich von der Haar überzeugt und kündigt an, „auch im nächsten Jahr werden Pferdestärken-Aktionen angeboten. Ganz sicher wird es wieder die FahrKulTour, Bauern- und Hegermarkt sowie die Wildwochen und weiteres geben. Zudem prüfen wir eine EU-Option, um Pferdestärken bis 2014 zu verlängern."