Sonnenbad auf Bahnsteigkante hatte schwere Folgen

Polizei und Bahn warnen vor Gefahren

Bahnhof Scheeßel: Alarm für
Rettungskräfte der Region. Der Lokführer eines Güterzuges musste am
Mittwochnachmittag vermuten, einen Jungen überfahren zu haben.
Glücklicherweise wurde niemand verletzt. Trotzdem hatte der Vorfall
erhebliche Auswirkungen.
Der 14-jährige Junge hatte sich nach Angaben des 34-jährigen
Lokführers direkt auf die Bahnsteigkante gelegt. Die weiße
Sicherheitslinie hatte er offensichtlich missachtet und soll sich
dabei auf der Kante hin- und hergewälzt haben. Der Achtungspfiff
wurde ebenfalls missachtet, weshalb der Lokführer eine Notbremsung
einleitete. Im toten Winkel konnte er nicht erkennen, ob er den
Jungen erfasst hatte. Erst nach mehreren hundert Metern kam der Zug
zum Stehen. Allein die Lok wiegt 80 Tonnen, jeder weitere Waggon rund
40 Tonnen. Keine Chance, rechtzeitig anzuhalten.
Rettungswagen, Feuerwehr, Streifenwagen der Polizei Rotenburg und
der Bundespolizei Bremen sowie ein Notfallmanager der Bahn eilten zum
"Unfallort". Wegen des augenscheinlichen Notfalls wurde die Strecke
Bremen - Hamburg von 15.40 bis 16.25 Uhr gesperrt. Der Lokführer erlitt
einen Schock und musste abgelöst werden. 19 Züge verspäteten sich
jeweils um bis zu eine Stunde. Vier Metronom-Züge fielen ganz aus,
zwei Intercity wurden über Hannover umgeleitet. Die Bahn richtete mit
Bussen einen Schienenersatzverkehr ein. Pendler kamen im
Feierabendverkehr zu spät Nachhause.
Der "Auslöser" des Notfalls hatte sich zusammen mit einem
gleichaltrigen Freund mittlerweile entfernt. Polizisten konnten ihn
wenig später im Ort ermitteln und an seine Eltern übergeben. Nach
erster Befragung hatte er sich "zum Sonnenbad auf der Kante
ausgeruht, wäre aber angeblich nicht zu dicht am Gleis gewesen".
Die Bundespolizeiinspektion Bremen ermittelt wegen
"Betriebsstörender Handlungen" im Sinne einer Ordnungswidrigkeit nach
der Eisenbahnbau- und Betriebsordnung. Außerdem muss der Junge mit
zivilrechtlichen Forderungen von mehreren tausend Euro rechnen.
Leider kommen solche Fälle immer wieder vor.