Krähen melden sich eindrucksvoll zurück

TSV KK schlägt den Tabellenzweiten – nun wartet das Pokal-Viertelfinale

Eine schwere Prüfung hatte der TSV Krähenwinkel/Kaltenweide zuletzt in der
Fußball-Landesliga vor der Brust. Die Krähen waren zuletzt in eine Negativspirale
geraten und hatten dreimal hintereinander verloren. Zudem war die Leistung bei der
dritten dieser Niederlage, einem 0:3 beim OSV Hannover, äußerst dürftig. Und jetzt
kam auch noch der Tabellenzweite HSC Blau-Weiß Schwalbe Tündern an den
Waldsee. Die Mannschaft aus dem Hamelner Stadtteil kam mit der Empfehlung,
sowohl den besten Sturm als auch die beste Abwehr der Liga zu stellen und mit
Robin Tegtmeyer den Führenden der Torschützenliste in seinen Reihen zu haben.
Von der Papierform her sah der Ausgang der Begegnung nach einer klaren Angelegen-
heit aus. Aber die Krähen haben Anleihen aus der Vorsaison genommen. Vor einem
Jahr kam der TSVKK aus einer Serie von vier Niederlagen, als es gegen Tündern ging,
das auch zu jenem Zeitpunkt auf einem Spitzenplatz rangierte. Dann spielte das Waldsee-Team groß auf -und beendete mit einem überzeugenden Heimsieg die Krise. Am Sonntag gelang es der Mannschaft, diesen Coup zu wiederholen.
Tündern lag nur zwei Punkte hinter Spitzenreiter Hemmingen-Westerfeld und hatte
angekündigt, unbedingt drei Punkte aus dem Krähennest entführen zu wollen, um die
Meisterschaftsambitionen zu unterstreichen. Dennoch war in der Anfangsphase zwischen
den beiden Kontrahenten kein Unterschied auszumachen. Die ersten Torschüsse der
Gäste hatten eine große Streuung. Zweimal schien der Ball den Gästen über den Schuh
gerutscht zu sein, so dass die Schüsse ihr Ziel in erheblichem Maße verfehlten. Doch
in der 19.Minute hatte Tündern das Tor deutlich präziser ins Visier genommen. Der Schuss,
den die Gäste abgaben, hätte sicherlich das 0:1 bedeutet. Doch Krähenwinkels Yannik Reck stand goldrichtig und köpfte den Ball von der Torlinie. Die Nummer 7 des TSVKK sollte kurz darauf auf der anderen Spielfeldseite im Blickpunkt stehen. Nach einem stark getretenen Freistoß von Mark Heineking von der rechten Seite auf Höhe der Mittellinie kam
Reck zu einer guten Gelegenheit. Sein Kopfball ging oben rechts über das Tor. Und dann kam die 23.Minute, und diese brachte den Krähen das 1:0. Mit einem sehenswerten Distanzschuss traf Philipp Schütz in den Winkel. Schütz hatte seine Laufbahn in der ersten
Herrenmannschaft eigentlich für beendet erklärt und sich der Reserve in der Kreisliga
gewidmet. Den Mann mit dem großen Kämpferherzen abermals zu reaktivieren, erwies sich als geschickter Schachzug des Trainergespanns um Bernd Krajewski. Und endlich war das Glück, das sich in den letzten Wochen und Monaten so oft den Krähen abgewandt zu haben schien, einmal auf Seiten der Rot-Blauen. Das Gegentor auf der Torlinie verhindert, kurz darauf selbst in Führung gegangen – so oft lief es in der jüngeren Vergangenheit umgekehrt. Eine Szene aus dem Kuriositätenkabinett brachte jedoch zehn Minuten später Ernüchterung.
KK hatte einen Freistoß im eigenen Strafraum. Ein Krähenwinkeler tippte den Ball an. Damit galt der Freistoß als ausgeführt. Doch bevor ein Mitspieler den Ball nach vorne schlagen konnte, schaltete Tünderns Ugur Aydin schnell. Er spurtete dazwischen, spielte in den Strafraum, und dort musste Lukas Kramer das Leder nur noch ins leere Tor einschieben. Sollte dieser Fauxpas die Krähen auf die Verliererstraße bringen? Vor dem Seitenwechsel hatten beide Teams noch jeweils eine gute Gelegenheit, die die Torhüter gut parierten. Bei einem der stark verbesserten Standards fand Philipp Schütz per Freistoß in Kolja Kowalski seinen Meister, während Andre Pigors den Versuch von Ugur Aydin entschärfte.
Es stand 1:1, und als neutraler Zuschauer hätte man kaum ahnen können, welches Team auf Platz Zwei steht und welches auf Rang 13 zu verorten ist. Ähnlich offen ging es nach dem Seitenwechsel weiter, wobei die Krähen die besseren Torchancen hatten. Felipe-Marcel Böttcher mit einem Lattentreffer und Renè Legien mit einem platzierten Schuss scheiterten knapp, dann war es so weit. Böttcher schien einen Ball schon verloren zu haben. Doch er setzte nach und erkämpfte das Spielgerät zurück – eine Szene, die sinnbildlich für die große
Kampfbereitschaft und den immensen Einsatzwillen, den die gesamte Mannschaft zeigte, war. Die Belohnung folgte auf dem Fuße. Nach Böttchers Flanke wurde der Schuss von Felix Groth noch abgeblockt, doch den Nachschuss beförderte Marcel Kunstmann zum
umjubelten 2:1 ins Tor. Wenn man bedenkt, dass Tündern damit zum ersten Mal seit sechs
Monaten (!) in einem Spiel mehr als ein Gegentor kassiert hat, erkennt man, was die Krähen an diesem Nachmittag geleistet haben. Kunstmann und Legien besaßen in der Endphase der Partie weitere gute Gelegenheiten, Pigors parierte kurz vor Schluss einen Freistoß von Adrian Gurgel prächtig.
Dann folgte der Schlusspfiff, und der TSVKK durfte tief durchatmen. Aufgrund der
Ergebnisse der Konkurrenz sind die Rot-Blauen nun nur noch einen Punkt vom Nichtab-
stiegsplatz entfernt. In zwei Wochen geht es dann mit einem Gastspiel in Bad Pyrmont weiter. Doch an Ostern herrscht zunächst Pokalfieber. Der TSV Krähenwinkel/Kaltenweide
freut sich auf das Viertelfinale. Am Ostermontag, den 22.April spielt KK um 15 Uhr beim
FC Sulingen, dem Tabellenführer der Bezirksliga 1. Gespielt wird auf der Sportanlage an der Verdener Straße in Sulingen-Nord. Mit einem Sieg würde sich der TSVKK mit dem Halbfinale einen echten Saisonhöhepunkt verschaffen und zudem weiteres Selbstvertrauen im Kampf um den Klassenerhalt in der Landesliga sammeln.
Mannschaft: Pigors, Marre, Heider, Heineking, Hübner, Groth, Schütz, Legien, Böttcher (ab 85.Bart), Reck, Kunstmann Trainer: Krajewski
Tore: 23.1:0 Philipp Schütz, 33.1:1 Lukas Kramer, 64.2:1 Marcel Kunstmann