Das Fußball-Erlebnis als soziale Komponente

Machen sich für Kinder- und Jugenfußball stark: Tan Türkyilmaz (von links), Uwe Heyne, Johannes Plecksnies und Marco Biester, VfL-Beauftragter des TSV KK. (Foto: O. Krebs)

TSV KK ist erster Partnerverein des VfL Wolfsburg in der Region

(ok). Wölfe und Krähen haben in der Tierwelt normalerweise nicht viel miteinander zu tun. Im Sport seit Kurzem schon, denn Fußball-Bundesligist VfL Wolfsburg ist mit dem Landesligisten TSV Krähenwinkel/Kaltenweide – einem Verein mit einer der stärksten Fußballsparten in der Umgebung – eine Partnerschaft eingegangen. „Es ist unsere erste mit einem Klub in der Region Hannover“, verrät Johannes Plecksnies, seit März Leiter der Fußballschule des VfL Wolfsburg. Plecksnies – er hat an der IGS in Langenhagen sein Abitur gebaut und selbst in der A-Jugend und bei den Herren für den TSV KK die Fußballstiefel geschnürt – hat den ersten Kontakt auf den Weg gebracht. Plecksnies: „Der VfL Wolfsburg hat etwa 130 Partnervereine, darüber hinaus auch viele Partnerschaften mit Schulen. Zu den Krähen habe ich eine besondere persönliche Verbundenheit, nicht zuletzt, weil ich auch der erste FSJler im Verein war.“ Doch was steckt hinter solch einer Partnerschaft? In erster Linie soll der Kinder- und Jugendfußball gefördert werden, um den Breitensport zu stärken und so auch gesellschaftlichen Problemen entgegen zu wirken. Die soziale Komponente stehe also ganz klar im Vordergrund, um die Institution Verein zu stärken. Und natürlich will Plecksnies, der auch sechs Jahre lang als Trainer und Nachwuchskoordinator bei Hannover 96 gearbeitet hat, seinen VfL positiv präsentieren. Sowohl bei den Kindern und Eltern der Nachwuchskicker, aber auch bei den diversen Trainern. Wichtig ist ihm dabei, bei so genannten Festivals – eine Art Turnier – auf die Kinderfußballreform aufmerksam zu machen. Sie beinhaltet im Wesentlichen, dass bei den Jüngsten in der G- und F-Jugend ohne festen Torwart und im drei gegen drei gespielt wird. Plecksnies ist der Ansicht, dass bis zur U 10 und U 11 ein fester Torwart nicht sinnvoll sei, eine Positionsbildung ab der D- oder C-Jugend reiche. Plecksnies: „Ein Torwart muss heutzutage ja auch gut mitspielen können.“ Ein weiterer Vorteil der Reform: Jeder sei häufiger am Ball, es gebe 80 Prozent mehr Dribblings, es fielen mehr Tore und dadurch gebe es natürlich auch mehr Selbstvertrauen. Thesen, die durch wissenschaftliche Studien der Deutschen Sporthochschule in Köln untermauert werden. Und Tan Türkyilmaz, Jugendkoordinator beim TSV KK, führt an, dass viele Spielanteile auch die Spielintelligenz fördern. Mehr Spielaktionen bedeuten Lösungen zu finden, Handlungsschnelligkeit und Eigenverantwortung. Plecksnies: „Das Erlebnis steht im Vordergrund, das Ergebnis ist zweitrangig.“ Die jungen Kicker sollen sich auf Augenhöhe begegnen, nicht unter- oder überfordert werden. Denn: In der bisherigen Spielform sieben gegen sieben seien es zwei bis vier Spieler, die 80 Prozent der Ballkontakte ausmachen, Ergebnisse mit vier oder mehr Toren Differenz seien keine Seltenheit. Ergebnisse, die weder die Sieger wegen fehlender Entwicklungsperspektiven noch die Unterlegenen wegen Frustrationserlebnissen zufrieden stellen können.
Die Trainerausbildung ist ein weiterer Baustein der Vereinspartnerschaft, der TSV KK mit seinen mittlerweile 19 Jugendmannschaften setze ja auf qualifizierte Jugendtrainer, wie die Jugendleiter Marco Biester und Uwe Heyne bestätigen. In Camps, wie es auch jetzt am Wochenende am Waldsee stattfindet, bekommen die Übungsleiter das Handwerkszeug vermittelt. „Der Wettkampf dient als Hebel. Die Trainer üben das, was sie am Wochenende spielen“, erläutert Johannes Plecksnies den Ansatz. Mit diesem „Straßenfußball des 21. Jahrhunderts“ sollen sie möglichst lange an den Fußballsport gebunden werden. Und natürlich sollen mit diesem Konzept auch Jugendspieler qualifiziert werden – drei Jungkrähen spielen aktuell im Nachwuchsleistungszentrum des VfL Wolfsburg. Eines ist auf jeden Fall klar: Die Partnerschaft soll nicht nur auf dem Papier bestehen, auch wenn der Vertrag per Handschlag besiegelt worden ist. „Wir wollen die Partnerschaft durch regelmäßige Veranstaltungen, Events und Interaktionen mit Leben erfüllen“, sagen der studierte Sportwissenschaftler und A-Lizenz-Inhaber Plecksnies und die Verantwortlichen des TSV KK unisono.