Ein Traumeinstand an der Alme

Alexander Dosch nach 5:1 zumindest bis zur Winterpause an der Seitenlinie

Als der TSV Krähenwinkel/Kaltenweide am letzten Spieltag der vorletzten Saison im Fernduell mit dem MTV Almstedt in der Landesliga den Klassenerhalt feiern durfte, da gab es vom damaligen Almstedter Trainer aberwitzige Verschwörungstheorien gegen die Krähen und den FC Lehrte, der dem TSV KK mit seinem Sieg in Almstedt Schützenhilfe geleistet hatte.
Nachdem der MTV in der Folgesaison den sofortigen Wiederaufstieg geschafft hatte, kam es nun  am letzten Sonnabend wieder zum Duell zwischen dem MTV Almstedt und dem TSV Krähenwinkel/Kaltenweide. Von damaligen Vorwürfen war jedoch nichts mehr präsent. Im Gegenteil: Der Verein aus dem idyllischen Ort bei Bad Salzdetfurth und die Mannschaft des sympathischen neuen Trainers Michael Lang zeigte sich äußerst gastfreundlich. Zum Wohlbehagen  der Krähenfans unter den
rund 300 Zuschauern sorgte jedoch vornehmlich auch das Spiel ihrer Mannschaft.
Diese hatte eine aufregende Woche hinter sich. Nach dem letzten Heimauftritt, als der TSV KK beim  1:3 gegen den SV Ramlingen/Ehlershausen eine äußerst schwache Leistung gezeigt hatte, entschieden sich die Verantwortlichen um Manager Wolfgang Ulrich und Spartenleiter Oliver Jung,  Trainer Ralf Przyklenk und Co-Trainer Dominik Chwalek zu entlassen. Beide hatten viel Herzblut in  ihre Aufgaben investiert. Doch als nach 14 Spieltagen erst neun Punkte auf dem Konto standen,
sah man sich dazu veranlasst, einen Schritt einzuleiten, der die Blockade lösen und die Köpfe freibekommen sollte. Von Przyklenk und Chwalek trennte sich der Verein stilvoll; und als Alexander Dosch gefragt wurde, ob er die Aufgabe übernähme, sagte dieser sofort zu. Mit zwei sehr guten Trainingseinheiten und vielen Einzelgesprächen bereitete Dosch, der bei Borussia Hannover bereits als Co-Trainer Erfahrungen gesammelt hatte, das Team auf das anstehende wichtige Spiel in Almstedt vor.  Am Sonnabend zeigte sich, dass der derzeit verletzte Mannschaftskapitän, der vom früheren Torjäger Marc Ulrich intensiv unterstützt wurde, gute Arbeit geleistet hatte.  Denn die Rot-Blauen legten einen von Anfang bis Ende gelungenen Auftritt hin.  In der 22. Minute gab es den ersten großen Jubelschrei unter den Krähen und ihrem Anhang. Felipe-Marcel Böttcher brachte das Waldsee-Team mit einem Volleyschuss in Führung. Es sollte nicht  der letzte Endorphinrausch an diesem Nachmittag  bleiben. In der 42. Minute drang  Böttcher in den gegnerischen Strafraum vor, umspielte dort Torhüter Sören Leymann, ehe dieser Böttcher am Fuß traf. Schiedsrichter  Sven Riedel aus Holtor  entschied auf Elfmeter, und man musste lange überlegen, wann es zuletzt einen Strafstoß für den TSV KK gegeben hatte. Tatsächlich sollte es bis zu diesem 15.Spieltag dauern. Marcel Kunstmann verwandelte souverän. Und noch vor dem Seitenwechsel legten die Krähen ein weiteres Tor nach. Philipp Schmidts Schuss ins rechte Eck wurde noch leicht abgefälscht und landete dann zur Pausenführung von 3:0 im Netz. Wer sich jetzt im Stillen an das Auswärtsspiel in Steimbke zurückerinnerte, als die Krähen nach einem 3:0-Halbzeitvorsprung mit einem 3:3 nach Hause fuhren, dem nahm Felipe-Marcel Böttcher schnell alle Befürchtungen.  Bereits in der 49.Minute krönte Böttcher seine überragende Leistung mit dem  Treffer zum 4:0. Nach einem Zuspiel von Kunstmann lief Krähenwinkels Nummer 27 mit seiner enormen Schnelligkeit  allen davon, arbeitete sich bis in den Strafraum hervor und besaß dort die Klasse, den herrlichen Spielzug mit einem Lupfer über Leymann  zu vollenden. Das fünfte Tor für KK war wiederum Philipp Schmidt vorbehalten, der per Linksschuss traf. Dass die Krähen erneut ein  Gegentor  nach einer Standardsituation kassierten – an diesem Tag war es zu verschmerzen. Jens Foerster hatte nach einem Freistoß per Kopfball für das zwischenzeitliche 1:4 gesorgt. So stand am Ende ein hochverdienter 5:1-Erfolg.  Renè Legien, Louis Trollmann und erneut Kunstmann besaßen sogar noch die Gelegenheit, das Ergebnis noch höher ausfallen zu lassen. Die Gastgeber kamen nur selten zu Abschlüssen, scheiterten oft an der stabilen Krähenwinkeler Abwehrreihe. Und wenn doch einmal etwas auf den Kasten kam, so zeigte sich der souveräne
Torhüter Andre Pigors stets auf dem Posten.  Hinten sicher, vorne effektiv und von der Seitenlinie zu einer geschlossenen Mannschaftsleistung geführt – besser hätte der Einstand für Alexander Dosch nicht verlaufen können. Und nun steht ein weiteres immens wichtiges Spiel bevor. Am nächsten Sonntag, 11. November, geht es gegen den TSV Pattensen, der nach gutem Saisonstart in der Tabelle weit nach hinten
gerückt ist. Für die Krähen,  die im worst case, sprich einer Niederlage in Almstedt, nun bereits neun Punkte Rückstand hätten, folgt nun die große Gelegenheit, bis auf einen Punkt an das rettende Ufer heranzurücken. Alle Fans und Freunde des TSV Krähenwinkel/Kaltenweide sind aufgerufen, am Sonntag am Waldsee zu erscheinen und die Mannschaft tatkräftig zu unterstützen. Mit dem eigenen Publikum im Rücken und neuem Selbstbewusstsein streben die Rot-Blauen den nächsten Sieg an.
Das Spiel beginnt um 14 Uhr. Zumindest in den vier Spielen bis zur Winterpause wird Alexander Dosch an der Seitenlinie stehen; der TSV KK macht sich bis zur Winterpause auf die Suche nach einem Trainer.
 
Mannschaft: Pigors, Bart (ab 83. Müller), Heider, Tegtmeyer, Hübner, S. Helms (ab 58.Schorler), Legien, Pfeuffer, Schmidt, Kunstmann, Böttcher (ab 71.Trollmann)    Trainer: Dosch
Tore: 22.0:1 Felipe-Marcel Böttcher, 42.0:2 FE Marcel Kunstmann, 44.0:3 Philipp Schmidt, 49.0:4
Felipe-Marcel Böttcher, 65.1:4 Jens Foerster, 81.1:5 Philipp Schmidt